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Bahnhof mit Grotte

Zum Tag des offenen Denkmals gibt es seltene Einblicke. In Krippen existiert ein außergewöhnliches Kellergewölbe.

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© Norbert Millauer

Krippen. Täglich hasten Hunderte Fahrgäste durch den S-Bahnhof Krippen. Dass der hübsch gebaut ist, fällt vielen auf. Dass es sich um ein Denkmal handelt, wissen nur noch wenige. Was aber kaum einer weiß ist, was sich hinter den Mauern für interessante Räume und damit verbundene Geschichten verbergen. Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag werden einige von ihnen gelüftet.

Interessierte werden von den privaten Eigentümern des Bahnhofs durch das 1850 erbaute Haus geführt. Sowohl ganz oben als auch ganz unten wird es besonders spannend. „In den Kellergewölben stand bei der großen Elbeflut das Wasser“, sagt Stefanie Mathy. Zusammen mit ihrem Mann Armand hatte sie den Bahnhof 2014 gekauft, um dort einzuziehen. Weil die Kellergewölbe so große Ausmaße haben, hätten sie damals wie eine Grotte gewirkt.

Davon hat sich Stefanie Mathy erzählen lassen. Sie selbst hat da noch in Frankreich gelebt. Ihren Lebensmittelpunkt haben sie und ihr Mann wegen des Bahnhofs nach Krippen verlegt. „Wir haben uns in das Gebäude sofort verliebt“, sagt Stefanie Mathy. Auch das wird eine der Geschichten sein, die am Sonntag erzählt werden.

Neben ihrer eigenen Wohnung gibt es noch weitere in den Obergeschossen im Bahnhof. Die sind aber noch nicht bewohnbar. Ein alter Ofen und eine Gemeinschaftstoilette geben einen Eindruck, wie es sich hier bis in die 1990er-Jahre lebte.

Zur Eröffnung der Sächsisch-Böhmischen Eisenbahn von Dresden nach Bodenbach 1851 ist der Bahnhof in Krippen ursprünglich als der Haltepunkt für Bad Schandau gedacht gewesen. Schnell kam er allerdings an seine Kapazitätsgrenze. Für einen Ausbau fehlten die Flächen. Deshalb wurde erst danach der heutige Bahnhof Bad Schandau gebaut, der dann 1877 fertiggestellt wurde.

Den Ausbau des Bahnhofs Krippen haben nun die Mathys übernommen. Natürlich nicht im Sinne des Eisenbahnverkehrs. Sie sanieren Schritt für Schritt das Bahnhofsgebäude. Vieles passiert im Verborgenen, andere Veränderungen sind für jeden sichtbar. Etwa der Garten mit seinen bunten Blumen, an dem alle Fahrgäste vorbei müssen. Auch die Pumpe auf dem Bahnhofsvorplatz funktioniert wieder. Die Wartezeit verkürzen sich manche mit einem Blick in die Keramikwerkstatt, deren Tür im Erdgeschoss tagsüber meist offen steht.

Am Sonntag, dem 11. September, bieten die Eigentümer nach Bedarf Führungen durchs Haus an. Zudem gibt es die Ausstellung „Krippen en détail“ von Marie Eggert. Um 16 Uhr liest SZ-Redakteur Gunnar Klehm aus seinem Roman „Der Fluthelfer“. Das Thema Hochwasser sollte möglichst eines der Vergangenheit bleiben, hoffen die Bahnhofsbesitzer. Nichtsdestotrotz gehört es zu den Gefahren, denen auch Denkmale ausgesetzt sind. „Das darf man an einem solchen Tag doch auch mal in Erinnerung bringen“, sagt Stefanie Mathy. (SZ)

Weitere Veranstaltungsorte und Führungen im Internet / hier.