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Bagatelle löst Massenschlägerei aus

Etwa 40 Asylbewerber sind möglicherweise wegen eines Handys in Streit geraten. Die Ermittlungen sind mühselig.

© Archivfoto: Egbert Kamprath

Von Mandy Schaks

Die Ermittlungen nach der Massenschlägerei im Asylbewerberheim in Schmiedeberg gestalten sich schwierig. Das liegt im Wesentlichen in der Sache selbst, einem Vorfall, den es in diesem Ausmaß noch nie gegeben hat. Etwa 40 junge Männer – ungefähr zur Hälfte aus Tunesien und Eritrea – hatten sich am Dienstagabend vor einer Woche in die Wolle gekriegt. Das heißt, rund ein Viertel der Heimbewohner ist aufeinander losgegangen. Der Streit mündete letztlich in eine handfeste Schlägerei, bei der vier Asylbewerber verletzt wurden.

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Die rund 40 Beteiligten müssen nun alle von der Polizei befragt werden, um den Grund und vor allem die Rädelsführer ausfindig machen zu können. Ermittelt wird wegen gefährlicher Körperverletzung. Eine Mammutaufgabe, bei der sich die Polizei Schritt für Schritt vorwärts arbeitet. „Es sind noch nicht alle Zeugenvernehmungen in Gänze abgeschlossen“, sagt Marko Laske von der Polizeidirektion Dresden. Denn jedes Mal muss ein Dolmetscher hinzugezogen werden. Und wie aus Polizei-Kreisen zu hören ist, gibt es nicht so viele Übersetzer, die der Sprache der Eritreer mächtig sind.

Deshalb ziehen sich die Ermittlungen hin. Zudem gibt es noch eine andere Schwierigkeit. Die Kripo bringen die Ergebnisse der Befragungen auch nicht wirklich weiter. Es will sich nicht Mosaikstein für Mosaikstein zu einem Bild zusammenfügen, was sich an dem Abend im Asylbewerberheim tatsächlich abgespielt hat. „Die Abläufe konnten noch nicht erhellt werden“, erklärt Polizeisprecher Laske. „Jeder hat das anders wahrgenommen und berichtet das anders.“ Zugespitzt formuliert gibt es etwa 40 Beteiligte und ungefähr genau so viele Varianten zum Tathergang.

Bei den Ermittlungen kristallisierte sich aber heraus, dass die Auseinandersetzung tatsächlich wegen einer Nichtigkeit entstanden ist. Die Polizei will sich dazu noch nicht konkret äußern. Dem Vernehmen nach soll es bei der Kleinigkeit möglicherweise um ein Handy gegangen sein. Nicht einmal um das Gerät selbst, sondern um den Gebrauch des Handys.

Aus einer Bagatelle wurde auf jeden Fall eine Massenschlägerei. Die Spirale habe sich dann ganz schnell hochgedreht, erklärt Marko Laske. Wenn viele junge Leute auf so engem Raum leben, komme es zu Spannungen. „Hier hat sich das Spannungsfeld mal entladen.“

Die Eritreer wurden kurz nach den Ausschreitungen in Schmiedeberg nach Freital verlegt, um den „akuten Konfliktherd einzudämmen“, wie Kati Hille sagt. Sie ist Beigeordnete im Landratsamt, das für die Unterbringung der Asylbewerber zuständig ist. Die Umverteilung habe aus ihrer Sicht auch noch aus einem anderen Grund Sinn gemacht. Die Eritreer, die alle unter 27 Jahre alt seien, besuchten in Freital ohnehin die Berufsschule, um dort Deutsch zu lernen. Die Plätze, die dadurch im Schmiedeberger Heim frei geworden sind, sollen vorerst möglichst nicht gleich wieder belegt werden, um etwas mehr Ruhe ins Haus zu bekommen. Allerdings hat darauf das Landratsamt kaum Einfluss. Denn die nächste Gruppe Flüchtlinge, die der Kreis unterbringen muss, sei bereits für Ende April angekündigt.