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Bäcker hat sich mit seinen Geschäften übernommen

Wegen Veruntreuung und Bankrott muss sich Andreas Kätsch vor Gericht verantworten. Er hatte kurzzeitig auch in Löbau eine Filiale unterhalten.

© dpa

Von Jens-Rüdiger Schubert

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

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Löbau/Görlitz.Das Görlitzer Amtsgericht hat einen 48-jährigen Bäcker und Unternehmer jetzt zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Ihm wird zur Last gelegt, Arbeitsentgelt zum Nachteil von Arbeitnehmern vorenthalten und veruntreut zu haben. Das betrifft in fast 20 Fällen die von ihm geführten Firmen Niederschlesische Backwaren GbR Uhsmannsdorf (NBU) und Kätschs Backhaus. Eine Filiale des Backhauses gab es auch in Löbau. Anfang 2015 hatte Kätsch sie am Neumarkt eröffnet. Ein Hoffnungsschimmer, denn die Ladenzeile am Platz hat es schwierig, der Leerstand ist groß. Immer wieder versuchten sich Geschäftsleute mit Läden am Neumarkt, viele schafften es nur kurz. So ging es auch Bäcker Kätsch. Schon wenige Monate nach der Eröffnung, im Mai 2015, schloss das Geschäft wieder. Schon damals gab es Gerüchte über wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Zu der Veruntreuung kam nun vor Gericht der Bankrott der Backwaren GbR. Ins Gefängnis muss der Unternehmer aber nicht, die Strafe wurde auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss Andreas Kätsch 100 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. In der Urteilsbegründung geht das Gericht davon aus, dass Kätsch zunächst als Berater auftrat, dann aber als faktischer Geschäftsführer tätig war. Damit ist auch der Bankrott der NBU seiner Tätigkeit zuzuordnen. Das Gericht sah, im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft, kein planmäßiges Vorgehen, sondern vielmehr kaufmännisches Versagen, und dass Andreas Kätsch mit der bereits angeschlagenen NBU überfordert war.

Der aus Brühl bei Heidelberg stammende Kätsch hatte sich 2014 auf eine Annonce der NBU gemeldet. Die damaligen Gesellschafter wollten den Backbetrieb verkaufen und suchten einen neuen Geschäftsführer. Andreas Kätsch ist gelernter Bäckereifachmann und verstand es, sich derart positiv ins Bild zu setzen, dass man sich schnell handelseinig wurde. Hans-Jürgen Zange, einer der damaligen Gesellschafter der NBU, sah erfreut in die Zukunft des Unternehmens. Kätsch hatte angekündigt, das Unternehmen für 400 000 Euro zu kaufen und eine siebenstellige Summe in den Neuaufbau zu investieren. Hans-Jürgen Zange stellte Kätsch noch 2014 seiner Belegschaft als neuen Geschäftsführer vor und gab alle Vollmachten und Entscheidungen ab. Aus heutiger Sicht gesteht Zange ein, etwas blauäugig gewesen zu sein. Den Kaufpreis hat er nie erhalten. Nachdem Kätsch alle Geschäfte einschließlich Konten- und Warenbewegung übernommen hatte, war im wahrsten Sinne nichts mehr wie vorher. Andreas Kätsch gründete Kätschs Backhaus und bezog seine Waren und Rohstoffe zu sehr günstigen Konditionen von der NBU. Diese Tatsachen genügten der Staatsanwaltschaft, um davon auszugehen, dass Kätsch faktisch Geschäftsführer der NBU war. Demnach sei er auch dafür verantwortlich, dass die NBU spätestens 2015 bankrott war. Und nach ihrer Auffassung hatte Andreas Kätsch geplant, die NBU für seine Zwecke, das heißt, für das von ihm gegründete Backhaus zu nutzen, alle Lasten der NBU aufzubürden, sie dann zu begraben und alles unter dem Namen Kätschs Backhaus zu vermarkten.

Da der Angeklagte bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, beantragte die Staatsanwaltschaft Geldstrafen. Für den Bankrott forderte sie eine Haftstrafe von einem Jahr. Die daraus folgende Gesamtfreiheitsstrafe von 15 Monaten sollte auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Die NBU soll schon vor Erscheinen des Angeklagten in argen Schwierigkeiten gewesen sein. Nach Ansicht der Verteidigung war eine Finanzamtsforderung von 2013 der Todesstoß für die NBU. Deswegen sei Andreas Kätsch kein Bankrott zuzuordnen. Außerdem war Kätsch, zumindest nach Meinung der Verteidigung, niemals faktischer Geschäftsführer. Demnach sind ihm auch keine Handlungen oder Unterlassungen eines Geschäftsführers zu unterstellen. Zum Dritten konnte Kätsch sehr wohl Rabatte für die Lieferung von Waren und Rohstoffen in Anspruch nehmen. Die Verteidigung beantragte, ihren Mandanten von allen Vorwürfen freizusprechen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.