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Balkone für den nächsten Block

Der DA sprach mit dem Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Hartha Jörg Keim zur Bilanz und über Pläne für dieses Jahr.

© Dietmar Thomas

Hartha. Die Wohnungsgenossenschaft Hartha zieht eine positive Bilanz. Sie hat aber noch Verbindlichkeiten in Höhe von zwölf Millionen Euro. Trotzdem hat sie im vergangenen Jahr 400 000 Euro investiert.

Jörg Keim ist Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Hartha.
Jörg Keim ist Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Hartha. © DA-Archiv

Herr Keim, wie schätzen Sie aus wirtschaftlicher Sicht das vergangene Jahr für die Wohnungsgenossenschaft Hartha (WGH) ein?

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Pfingstsonntag in den Bürgergarten
Pfingstsonntag in den Bürgergarten

Zum Pfingstsonntag am 31. Mai lädt der Bürgergarten Döbeln ein zum gemütlichen Beisammensein. Getränke und Speisen dürfen vor Ort verzehrt werden.

Gefühlt hat die Wohnungsgenossenschaft Hartha im Jahr 2016 gut gewirtschaftet. Wir konnten uns sogar ein kleines finanzielles Pölsterchen anlegen und den Schuldenberg um 300 000 Euro minimieren. Das heißt, wir haben in dieser Höhe Kredite zurückgezahlt und das bei Mieteinnahmen in Höhe von jährlich 1,4 Millionen Euro. Die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens war immer gesichert. Das sind zwar nur kleine Schritte bei Verbindlichkeiten in Höhe von rund zwölf Millionen Euro, aber wir setzen Zeichen, dass es langsam vorwärts geht. Trotzdem ist die WGH, deren wirtschaftliche Schieflage im Jahr 2013 bekannt wurde, für die Banken immer noch ein Sanierungsfall.

Im vergangenen Jahr wurde der Wohnblock 10/12 am Mastener Weg in Limmritz verkauft. Das Geld sollte investiert werden. Was ist daraus geworden?

Wir haben uns zum einen aus wirtschaftlichen Gründen von dem Wohnblock getrennt – zwölf der 25 Wohnungen stehen leer – und auch, weil es das Sanierungskonzept der Bank so fordert. Wir haben uns mit dem Verkauf sehr schwer getan. Schließlich trennten wir uns von einem Vermögen. Aber der Verkauf war notwendig, um Geld zu generieren. Geplant ist, mit einem Teil des Erlöses, Balkone an die Häuser an der Straße des Friedens 20 bis 26 anzubauen. Außerdem wollen wir die Erneuerung der Heizung in Angriff nehmen. Zurzeit hat jede Wohnung dort eine separate Wamsler-Heizung. Das heißt mit dem Ofen, der in der Küche steht, wird die Wohnung beheizt, das Wasser erwärmt und gekocht. Wir sind noch dabei zu prüfen, welche Art der Heizung wir favorisieren. Es gibt verschiedene Möglichkeiten.

Im vergangenen Jahr hat die WGH 400 000 Euro investiert. Was wurde mit dem Geld in Ordnung gebracht?

Es wurden für 110 000 Euro laufende Instandhaltungen an Wohnungen durchgeführt. Aber auch für Neuvermietungen wurden die Wohnungen mit einem Volumen von 217 000 Euro vorgerichtet – um nur die wichtigsten Positionen zu nennen.

Wie hoch ist der Leerstand und was wollen Sie unternehmen, um diesen zu verringern?

Von den 583 Wohnungen stehen 153 leer. Diese Zahl ist konstant. Es gab 25 Auszüge und 27 Wohnungen wurden neu belegt. Einige Genossenschaftler sind umgezogen. Aber wir haben auch neue Mieter gewinnen können. Mit dem Anbau von Balkonen und der Sanierung von Wohnungen will die WGH für Mieter attraktiv sein. Wir können mit normalen Mieten und schön hergerichteten Wohnungen punkten. Es gibt manche Häuser, wie das Haus Nummer 7 am Markt, in dem es keine freie Wohnung gibt. Nach wie vor sind die Wohnungen in den oberen Etagen der Wohnblocks weniger beliebt.

Im Mai 2014 wurde die Begegnungsstätte im Haus Nummer 55 eingerichtet. Wie wird dieses Angebot angenommen?

Wir sind zufrieden. Es kommt immer auf das Thema an. Ich denke, wir haben in den fast drei Jahren unsere Erfahrungen gesammelt und wissen, was die Leute wollen. So wird es am 22. März einen Vortrag zum Thema „Vertreibung – Flucht – Ankunft“ geben. Familie Mohhy aus Kurdistan wird ihre Erlebnisse schildern. Sie lebt in einer Wohnung unserer Genossenschaft. Organisiert hat die Veranstaltung Genossenschaftsmitglied Wolfgang Berger. Für April planen wir eine Buchlesung mit der Chefin der Bibliothek Andrea Zenker und im Juni gibt es einen Vortrag der Apothekerin Monika Koch. Im Mai kann im Sitzen getanzt werden.

Gibt es noch das Projekt der Altersbegleiter?

Das Programm der Alltagsbegleiter wurde für unsere Genossenschaft leider nicht weiter gefördert.

Wann werden Sie den Genossenschaftlern die Bilanz vorstellen und gibt es weitere Neuigkeiten?

Unsere Mitgliederversammlung ist für den 3. Juli geplant. Neu ist, dass die WGH einen dritten Vorstand hat, damit ich mich meiner Aufgabe bei der großen Wohnungsgenossenschaft Kontakt in Leipzig intensiver widmen kann. Neuer Vorstand ist Sascha Quasdorf aus Leipzig, ebenfalls von der Wohnbaugenossenschaft Kontakt. Er und Karola Seidler werden meine Arbeit unterstützen.

Es fragte: Sylvia Jentzsch