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Bagger im Anflug

Der Bau des neuen Festungsaufzugs hat begonnen. Dafür wird auf der Brühlschen Terrasse schweres Gerät gebraucht.

© René Meinig

Von Nadja Laske

Es gibt viele gute Gründe, das Terrassenufer zu sperren: Stadtfeste, Cityläufe, Straßensanierungen. Auch weniger gute, wie diverse Demos und Überflutungen. Am Sonnabend gab es indes einen spektakulären Grund, den Verkehr zu stoppen und Autofahrer einen Umweg nehmen zu lassen. Unterhalb der Brühlschen Terrasse hatten Mitarbeiter der Firma Kranlogistik Lausitz einen 200-Tonnen-Kran postiert, der schweres Baugerät von der Fahrbahn hinauf auf den sogenannten Balkon Europas hob. Damit haben die Arbeiten zur Umgestaltung der Festung Dresden begonnen. Denn im ältesten Bauwerk der Stadt wird eine neue Ausstellung entstehen, die eher die Bezeichnung multimediale Erlebniswelt verdient. Ende nächsten Jahres sollen die Vorbereitungen beendet und bis dahin insgesamt 4,3 Millionen Euro verbaut sein.

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Der Eingang zum Aufzug bekommt ein Kettenhemd übergestreift. © Grafik: Raum und Bau GmbH

Als Erster schwebte zehn vor acht Uhr morgens ein Bagger über die Brüstung und setzte gegenüber dem Eingangsportal der Kunsthochschule sanft auf. Weil unter der Brühlschen Terrasse ein Fernwärmekanal verläuft, der einer Belastung von maximal zehn Tonnen standhält, können deutlich schwerere Baugeräte die Zufahrt aus Richtung der Synagoge nicht nutzen.

Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst brauchten jedoch den Zwölftonner, um damit den Baugrund nach Weltkriegsmunition abzusuchen. Dafür bohrten sie Löcher tief in die Erde und führten eine Sonde ein. „So viel wir wissen, liegt da nichts, aber sicher ist sicher“, sagt Ulf Nickol vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). Schließlich sollen die Arbeiten für den Aufzug, der künftig die Besucher der Festung von der Brühlschen Terrasse hinunter ins historische Gewölbe bringen werden, gefahrlos und ungestört vorangehen.

Der Lift ist das wichtigste Teilprojekt des gesamten Vorhabens. Um ihn zu installieren, hebt das Bauunternehmen des Freistaates auf einer Fläche von drei mal drei Metern einen Schacht aus. „Der Boden ist inhomogen“, sagt Niederlassungsleiter Nickol. Das bedeutet, dass in der Tiefe festes Gestein aber auch lockeres Material zu erwarten ist. Deshalb müssen Bauarbeiter zunächst über Bohrungen Zement verfüllen und damit stabile Seitenwände schaffen. „Der Aufzug wird eine Grundfläche von rund zwei Mal zweieinhalb Metern haben“, erklärt Ulf Nickol. Bis zu 20 Personen sollen darin Platz haben. „Das kann schon etwas eng werden, sagt der Dresdner SIB-Chef mit Blick auf seinen Bauch.

Gedacht ist der Lift jedoch vor allem für Menschen, die nicht gut zu Fuß sind oder sogar im Rollstuhl fahren. Für alle anderen entsteht vom Terrassenufer aus ein ebenfalls barrierefreier Eingang. Der bisherige, Kasematteneingang ist künftig nur noch als zweiter Ausgang vorgesehen. Er führt sehr versteckt vom Georg-Treu-Platz aus in die Festungsanlage. „Ohne den Bau des Aufzuges hätte das gesamte Ausstellungskonzept keinen Sinn gemacht“, sagt Christian Striefler, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen. Dass der Denkmalschutz den baulichen Eingriff genehmigt hat und die Mittel dafür bereitgestellt wurden, nennt der Schlösser-Chef einen „Meilenstein“. Nun könne die Festung Dresden endlich so präsentiert werden, wie es ihre Bedeutung für die Stadtgeschichte verdient. „Bisher kannten zwar viele die Kasematten“, aber so richtig im Bewusstsein der Dresdner und der Gäste der Stadt sei der geschichtsträchtige Verteidigungsbau nie gewesen.

Das soll sich ändern, wenn das Gewölbe Ende 2019 ganz neu präsentiert wird – allerdings nicht in herkömmlicher musealer Form mit Exponaten und Vitrinen. Stattdessen werden die Ausstellungsplaner frühere Jahrhunderte über Videoprojektionen lebendig machen. Die Besucher sollen historischen Persönlichkeiten in animierten Filmszenen begegnen und so das Leben in der Festung nacherleben können. Dort hausten und kämpften unter schwierigsten Bedingungen Stadtbürger, die als Rekruten militärisch ausgebildet und zum Dienst verpflichtet wurden.

Bisher haben pro Jahr zwischen 35 000 und 50 000 Menschen die Kasematten besucht, zwei- bis drei Mal so viele seien rund um die Festung unterwegs, sagt Christian Striefler. Erwartungen an künftige Gästezahlen will er nicht nennen. „Aber wir werden mit der neuen Ausstellung deutlich mehr Menschen erreichen.“ Anlocken dürfte sie allein schon der Aufzug mit seiner Metallverkleidung, die nachts hinterleuchtet sein wird. Zwei Löwenköpfe als Türklopfer laden ein, symbolisch um Einlass in alte Zeiten zu erbitten.