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Dresden

Die älteste Ferneisenbahn Deutschlands

Vor 180 Jahre wird die Zugverbindung von Leipzig nach Dresden eröffnet. Ein neues Zeitalter bricht an.

Ein Empfangsgebäude auf dem Gelände des ehemaligen Leipziger Bahnhof. Das Postkartenmotiv entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts. © Sammlung Holger Naumann

Mit der Bahn sind Dresden und Leipzig nur etwa eine Stunde auseinander. Es ist die älteste Ferneisenbahnverbindung Deutschlands. 

Mit Kanonensalut ist sie vor 180 Jahren am 7. April 1839 in Betrieb gegangen. Erstmals konnten Menschen und Güter in größerer Menge in kurzer Zeit über längere Distanzen befördert werden. Deutschland war im Industriezeitalter angekommen. Die fast 120 Kilometer lange Trasse war nicht nur von deutschen Ingenieuren geplant worden. Auf ihr waren auch in Deutschland entwickelte und gebaute Fahrzeuge unterwegs. Bis 2030 wird sie als Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nummer Neun für Geschwindigkeiten bis 200 Kilometer je Stunde ausgebaut.

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Der offizielle Eröffnungszug der „Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie“ war damals von Leipzig aus rund vier Stunden unterwegs. Die 16 Wagen wurden von zwei in England gebauten Lokomotiven gezogen, denn die Chefs der Eisenbahn-Compagnie hatten noch wenig Vertrauen in deutsche Ingenieure. Die von Johann Andreas Schubert im „Dresdner Aktien-Maschinenbau-Verein“ in Übigau gebaute, erste betriebsfähige deutsche und eigens für diese Strecke konstruierte Dampflokomotive „Saxonia“ durfte nur hinterherfahren. In den Wagen hatten es sich unter anderem Mitglieder der königlichen Familie bequem gemacht. Entlang der Strecke herrschte Volksfeststimmung. Zwei Tage später, am 9. April, wurde offiziell der Personen- und Güterverkehr aufgenommen. Ab Oktober 1840 war die Strecke durchgängig zweigleisig befahrbar.

Initiator der Leipzig-Dresdner Eisenbahn war der Schwabe und Nationalökonom Friedrich List. Er war 1817 mit 28 Jahren in Tübingen zum Professor ernannt und wurde später zu Festungshaft verurteilt, nachdem er als Landtagsabgeordneter Kritik am Königshaus und den politischen Verhältnissen geübt hatte. Deshalb war er 1825 zunächst in die USA emigriert.

1834 kehrte List zurück und ließ sich als amerikanischer Konsul in Leipzig nieder. Dessen Denkschrift „Über ein sächsisches Eisenbahn-System als Grundlage eines allgemeinen deutschen Eisenbahn-Systems und insbesondere über die Anlegung einer Eisenbahn von Leipzig nach Dresden“ fand bei den Leipzigern Gehör und schon am 3. April 1834 wurde unter Vorsitz des Kaufmanns Gustav Harkort das „Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Comité“ gegründet. List koordinierte das weitere Vorgehen. Allerdings gab es auch Widerstand. Einige Kaufleute favorisierten eine Verbindung nach Magdeburg. Mediziner warnten vor den gesundheitlichen Folgen des Bahnfahrens, Handwerker und Gewerbetreibende fürchteten mehr Konkurrenz.

Der Eisenbahnpionier, Volkswirt und Politiker Friedrich List. © Sammlung Holger Naumann

Bei der Wahl der Trasse machte sich der noch unbekannte Wasserbaudirektor Carl Theodor Kunz einen Namen, der später als Oberingenieur die Bauarbeiten leiten sollte. Ursprünglich standen drei Streckenführungen zur Debatte. Kunz nahm parallel zum Königlichen-Vermessungsamt eigene Messungen vor. Nach Beratungen mit englischen Experten wurde dessen Vorschlag angenommen und wegen des flachen Geländes der Verlauf über Riesa gewählt.

Am 1. März 1836 erfolgte bei Machern der erste Spatenstich und schon am 24. April 1837 ging der erste, 10,6 Kilometer lange Abschnitt zwischen Leipzig und Althen mit zwei Lokomotiven und acht Wagen in Betrieb. Auf Dresdner Seite rollten am 19. Juni 1838 die ersten Züge bis Weintraube bei Kötzschenbroda. Am 1. April 1839 meldete Kunz der Eisenbahn-Compagnie, dass der letzte Abschnitt von Riesa nach Oberau fertig sei.

In Dresden war an der Leipziger Straße in der Neustadt ein Bahnhofsbau mit zwei großen Gebäuden entstanden. Er erwies sich jedoch schnell als zu klein und so wurde er zwischen 1857 und 1869 durch einen Neubau zwischen Leipziger und Großenhainer Straße ersetzt. Nachdem 1901 der Neustädter Bahnhof in Betrieb gegangen war, wurde dort nur noch Eilgut abgefertigt. Bei der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg ging ein Teil der Gebäude des ehemaligen Leipziger Bahnhofs verloren.

Für Friedrich List hat sich der Bau der Leipzig-Dresdner Eisenbahn nicht ausgezahlt. Er hatte vergeblich auf eine leitende Anstellung bei der Eisenbahn-Compagnie und damit auf materielle Sicherheit gehofft. Er verlässt Sachsen, geht nach Paris, kehrt 1840 nach Deutschland zurück, arbeitet als Journalist, hält Vorträge. 1846 nimmt er sich das Leben. In Dresden trägt die Fakultät Verkehrswissenschaften an der Technischen Universität Dresden seinen Namen.