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Bahn will Rangierbahnhof Krippen aus dem Tiefschlaf erwecken

Der Schienenverkehr am Bahnhof Bad Schandau-Ost wird auf sieben Gleise erweitert. Anlieger kritisieren die Pläne.

© Dirk Zschiedrich

Von Gunnar Klehm

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Bad Schandau. Hier hat schon lange kein Rad mehr den Rost von der Schiene gewalzt. Junge Bäume wachsen aus dem Schotterbett, Rankpflanzen arbeiten sich mehr und mehr voran. Doch auch wenn es anders aussieht, die Deutsche Bahn will kein Gras über die Abstellgleise in Krippen wachsen lassen. Im Gegenteil. Die brachliegende Fläche soll zu einem Güterbahnhof ausgebaut werden – mit 24-Stunden-Betrieb. „Das hat industriellen Charakter. Das passt nicht in eine Tourismusregion wie das obere Elbtal“, sagt Roman Knaller. Der Krippener gehörte zu den wenigen Anliegern, die sich bisher ernsthaft mit den Plänen der Bahn befasst haben. Lediglich 15 Einwohner haben die Pläne im Rathaus eingesehen, sieben eine Stellungnahme abgegeben.

Sich mit solch komplizierten Dingen auseinanderzusetzen, passt offenbar nicht in die besinnliche Adventszeit. „Anders kann ich mir nicht erklären, warum so wenige Anlieger Bedenken gegen das Bauprojekt äußern“, sagt Architekt Roman Knaller. Auch seine Frau und Mitinhaberin des Gasthauses Ziegelscheune, Christine Strohbach-Knaller, spricht sich gegen das Bauvorhaben aus. „Die Kurstadt Bad Schandau ist eines der erfolgreichsten touristischen Angebote in Sachsen“, erklärt sie. Damit das so bleibt, müsse zwingend ein anderer Standort von der Bahn gewählt werden.

24-Stunden-Betrieb nach Neubau

Vier Jahre lang soll der sogenannte Bahnhof Bad Schandau-Ost Großbaustelle sein. Die Bahn plant den Ausbau der jetzigen Gleisanlagen. Rund um die Uhr sollen dann auf dem Gelände Loks gewechselt und Züge für die Weiterfahrt zusammengestellt werden. Der Schienenverkehr wird auf sieben Spuren erweitert. Das alte Stellwerk wird abgerissen, ein neues Gebäude hochwassersicher auf Stahlbetonstützen errichtet. Zudem ist ein Rückhaltebecken auf der Bergseite für 1 300 Kubikmeter Wasser vorgesehen. Damit soll der Bahndamm vor vom Hang stürzenden Wassermassen geschützt werden. Die gesamte Oberleitung wird erneuert. Im nächsten Jahr soll Baubeginn sein. Die erste Beteiligung von Institutionen und Bürgern ist abgeschlossen.

Übergangslösung bis Tunnelbau
Die Krippener kritisieren, dass jetzt etliche Millionen für den Ausbau der Abstellgleise ausgegeben werden sollen, wo doch die Tunnellösung durchs Erzgebirge beschlossen ist. Zudem sei in den Plänen nicht berücksichtigt, dass die Eisenbahntrasse von Skandinavien zum Balkan einen deutlichen Zuwachs im Güterverkehr verzeichnen wird. Die künftig dichtere Taktung des Güterverkehrs sei nicht ausreichend berücksichtigt.

Elberadweg nicht befahrbar
Der Elberadweg wird in der jahrelangen Bauphase linkselbisch nicht befahrbar sein. Der werde für die Baustelleneinrichtung gebraucht. „Der Radweg ist eine bedeutende Ertragsquelle für die Ziegelscheune“, erklärt Christine Strohbach-Knaller und macht auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Großbaustelle aufmerksam. Das gefährde Arbeitsplätze – nicht nur bei ihr. Aus der Erfahrung wisse man, dass es den Radweg unattraktiver macht, je öfter man mit einer Fähre die Flusseite wechseln muss.

Lärmbelästigung der Gäste
Um den Platz optimal auszunutzen, wird eine zwei Meter hohe Stützwand an der Grundstücksgrenze der Bahn als Abgrenzung zu den tieferliegenden Privatgrundstücken errichtet. Darauf wird dann noch eine vier Meter hohe Schallschutzwand gebaut, um die vorgeschriebenen Höchstwerte an Lärm einzuhalten. Die Konstruktion soll sich knapp 1 500 Meter von der Ziegelscheune bis zur Unterführung am Vereinshaus erstrecken. Wie sich eine bis zu sechs Meter hohe Wand in die Landschaft einpassen soll, ist kaum vorstellbar. Zumal eine Begrünung wegen des Pflegeaufwands nicht vorgesehen ist. Zwar müsste die Konstruktion rein rechnerisch weiter Richtung Bad Schandau gebaut werden. Aus Kostengründen endet die Wand jedoch an der Bahnunterführung der Straße in Krippen. Christine Strohbach-Knaller geht davon aus, dass der Schlaf der Anwohner und der Gäste in ihrem Hotel erheblich gestört wird. Von den Rammarbeiten während der Bauzeit ganz zu schweigen. „Während dieser Arbeiten wird ein Hotelbetrieb nicht möglich sein“, sagt sie.

Bürgerinitiative geplant
Christine Strohbach-Knaller und Roman Knaller wollen gern weitere Anlieger über die Dimension des Projektes aufklären. „Manche haben davon noch nie etwas gehört“, sagt Roman Knaller. Er geht davon aus, dass sich die Belastung der Luft durch Feinstaub und erhöhten Bremsabrieb erhöhen wird. Für einen Luftkurort wie Bad Schandau sei das sehr zweifelhaft. Sollte sich die Zahl der Kritiker des Projektes weiter erhöhen, müsste man sich zu einer Bürgerinitiative zusammenschließen. Als Einzelkämpfer habe man es schwerer, sagt der Krippener. Er würde sich auch freuen, wenn mal eine Bürgerversammlung dazu stattfinden würde.

Die Abwägung der bisherigen Einwendungen der Bürger, der Stadt und der Institutionen zu den Plänen erfolgt nun in der Landesdirektion. Das Ergebnis wird dann erneut öffentlich ausgelegt.