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Bald wird wieder gewischt wie bei Mutti

Nachdem sich der 2013 abgeschlossene Reinigungsauftrag für Großenhains Schulen als wenig erfolgreich entpuppte, besserte die Stadt jetzt nach.

© Kristin Richter

Von Catharina Karlshaus

Großenhain. Es hat etwas vom vielzitierten Rittberger. Während Eislaufprofis nach hinten abspringen und sich gekonnt um 360 Grad drehen, haben sich Großenhains Stadtväter jetzt ebenso galant aus der Affäre gezogen. Mit dem einstimmigen Votum der Räte gerüstet, vergaben sie in ihrer jüngsten Sitzung die Reinigungsleistungen an den Schulen, dem Rathaus und der öffentlichen Toiletten neu. Wieder einmal.

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Denn immerhin: Bereits Ende 2013 war die Verwaltung gewissermaßen zum Großreinemachen geschritten und hatte die betreffenden Leistungen ausgeschrieben. Eine europaweite Ausschreibung, die das Büro Knoll Team & Partner aus Frankfurt am Main vorbereitete. Statt der üblichen 300 000 Euro kostete die Reinigung plötzlich nur noch 175 000 Euro. Während das Büro aus Hessen die Hälfte der eingesparten Summe plus Mehrwertsteuer des ersten Jahres als Erfolgshonorar für sich verbuchen durfte, sollten die Mitarbeiter des ausgewählten namhaften Unternehmens Richter aus Großenhain fortan schneller den Wischlappen schwingen. Mit Vertragsbeginn ab 1. Januar 2014 mussten die Reinigungskräfte in der gleichen Arbeitszeit das Doppelte schaffen. Hinzu kam, dass die Differenzierung der verschiedenen schulischen Räumlichkeiten abgeschafft worden war. Klassenzimmer, Schulungs- und Fachräume waren in eine Kategorie gepackt worden.

Das Fazit nach drei Jahren vermeintlicher Kosteneinsparung: Was die Leiter der städtischen Schulen von Anfang an bezweifelt haben, ging praktisch tatsächlich schief. Die Sauberkeit blieb zuweilen auf der Strecke, und die Reinigungskräfte stießen kräftemäßig an ihre Grenzen. Ziemlich schnell habe man gemerkt, so Stadtbaudirektor Tilo Hönicke (CDU), dass diese Art des Systems nicht ausreicht. Man habe nachgebessert, die Kosten erhöht und sich nicht zuletzt nach einer Begehung mit Oberbürgermeister Sven Mißbach (parteilos) dafür entschieden, die Leistungen neu auszuschreiben.

Geputzt wird ab 1. Januar 2018 künftig von verschiedenen Unternehmen. Ein Betrieb aus Großräschen ist ebenso dann vertraglich gebunden wie die Firma Götz-Gebäudemanagement Chemnitz, die Firma Piepenbrock Dienstleistungen GmbH & Co KG Dresden, die Deutsche R+S Dienstleistungen GmbH Riesa und die Reinigungs-Service Richter GmbH. „Mit der Neuausschreibung sollte erreicht werden, dass mehrere Reinigungsunternehmen in den Objekten der Stadt tätig werden. Damit soll ein besserer Vergleich möglich werden“, so Hönicke. Alle Firmen seien schon lange tätig und in der Lage, die Leistungen ordnungsgemäß auszuführen.

Im Rahmen des Ausschreibungsverlaufes seien die Schulleitungen einbezogen worden, indem ihnen ein DIN-gerechtes Leistungsverzeichnis zu den Reinigungsleistungen zur Prüfung vorgelegt wurde. Ihre Hinweise und Anregungen wären gemeinsam abgestimmt und in das Leistungsverzeichnis eingearbeitet worden.

Praktisch heißt das ab Jahresbeginn: Die Reinigung der Unterrichtsräume erfolge nicht mehr nur zweimal wöchentlich, sondern finde 2,5-mal statt. Treppenhäuser und Flure würden an jedem Arbeitstag gereinigt und „zweistufig gewischt“ – also das klassische Nasswischen wie bei Mutti. Beim ersten Arbeitsgang werde mit Reinigungs-Textilien so viel Flüssigkeit auf den Boden gebracht, dass haftende, Verschmutzungen aufgeweicht oder abgelöst werden. In der zweiten Arbeitsstufe wird die überschüssige Schmutzflüssigkeit dann wieder mit Reinigungs-Textilien aufgenommen.

Überdies sei bisher im Reinigungsplan nicht festgelegt gewesen, an welchen Tagen bestimmte Leistungen auszuführen sind. Auch das werde sich nun ändern. In einem monatlichen Reinigungsplan würde das Putzen etwa der Fensterbänke, Heizkörper, der Türen und Schränke festgelegt und sei täglich nachvollziehbar.

Die Laufzeit der Verträge belaufe sich bis zum 31. Dezember 2019, mit der Option der Verlängerung um maximal zwei Jahre. Die voraussichtlichen Kosten für die insgesamt acht Schulen, nebst Rathaus und Toiletten wurden entsprechend der jetzigen Preisgestaltungen auf 324 000 Euro pro Jahr berechnet.