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Bahntickets könnten teurer werden

Ärger für Bahnkunden: Weil das Unternehmen höhere Kosten erwartet, wird das Gewinnziel korrigiert. Der Schritt könnte Folgen Reisende haben.

© dpa

Das war kein schöner Zug von ihm. Und das zum Jahresende. Bahnchef Rüdiger Grube warnt seine Kunden vor allerlei Ungemach in nächster Zeit. In einem Interview mit der Wirtschaftswoche blickte Grube jetzt ganz tief in den Bahnabgrund: Von Tausenden kaputten Brücken sprach er, möglichen Sperren und Verspätungen, veralteten Anlagen, von hohen Kosten, sinkendem Gewinn und nach wie vor fehlenden Zügen.

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Frust könnte bei Bahnkunden vor allem durch höhere Ticketpreise aufkommen. Diese könnten laut Grube nötig werden, wenn die Bahn noch mehr Geld für Energie ausgeben muss. Bislang koste die Energiewende die Bahn fast 100 Millionen Euro pro Jahr. „Wenn jetzt noch für die Eisenbahn in Deutschland ein hoher dreistelliger Millionenbetrag dazukäme – was manche leider diskutieren – , würde sich das sofort in deutlich höheren Ticketpreisen niederschlagen“, sagte er der Wirtschaftswoche. Regulär erhöht die Bahn zum Jahresende die Preise im Nahverkehr um 2,7 Prozent. Im Fernverkehr steigen sie um 1,3 Prozent. Bescherung ist am 15. Dezember – zum Fahrplanwechsel.

Personal, Flut und andere Katastrophen

„2012 hatten wir ein Spitzenjahr. Das werden wir 2013 nicht erreichen“, sagt Grube der Zeitung. Der Umsatz des Konzerns liege zwar noch auf Vorjahresniveau, aber beim Ergebnis muss Grube nun nach unten justieren. Ursprünglich hatte die Bahn einen Gewinn von 2,8 Milliarden eingeplant, was dem Vorjahresniveau entspräche. Im Mai aber schon wurde dieses Ziel auf 2,6 Milliarden zurückgenommen. Jetzt rechnet Grube noch mit etwas über zwei Milliarden Euro. Das Ergebnis werde besonders durch höhere Personal- und Energiekosten sowie eine schärfere Regulierung belastet. Zudem seien die Folgen der diesjährigen Unwetter erheblich. Laut Grube lagen die witterungsbedingten Schäden in diesem Jahr ohne Hochwasser bei mehr als hundert Millionen Euro. Auch das Elbe-Hochwasser habe durch Infrastrukturschäden und Umsatzausfall einen dreistelligen Millionenbetrag gekostet.

Stellwerke noch aus der Kaiserzeit

Dem nicht genug, muss die Bahn etliche Baustellen aufmachen. Buchstäblich, denn den Sanierungsstau bei der Bahn bezifferte Grube in der Wirtschaftswoche auf inzwischen 30 Milliarden Euro. „Allein ein Drittel unserer 3.397 Stellwerke stammt noch aus Kaiserzeiten. Das Durchschnittsalter liegt bei 47 Jahren“, sagte der Bahn-Chef. Grube forderte zusätzliche Mittel vom Bund: Die Bahn brauche 1,2 Milliarden Euro mehr pro Jahr für das bestehende Schienennetz. Derzeit investieren Bund und Bahn rund drei Milliarden Euro ins Netz. „Wenn sich nichts ändert, steigt der Rückstand bis 2020 auf gigantische 50 Milliarden Euro“, so Grube. Sollten die Investitionen ausbleiben, gebe es nur zwei Möglichkeiten: „Entweder die Qualität der Bahn lässt deutlich nach, es gibt also mehr unpünktliche Züge. Oder wir müssen Strecken sperren.“ Beispielsweise einige der 1.400 Schrottbrücken im Land.

Kein neuer Zug in Sicht

Auf neue Doppelstockzüge und ICEs wartet Grube ebenfalls vergeblich. Die Auslieferung verzögere sich weiter, sagte er. Ende dieses Jahres wollte die Bahn 27 Doppelstockzüge von Bombardier für den Fernverkehr einsetzen. „Wenn alles gut läuft, bekommen wir die Züge Mitte 2015“, kritisiert der Bahnchef. Auch bei der Auslieferung der 17 ICEs von Siemens klemmt’s. Laut Grube konnte Siemens bislang keinen verbindlichen Lieferplan nennen. (SZ/dpa)