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Bald Präsidentin

Kerstin Lauterbach ist Chefin des Special Olympics Deutschland in Sachsen e. V. Ein Ehrenamt, das sie mit Hingabe ausfüllt.

Kerstin Lauterbach im Großenhainer Sportpark: Nicht erst nach ihrem Amtsantritt als Vorsitzende des Special Olympics Deutschland in Sachsen ist die Noch-Landtagsabgeordnete des Öfteren auf Sportstätten und bei Veranstaltungen anzutreffen.
Kerstin Lauterbach im Großenhainer Sportpark: Nicht erst nach ihrem Amtsantritt als Vorsitzende des Special Olympics Deutschland in Sachsen ist die Noch-Landtagsabgeordnete des Öfteren auf Sportstätten und bei Veranstaltungen anzutreffen. © Anne Hübschmann

Von Thomas Riemer

Großenhain/Dresden. Nein, Präsidentin ist sie nicht. „Noch nicht“, sagt Kerstin Lauterbach und lacht. Denn dazu bedarf es einer Satzungsänderung des „Special Olympics Deutschland in Sachsen“ e. V. – kurz SODiS. An der arbeitet Kerstin Lauterbach derzeit mit dem Landesvorstand. Ende März soll die neue Satzung beschlossen werden. „Dann darf ich mich Präsidentin nennen“, bestätigt die Noch-Landtagsabgeordnete der Partei Die Linke. 

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Im Herbst wird sie nicht wieder zur Wahl antreten, wollte eigentlich auch erst dann den Landesverband der Sportler mit geistiger Behinderung als Vorsitzende übernehmen. Doch weil ihr Vorgänger aus gesundheitlichen Gründen das Amt aufgeben musste, ließ sie sich schon im Herbst 2018 überreden.

Neu ist die Materie für die knapp 60-Jährige nicht. Insbesondere über den SV Motor Großenhain, der seit einigen Jahren regelmäßig Veranstaltungen für Behinderte im Rahmen der Special Olympics organisiert, lernte sie viele Sportler, Betreuer und Eltern kennen. Der Enthusiasmus insbesondere der Athleten hat sie stets beeindruckt. „Die können sich so sehr freuen bei Siegen oder auch ärgern, wenn es nicht so klappt“, sagt Kerstin Lauterbach. Oft habe sie beobachtet, wie die Sportler untereinander zusammenhalten, sich nach einem Foul sofort entschuldigen, sich gegenseitig helfen. 

Bei einem Handballturnier habe sie einmal miterlebt, dass eine Mannschaft ohne Torwart angereist war. Sofort erklärte sich ein „Konkurrent“ bereit, sich zwischen die Pfosten zu stellen. „Dieser Sport ist viel ehrlicher“, glaubt die Vorsitzende im Vergleich zum „herkömmlichen“ Geschehen. Denn trotz ihrer Handicaps hätten alle Aktiven der Special Olympics ihre ganz speziellen Vorzüge und Leistungsvermögen. Deshalb findet sie es gut, dass Behinderte aus Schulen oder Werkstätten in die jeweiligen Vereine integriert werden – so wie es eben bei Motor Großenhain passiert. Aber: „Dazu brauchen wir den Landessportbund, und der ist oft noch etwas zurückhaltend“, so Kerstin Lauterbach.

Dennoch weiß die Landesvorsitzende eine vergleichsweise große Anzahl von Mitgliedern, Unterstützern und Sponsoren hinter sich. Dazu gehört beispielsweise auch die Landesdirektion, die zum Beispiel Zuschüsse für Sportveranstaltungen der Special Olympics gewährt. Dank der Mitgliedsbeiträge und weiterer Spenden kann sich der Verein eine halbe Geschäftsführer-Stelle leisten, muss für Events zudem einen Eigenanteil von 20 Prozent der Gesamtkosten tragen. 

Auch beim Ski-Training von Sportlegende Tobias Angerer mit behinderten Menschen war sie als Helfer dabei und versuchte sich sogar selbst auf Brettern. 
Auch beim Ski-Training von Sportlegende Tobias Angerer mit behinderten Menschen war sie als Helfer dabei und versuchte sich sogar selbst auf Brettern.  © privat

Ein erstes Fazit ihrer noch kurzen Zeit als Vorsitzende: „Wir müssen ständig Anträge schreiben.“ Noch, so ihr Eindruck, sei der SODiS ein bisschen das fünfte Rad am Wagen. „Vieles fällt leider noch hinten runter“, so Kerstin Lauterbach. wenngleich gerade Ministerpräsident Michael Kretschmer und seine Partnerin auch immer mal bei Veranstaltungen dabei sind. Und die Landespolitik braucht SODiS, wenn er sich um die Austragung des deutschlandweiten Ausscheides der Special Olympics bewerben will. Mann müsse in die Köpfe bekommen, „dass man dadurch nur gewinnen kann“, so Kerstin Lauterbach.

Zuletzt war sie unter anderem dabei, als Ski-Legende Tobias Angerer am Dresdner Elbufer mit Behindertensportlern trainierte. „Beeindruckend“, so das kurze Fazit. Auch Kerstin Lauterbach selbst stellte sich nach 30 Jahren mal wieder auf die Bretter – das Metier kennt die aus dem Erzgebirge stammende Politikerin. Ihre sportlichen Ambitionen lagen indes eher beim Judo, heute stehen Fitness, Schwimmen und manchmal ein bisschen Trampolin zu Hause auf dem Plan.

Loslassen wird sie der Sport auch nach dem Ausscheiden aus dem Sächsischen Landtag nicht. SODiS-Vorsitzende – „das ist eine Berufung“, sagt sie. Ganz loslassen von der Politik will sie aber nicht, sondern für den Großenhainer Stadtrat kandidieren.