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Bagger knabbern am Blauen Haus

Der Zehngeschosser wird ab Februar Stück für Stück abgetragen. Asbest und Wind machen den Arbeitern aber zu schaffen.

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Von Tobias Winzer

Gerüste und Planen verdecken derzeit den Blick auf das Blaue Haus am Carolaplatz. Dahinter hat der Abriss des 40 Meter hohen Gebäudes längst begonnen. Ab Februar wird er auch von außen sichtbar sein. Dann wird der Zehngeschosser Stück für Stück kleiner. „Im Sommer wollen wir mit dem Abriss fertig sein“, sagt der Niederlassungsleiter des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagements (SIB), Ludwig Coulin. Der Freistaat investiert zwei Millionen Euro in die Arbeiten. Auf der Fläche entstehen übergangsweise Parkplätze für die Mitarbeiter des Regierungsviertels. Irgendwann soll das Grundstück wieder bebaut werden. Konkrete Pläne dafür gibt es nicht.

Zurzeit wird das Hochhaus, das zuletzt von der Polizeidirektion Oberes Elbtal genutzt wurde, Etage für Etage entkernt. „Türen, Elektrik, Versorgungsleitungen und Datenleitungen sind schon draußen“, erklärt der Projektleiter im SIB, Jens Schönfelder. Zu schaffen machen den Spezialisten des Abrissunternehmens Reinwald die Asbestplatten an den Giebelwänden und in der Deckenverkleidung. Die Arbeiter müssen Schutzkleidung und Atemmasken tragen. Auch der starke Wind der letzten Tage ist ein Problem. Die Arbeiten auf der Dachterrasse in der zehnten Etage wurden aus Angst vor umherfliegenden Teilen unterbrochen.

Im Gebäude können die Arbeiten aber planmäßig weitergehen. Sind alle Verkleidungen beseitigt, reißen die Arbeiter das Mauerwerk in den Zwischenwänden ab. Am Ende der Entkernung bleiben nur noch Beton-Rahmen und Decken, also das Grundgerüst des Blauen Hauses, stehen. Dann kann der von außen sichtbare Abriss beginnen. „Im Februar soll es damit losgehen“, sagt Coulin.

Haus wird zur Riesentreppe

Da das Hochhaus sehr dicht am Nachbargebäude, dem Sitz des Innenministeriums, steht, kann dafür zunächst kein schweres Gerät eingesetzt werden. Mit einem Kran, der bereits seit Herbst aufgebaut ist, werden die Betonelemente einzeln abgetragen. „Das Haus wird dabei abgestuft“, erklärt Coulin. Während das Haus am südlichen Ende Stück für Stück schrumpft, wird es am nördlichen Ende noch eine Weile stehen bleiben. Eine riesige Treppe entsteht dadurch.

Anschließend kommt eine andere Abbruchtechnik zum Einsatz. Mit einem 40 Meter langen Greifarm zertrümmert ein Bagger vom Boden aus die restlichen Betonteile und hievt sie von dem Hausgerippe nach unten. Das geht viel schneller als das einzelne Abtragen der Betonteile. Der Abriss endet in sieben Metern Tiefe. So tief reichen die Fundamente des Hauses. Die Baugrube wird anschließend mit Kies verfüllt.

Alle Einzelteile des Blauen Hauses werden erst einmal neben dem Zehngeschosser gelagert. Dafür wird ein Platz genutzt, der durch den Abriss eines zweigeschossigen Nebengebäudes entstand. Die Materialien werden anschließend getrennt. „Pappe kommt zu Pappe und Metall zu Metall“, erklärt Coulin. Der 60-Jährige freut sich auf den dann freien Blick ins Regierungsviertel. „Ich bin froh, wenn das Haus weg ist.“