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Baggern und Bäume fällen

Neben dem gleichnamigen Parkplatz wird der einstige Kutschgeteich renaturiert. Was nach Zerstörung der Umwelt aussieht, soll dieser nützen.

© Norbert Millauer

Von Sven Görner

Moritzburg. Erst Schlamm, dann Frost und jetzt wieder Schlamm. Trotz Raupenketten haben es die Baumaschinen schwer, sich auf dem Untergrund zu bewegen. Immer wieder gibt dieser nach, drohen Bagger und Transporter steckenzubleiben.

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Dort, wo jahrelang üppiges Grün in diese Höhe gewachsen war, lässt sich jetzt weit schauen. Und das liegt nicht nur an der Jahreszeit. Denn in den vergangenen Wochen ist auf der rund 70 000 Quadratmeter großen Fläche zwischen Kutschgeteichparkplatz, Rabenhügel, Kleiner Fasanenstraße und Kanal intensiv gearbeitet worden. Bäume wurden gefällt, Sträucher herausgerissen und mit den beiden Baggern scheinbar alles aufgewühlt. Wer sich das Areal anschaute, kann durchaus Umweltfrevel hinter dem Tun vermuten.

Tatsächlich ist genau das Gegenteil der Plan. Denn mit den Arbeiten sollen weder der Parkplatz vergrößert, noch ein neues Wohngebiet erschlossen werden. Obwohl für beides im Ort Bedarf bestehen würde. Ziel der Arbeiten ist vielmehr, den bis vor den Zweiten Weltkrieg existierenden Kutschgeteich zu renaturieren. Auf diese Weise soll ein Teil der Pflege- und Entwicklungskonzeption für das gleichnamige Naturschutzgebiet (NSG) umgesetzt werden. Denn obwohl es das Schutzgebiet bereits seit 2001 gibt, erfüllt es bisher kaum den beabsichtigten Zweck. Dieser besteht laut Verordnung in der Erhaltung und Entwicklung eines Feuchtgebietes mit naturnahen stehenden Kleingewässern, Röhrichten, Großseggenrieden, seggen- und binsenreichen Nasswiesen, Feuchtgebüschen und höhlenreichen Einzelbäumen als Lebensstätte für Tier- und Pflanzenarten, vor allem auch als störungsarmes Brut- und Nahrungsgebiet seltener Sumpf- und Wasservögel.

Durch die natürliche Vermehrung von Bäumen und Sträuchern, aber auch durch das Ablagern von Gartenabfällen wurden Wiesen und kleine Wasserflächen allmählich immer weiter zurückgedrängt. Diese Entwicklung soll mit den laufenden Arbeiten nun gestoppt und rückgängig gemacht werden. Umgesetzt wird das Bauvorhaben vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Meißen. Rund 380 000 Euro stellt der Freistaat Sachsen dafür zur Verfügung.

Gefällt wurden auf der Fläche vor allem Roteichen. Diese nordamerikanische Eichenart war forstwirtschaftlich vor der NSG-Ausweisung eingebracht worden. Nach Auskunft der Naturschutzbehörde konkurrieren diese erfolgreich durch Selbstaussaat mit den einheimischen Stiel- und Traubeneichen. Die im Gebiet vorhandenen Stieleichen bleiben dagegen erhalten. Um den bestehenden Erlenbruchwald wurden sogar Bautabuzonen eingerichtet, um Schäden zu vermeiden. Denn zum einen handelt es sich dabei um gesetzlich geschützte Biotope und zum anderen entsprechen sie der natürlichen Vegetation an diesem Standort.

Nach den Fällungen und der Gehölzrodung laufen derzeit die Arbeiten zum Entschlammen der verlandeten Teiche. So sollen wieder mehrere freie Wasserflächen mit unterschiedlichen Tiefen entstehen. Übrigens nicht nur zwischen Parkplatz und Kanal, sondern auch östlich vom Kanal. An dem kleinen Fließgewässer durch das NSG, auch dieser Abfluss aus dem Schlossteich wird wieder auf 80 Zentimeter vertieft, sollen zudem Steilwände vorbereitet werden, um dem Eisvogel Brutmöglichkeiten zu schaffen.

Die wiederhergestellten kleinen Teiche sollen überwiegend als Reproduktionsgewässer für früher ganz gewöhnliche Amphibien- und Reptilienartenarten wie Grünfrösche, Grasfrosch, Teichmolch oder Ringelnatter dienen. Diese Reproduktionsstandorte brauchen nach Auskunft der Naturschutzbehörde bestimmte Anforderungen. Dazu gehören Flachwasserzonen, tiefere Stellen, keine fischereiliche Nutzung und auch eine gewisse Mindestgröße. Die wiederhergestellten kleinen Teiche sollen der Bestandsstabilisierung der genannten Artengruppen im Moritzburger Teichgebiet dienen. Aus ornithologischer Sicht geht es darum, mit der Renaturierung ein Rastgewässer für Limikolen zu schaffen. Limikolen sind Watvögel.

Zum Schutz vor erneuten Ablagerungen von Gartenabfällen und sonstigen Abfällen werden die Biotopflächen künftig in Teilbereichen mit einem Wildschutzzaun gesichert.

Mit den laufenden Arbeiten im Kutschgeteich-Gebiet will die Lasuv-Niederlassung Meißen übrigens für künftige Bauprojekte vorsorgen. Statt wie üblich erst im Planfeststellungsverfahren für den Bau von Straßen und Radwegen Umweltausgeleichsmaßnahmen zu bestimmen, kann die Straßenbauverwaltung durch Vorhaben wie in Moritzburg bereits Ökopunkte sammeln. So kann es gelingen, künftige Baurechtsverfahren zu entlasten und zeitlich zu verkürzen. Das Kontingent wird bei verschiedenen aktuellen und künftigen Vorhaben im Staats- und Bundesstraßennetz Anwendung finden, so das Lasuv.