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Bäume ersticken im Biomüll

Mülltouristen gibt es auch unter den Gärtnern. Weil zu viel Grasschnitt im Eichbergwald landet, sterben die ersten Bäume.

© Dietmar Thomas

Von Heike Heisig

Leisnig/Roßwein. Jeder gute Gärtner macht in seinem Garten einen Haufen. Über diesen Wortwitz haben die Fans des Komikerduos Herricht und Preil dutzendfach gelacht. Doch inzwischen sieht es so aus, dass Gärtner und Grundstückseigentümer ihren Kompost nur bedingt wachsen sehen wollen – und den Hecken-, Koniferen- oder Gasschnitt stattdessen in den Wald oder an den Feldrand kippen. Das kann fatale Folgen haben, wie jetzt im Eichberg in Leisnig deutlich wird.

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Einige Birken am Waldesrand sind mit einem farbigen Zeichen markiert. „Die muss die Kommune fällen lassen“, sagt Revierförster Dirk Tenzler. Er schaut sich den Wald, der der Stadt Leisnig gehört, in deren Auftrag an und berät in Sachen Waldbewirtschaftung. Wie der Fachmann erklärt, lagert sich der ganze Biomüll, der illegal in den Wald gekippt wird, um die Bäume ab und gammelt vor sich hin. „In dem Fall sind es Birken, die faulen einfach weg“, so Dirk Tenzler.

Den Baumfreunden des Geschichts- und Heimatvereins hat er bei einer Exkursion gezeigt, wie die Ablagerungen dem Wald zusetzen. Das nahm Heimatvereinschef Uwe Reichel zum Anlass, um das Problem im Technischen Ausschuss vorzustellen. Er bat, zu überlegen, inwieweit es möglich ist, in betroffenen Bereichen einen entsprechend hohen Maschendrahtzaun aufzustellen und damit der illegalen Entsorgung Einhalt zu gebieten. Bauamtsleiter Thomas Schröder erzählte daraufhin, dass es auch anderswo solche Probleme gibt. Mehrfach sei die Verwaltung über Beobachtungen informiert worden, nach denen Leute mit Schubkarren voller Grünzeug unterwegs waren und dies verkippt haben. „Wir haben damals mit den Leuten gesprochen und sie gebeten, aufzupassen und uns Hinweise zu geben. Daraufhin wurden uns Stasi-Methoden vorgeworfen“, sagte Thomas Schröder.

Bauern vor ähnlichen Problemen

Neben Waldbesitzern bereitet aber auch den Landwirten die illegale Entsorgung von Grünschnitt und anderem mehr Sorgen. Das hat Reiner Schumann, Bauer aus dem Roßweiner Ortsteil Niederforst, vor Kurzem anklingen lassen, als er mit Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) bei einer der Ortsteilbegehungen zusammentraf. Vorher waren solche wilden Biomüllablagerungen am Feldrand schon mehrfach Thema in den Sitzungen des Ortschaftsrates Niederstriegis. Unter anderem gibt es in der Ortschaft Mahlitzsch mehrere Stellen, an denen Gartenbesitzer regelmäßig abladen, was sie auf dem eigenen Kompost nicht haben wollen.

„Egal, ob es sich um eine Wiese oder um bestelltes Ackerland handelt: Diese unkontrollierten Haufen bringen den Landwirt in Schwierigkeiten“, sagte Iris Claassen. Sie ist Stadträtin in Roßwein (Freie Wähler) und zugleich Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes Döbeln-Oschatz. Die Probleme begännen spätestens dann, wenn es an die Ernte geht. „Auf dem Grünland kann dieser angegorene Kompost zu schlechten Qualitäten bis hin zum Verderb der Silage oder des Heus führen“, erklärte Iris Claassen. Das wiederum könne den Tieren, die dieses Futter vorgesetzt bekommen, schwer im Magen liegen.

Doch das ist nur die eine Seite. „Auf einem bestellten Acker können die Ablagerungen durchaus zu Schäden an der Erntetechnik führen“, veranschaulichte Iris Claassen. Das sei für die Bauern ärgerlich, da diese wetterbedingt nur ein kurzes Zeitfenster für die Ernte und somit auch für die Reparatur von kaputt gegangenen Maschinen haben. Die Geschäftsführerin weiß, wovon sie spricht. Denn auch ihre Familie führt im Nebenerwerb eine kleine Landwirtschaft. Sie rät Leuten vor allem im ländlichen Bereich, mit den Bauern in ihrer Nähe zu sprechen. Entweder könne das Grüngut gleich beim Bauern auf den Misthaufen gebracht werden. Eine andere Möglichkeit sei, die wertvolle Biomasse auf dem Grundstück zu sammeln und im Spätsommer auf die abgeernteten Äcker zu bringen – in Absprache mit den Bewirtschaftern natürlich. Letztlich wird Grünschnitt auch auf den Wertstoffhöfen angenommen.