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Sport

Rückschlag nach virtuellem Formel-1-Start

Das erste Rennen an der Konsole liefert zwar gute Unterhaltung, doch schon am Tag danach wird der nächste echte Grand Prix verschoben.

Im vergangenen Jahr wurde bereits im April in Baku gefahren. Wann es 2020 soweit ist? Völlig offen.
Im vergangenen Jahr wurde bereits im April in Baku gefahren. Wann es 2020 soweit ist? Völlig offen. © Srdjan Suki / EPA POOL/AP / dpa

London. Gleich beim Start erwischt es Nico Hülkenberg. Gestärkt mit einer Tafel Schokolade geht es der 32 Jahre alte Rheinländer etwas zu forsch an. Abflug mit seinem rosa Rennwagen. Hülkenberg kracht mit dem Racing Point in die Leitplanken. Aber: Weiter geht's. Kein Safety-Car, keine allzu großen Schäden am Auto trotz des heftigen Einschlags.

Denn dieser Große Preis von Bahrain ist rein virtuell. Der erste einer neuen Serie der Formel 1, die damit auf die Absagen aller Grand Prix bis Ende Mai - und womöglich noch länger - wegen der Coronavirus-Pandemie reagiert hat. Was bei diesem virtuellen Kampf um Pole und Sieg erstmal zählt, ist der Spaßfaktor. Leichte Unterhaltung in Krisenzeiten.

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Deren Präsenz zeigte sich bereits am Montag, als bekannt wurde, dass auch in Aserbaidschan nicht wie geplant gefahren werden kann. Die Organisatoren in Baku wollen nun mit den Besitzern der Formel 1 und dem Weltverband FIA nach einem Ausweichtermin für den zunächst auf den 7. Juni terminierten Grand Prix suchen.

Damit wird der Auftakt der Königsklasse des Motorsports 2020 frühestens Mitte Juni in Kanada stattfinden. Bislang war die Formel 1 nie später als Ende Mai eröffnet worden. Der Rennkalender 2020 umfasste vor Saisonbeginn 22 Rennen und damit so viele wie nie zuvor in der 71-jährigen Formel-1-Geschichte.

Bislang nur Monaco ersatzlos gestrichen

Der etatmäßige Saisonauftakt in Melbourne/Australien (15. März) war erst zwei Stunden vor dem ersten Freien Training aufgrund eines positiven Coronafalls beim McLaren-Rennstall verlegt worden. Es folgten in kurzer Folge die Verlegungen der Rennen in Bahrain (22. März), Vietnam (5. April), den Niederlanden (3. Mai) und Spanien (10. Mai). Bereits im Februar war der Große Preis in China (19. April), dem Ursprungsland des Coronavirus, vorläufig abgesagt worden. Der Klassiker in Monaco am 24. Mai wurde wegen des aufwändigen Streckenbaus ersatzlos gestrichen.

Beim virtuellen Saisonauftakt hatte Hülkenberg - per Telefon ins Studio geschaltet - seine Strategie vorab mit "Sekt oder Selters" beschrieben. Platz zehn nach Startrang fünf wurde es, den Schampus durfte sich der Chinese Guanyu Zhou gönnen, 20 Jahre alter Formel-2-Pilot, der ordentlich im Renault-Rennanzug und mit Helm in seinem Fahrersitz Platz nahm.

"Ziemlich viel Drama", attestierte der britsche "Independent" dem Auftakt der virtuellen Rennserie. "Es war alles ein bisschen verrückt", schrieb das Onlineportal motorsportmonday.com.

100.000 Zuschauer bei YouTube

Der Kurs wie beim echten abendlichen Rennen in der Wüste von Sakhir hell erleuchtet durch Flutlichter, die Rennwagen in Lackierungen von Mercedes, Red Bull oder auch Ferrari. Nur von den aktuellen Piloten der Motorsport-Königsklasse waren lediglich Nicholas Latifi aus Kanada von Williams und Lando Norris aus Großbritannien von McLaren vertreten. Ausgerechnet Norris hatte dann auch noch mit technischen Problemen zu kämpfen und konnte an der 18-minütigen Qualifikation zum Missfallen der Norris-Fans von den weit über 100.000 Zuschauern allein bei Youtube gar nicht antreten.

Weil die Schwierigkeiten auch virtuell nicht so schnell zu beheben waren, musste das Rennen später gestartet werden, und weil es einen Zeitrahmen gab, wurde der Bahrain-Grand-Prix noch mal von 28 auf 14 Runden gekürzt. Die Zwischenzeit überbrückten insgesamt vier gutgelaunt-redselige Kommentatoren in einem Studio in London.

Zeit, den leichten Stotterstart mit Spaßfaktor noch zu verbessern, dürfte noch reichlich bleiben. Geplant ist der virtuelle Ersatz für die abgesagten echten Rennen zunächst bis Ende Mai. Bis dahin findet definitiv kein Grand Prix statt. 

Forderung an die Top-Piloten

Der früheste Saisonstart wäre somit am 14. Juni mit dem Großen Preis von Kanada in Montréal. Und bis dahin sind vielleicht auch noch andere Formel-1-Piloten dem Aufruf manch eines Fans gefolgt, von denen einer am Sonntag nach dem virtuellen Auftakt bei Twitter in Richtung von Hamilton, Verstappen und Vettel schrieb: "Komm Lewis, Max und Seb - wer ist wirklich der beste Fahrer." (dpa)