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Bald keine neuen Schlüssel mehr

Wenn Gert Rudolf seinen Laden schließt, müssen Großenhainer mindestens bis nach Zeithain oder Gröditz fahren, um Schlüssel nachmachen zu lassen.

© Kristin Richter

Von Jörg Richter

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Großenhain. In Riesa und Umgebung gibt so viele. In Großenhain nur einen Einzigen. Die Rede ist von Schlüsseldiensten oder Firmen, die diesen Service anbieten. Wenn Gert Rudolf am 28. Februar seinen Laden in der Heinrich-Heine-Straße am Abend zum letzten Mal zuschließt, dann ist Großenhain ein weißer Fleck in der Schlüsseldienstlandschaft. „Es wäre schon sinnvoll, wenn es jemand in der Stadt weitermacht“, sagt Gert Rudolf selbst. „Denn es ist ein Handwerk mit Zukunft. Die Kriminalität nimmt zu, und da muss man sich dagegen schützen“, so der Schlosser, der bald in Rente geht. Doch weder ein Nachfolger für seinen Laden, noch ein neuer Schlüsseldienst in Großenhain sind in Sicht. Die Großenhainer müssen einige Kilometer ins Umland fahren, wenn sie sich einen Schlüssel nachmachen lassen wollen.

Zum Beispiel bis auf die Reppiser Straße 9 in Gröditz, in der Nähe des Rathauses. Dort hat Manfred Petzold seine Werkstatt. Mit etwa 14 Kilometern zählt sein Schlüsseldienst noch zu denen, die von Großenhain aus am Nächsten liegen. Allerdings per Luftlinie. Mit dem Auto auf der schnellsten Verbindung über die B 101 sind es bereits 18 Kilometer. „Wir haben schon oft in Großenhain gearbeitet“, bestätigt Petzold. „Aber dort selbst ein Geschäft zu eröffnen, bringt für uns nichts. Doch wenn die Großenhainer neue Schlüssel brauchen, können sie gern zu uns nach Gröditz kommen.“

Der Schlüsseldienst, für den die Großenhainer am Kürzesten im Auto sitzen, befindet sich in Zeithain auf der Teninger Straße 6. Er gehört Gerd Schulz. Rund 15 Kilometer sind es bis vor seinen Laden. „In den letzten Jahren bin ich schon oft in Großenhain gewesen, um eine Tür aufzumachen“, erzählt Schulz und ergänzt, er sei auch schon bis Folbern gefahren.

Wie Gert Rudolf betont, sollten sich die Großenhainer keine Sorgen machen, dass auswärtige Firmen eine hohe Anfahrtspauschale verlangen. Zwar gibt es schwarze Schafe in der Branche. Aber die meisten Schlüsseldienste in der Region würden zwischen 60 und 80 Euro für Anfahrt und Dienstleistung nehmen, so Rudolf. Das bestätigt auch Gerd Schulz. Wenn er von seiner Werkstatt in Zeithain aus nach Großenhain gerufen wird, um eine Tür zu öffnen, würde er lediglich 50 bis 60 Euro in Rechnung stellen. Nur wenn ein Schloss ausgetauscht werden muss oder noch andere Dienstleistungen dazukommen, dann koste es natürlich entsprechend mehr.

Dass Schlüsseldienst ein Beruf mit Zukunft ist, sieht er nicht ganz so wie sein Nochkollege in Großenhain. „Es gibt kaum noch Nachwuchs, denn keiner will es machen“, sagt Schulz. Es sei mit viel Arbeit und weniger Freizeit verbunden, denn viele Schlüsseldienste sind auch nachts und am Wochenende erreichbar. Lediglich in Notsituationen, wenn Gefahr in Verzug ist, darf die Feuerwehr gerufen werden.

Neben Riesa, Zeithain und Gröditz gibt es auch in Röderau und Meißen Schlüsseldienste, die bis zu 20 Kilometer Anfahrtsweg bis nach Großenhain haben.