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Bald Chefin mit 26 Jahren

Xenia Liebchen übernimmt die Malerfirma ihres Vaters, der gestorben ist. Es war ein Weg mit vielen Hindernissen.

© Claudia Hübschmann

Von Jürgen Müller

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Diera-Zehren. Fast fünf Jahre hat es gedauert, doch nun ist es bald geschafft. Die 26-jährige Xenia Liebchen wird Chefin. Ab 1. Januar 2019 ist sie die Inhaberin des Malerbetriebes Liebchen in Golk. Sie führt das 1986 von ihrem Vater gegründete Familienunternehmen weiter, dessen Zukunft nach dem Tod ihres Vaters vor fünf Jahren völlig offen war. Im Alter von nur 50 Jahren war Volker Liebchen gestorben. Sein letzter Wunsch war es, dass die Firma einmal weitergeführt werden sollte.

Doch das war gar nicht so einfach. Seine Frau Anett arbeitet zwar seit 1990 in dem Betrieb mit, erledigte die Büroarbeit, hat aber einen anderen Beruf erlernt und keinen Meisterbrief, der erforderlich ist. Tochter Melanie kommt ebenfalls nicht aus dem Fach, Sohn Ron war damals gerade in der Lehre. Blieb noch Xenia, die Rechtsanwaltsgehilfin gelernt hatte. Zwar schulte sie damals gerade zur Malerin und Lackiererin um, weil sie in dem erlernten Beruf keine Arbeit fand. Doch einen Meisterbrief hatte sie gleich gar nicht. Nur mit einer Ausnahmegenehmigung konnte Anett Liebchen den Betrieb kommissarisch leiten. Inzwischen hat Tochter Xenia zwar sowohl den Berufs- als auch den Meisterabschluss, doch es wurde wieder nichts. Denn es kam zu Erbstreitigkeiten mit anderen Familienmitgliedern, die vor Gericht ausgetragen wurden. „2016 bestand die Firma 30 Jahre. Ein Grund zum Feiern war das für uns wegen der ganzen Probleme aber nicht“, sagt Anett Liebchen.

Vier Jahre stritt man sich vor Gericht herum, nun endlich sind die Probleme ausgeräumt. Ab dem kommenden Jahr wird Xenia Liebchen nun Inhaberin und Geschäftsführerin des kleinen Golker Betriebes sein. Ihre Mutter, ihr Bruder und zwei weitere Mitarbeiter sind dann bei der 26-Jährigen angestellt. „Ich bin sehr froh, dass der letzte Wille meines Vaters nun doch erfüllt werden kann“, sagt die Mutter einer zweijährigen Tochter. Malerin habe sie schon immer werden wollen.
„Mein Vater riet mir damals aber, etwas anderes zu lernen“, sagt sie. Auch wenn sie bald die Chefin ist, will sie wieder mehr raus auf die Baustellen. „Den ganzen Tag im Büro zu sitzen, das ist nichts für mich“, sagt sie. Mit der derzeitigen Auftragslage ist sie ganz zufrieden, für den Sommer sei die kleine Firma allerdings noch nicht ausgelastet. „Ich habe es unterschätzt, wie schwer es ist, ständig neue Aufträge heranzuschaffen“, sagt die 26-Jährige.

Noch heute profitiert die Firma von den Geschäftsbeziehungen, die einst Volker Liebchen aufbaute. So arbeitet der Malerbetrieb zum Beispiel in der Kunstakademie in Dresden oder dem St.-Afra-Gymnasium in Meißen. Auch im Hort Zadel und in der Kindertagesstätte in Nieschütz haben die Golker Malerarbeiten ausgeführt. 60 Prozent der Aufträge sind Arbeiten für öffentliche Einrichtungen.

Bruder Ron war vorerst der letzte Lehrling. Ab dem kommenden Jahr, so Xenia Liebchen, solle aber wieder ausgebildet werden. Abhängig von der Auftragslage könnte sie sich durchaus vorstellen, mittelfristig bis zu zwei neue Mitarbeiter einzustellen. „Im Moment läuft es jedenfalls ganz gut. Ab März, April kommen dann auch wieder Außenarbeiten wie Fassaden hinzu“, sagt sie.

Ein wenig profitiert der kleine Betrieb auch von der gegenwärtigen konjunkturellen Lage und vor allem davon, dass Sparer auf ihre Einlagen keine Zinsen mehr bekommen. Viele investieren jetzt in die eigenen vier Wände. Xenia Liebchen weiß natürlich, dass der Boom der Nachwendejahre nicht wiederkommen wird. Damals hatte die Firma zeitweise bis zu 20 Angestellte. Ausgeführt werden nicht nur Maler- und Lackierarbeiten, sondern auch Schmuckdekoration, Denkmalpflegearbeiten und auch Fassadengestaltung- und -dämmung. Die Kunden von einst sind treu geblieben, neue kommen vor allem durch Mund-zu-Mund-Propaganda hinzu. Denn einen großen Werbeetat kann sich die kleine Firma nicht leisten.

Auf die künftige Chefin des kleinen Familienunternehmens, die auch in der Feuerwehr aktiv ist, wartet viel Arbeit, auch außerhalb der Firma. Gemeinsam mit ihrem Freund hat sie kürzlich einen alten Dreiseithof in Diera erworben. Möglicherweise will sie später einmal ihr Büro dorthin verlegen. Doch das ist noch Zukunftsmusik. „Wir alle sind sehr froh, dass wir das Werk meines Mannes, das er mit eigenen Händen aufgebaut hat, jetzt fortsetzen können“, sagt Anett Liebchen.