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Bald neuer Blick übers Elbtal

Mit dem Besteigen des Bismarckturms kann es 2018 noch was werden – es ist das Jubiläumsgeschenk des Vereines der Radebeuler Denkmalpfleger an die Bürger der Stadt.

© Arvid Müller

Von Peter Redlich

Radebeul. Gründonnerstag, ein guter Tag, sich über ein Ostergeschenk zu freuen. Der Radebeuler Verein für Denkmalpflege und neues Bauen macht den Bürgern der Stadt ein Geschenk: Das erste Treppenstück für den Bismarckturm wird eingebaut. Wie auch die weiteren Teile ein Stück mit jeweils neun Stufen. Am Donnerstag war die Tür zum Turm geöffnet. Besucher konnten reinschauen. Am 8. August soll die komplette Treppe drin sein. Noch im April wird der Auftrag für die Plattform (siehe kleine Darstellung rechts) ausgeschrieben.

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Der Radebeuler Bismarckturm ist das  Paradestück, die aufwendigste Aktion der 110 Mitglieder im Verein. Rund 300 000 Euro haben sie gesammelt, damit der Turm begehbar gemacht werden kann. In diesem Jahr wird die Treppe Stück für Stück eingebaut. „Jens Baumann, seit zwölf Jahren Vereinsvorsitzender: „Wir liegen gut in der Zeit. Möglicherweise schafft es die Baufirma, auch noch die Plattform zu installieren.“ Wenn das noch 2018 gelingt, dann könnte vielleicht im September der Turm von Besuchern bestiegen werden.

Das ist das Ziel der Vereinsmitglieder – für Einheimische und Touristen die großartigste Rundumschau bis in die Sächsische Schweiz zu bekommen. Viele Bürger als Spender haben dazu beigetragen, dass die Vision Wirklichkeit werden kann. Die großen Spender werden auf der Treppe mit Messingschildern und deren Namen verewigt.

Ein Vierteljahrhundert gibt es den Verein für Denkmalpflege in Radebeul. Jens Baumann erinnert sich: „Wir saßen beim Architekten Tilo Kempe als eine Handvoll Leute zusammen und haben überlegt, wie damals Kötzschenbroda und Radebeul insgesamt als Denkmallandschaft erhalten werden könnte. Die Idee war, einen Verein zu gründen, damit Architekten und weitere Interessierte mit einer Stimme sprechen.“ Dass nicht unnötiger Abriss passiert, sondern historisch wertvolle Gebäude erhalten bleiben. Vor allem wollten die Denkmalschützer nicht mit dem Finger auf andere zeigen, sondern selbst etwas für das Erhalten von wertvollen Bauten tun.

Wichtige Orte und Projekte sind das Restaurieren der Figur „Chronos und die Trauernde“ – gemeinsam mit den Radebeuler Lions an der Friedenskirche mit einem Aufwand von reichlich 40 000 Euro wieder aufgestellt. Die Gedenkplatte zum 30-jährigen Frieden am Pfarrhaus ist hergestellt worden – 2 000 Euro. Insgesamt haben die Mitglieder des Vereins über die 25 Jahre rund eine Million Euro zusammengetragen. „Der Nutzen erhöht sich noch um die Gelder, die durch denkmalpflegerische Mittel und Zugaben von der Kirche hinzukommen. Eine beträchtliche Summe, die Radebeul zugeflossen ist“, sagt Baumann rückschauend.

Der Weiberstein und der Heimkehrerstein am Weißen Haus und an der Kaditzer Straße wurden auf Initiative des Vereins saniert. Den Platanenplatz, der Platz auf der Dr.-Schmincke-Allee, der Bilzplatz sind weitere Objekte, wo der Verein Gehöriges zum Erhalt von Figuren und Anlagen geleistet hat. Allein für die Dr.-Schmincke-Allee sind 20 000 Euro gesammelt worden. Am Bilzplatz hat sich auch die Stadt mit engagiert – sodass hier knapp 100 000 Euro bewegt wurden.

Auf den Einsatz der Stadt warten auch die Mitglieder vom Denkmalverein und die Bürger in Wahnsdorf noch am Bismarckturm. Nach dem Ende der Bauarbeiten soll das Areal um den Turm aufgearbeitet werden. Auch, um die Parksituation an Turm und Spitzhaus zu verbessern.

Jens Baumann erinnert daran, dass neben den sichtbaren Projekten viele Stellungnahmen bei Bauvorhaben der Stadt im Ehrenamt vom Verein beigesteuert worden sind. Dazu kommen Vorträge und Foren mit Angeboten für die Bürger, etwa über die Baumeister Ziller. „Wir nehmen in Radebeul einen Bildungsauftrag wahr. Denn erst wenn jemand um die Bedeutung eines Gebäudes, eines Platzes weiß, wird er sich für den Erhalt einsetzen.“

Die Stadt werde weiter vom Verein gestützt. Man wolle aber auch kritischer Beobachter sein, damit etwa der Gewerbepark an der Meißner Straße in Mitte anspruchsvoll angelegt wird und ins Stadtbild passt. „Wir wollen uns mit unserer Meinung deutlich im Sanierungsgebiet Radebeul-West einbringen“, so Baumann.

Und vom Verein und Jens Baumann kommt auch noch ein Vorschlag: Vereine, die einen gestalterischen Anspruch in der Stadt haben, sollten einen beratenden Sitz in den Ausschüssen des Stadtrates bekommen. Das würde der Stadt Nutzen bringen und die, die sich engagieren, wären gut informiert, was passieren soll.

www.denkmalneuanradebeul.de