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Bandenchef „Babu“ legt Geständnis ab

Der 49-Jährige ist Kopf einer Bande, die in ganz Sachsen monatelang gezielt in Getränke- und Discountmärkte eingebrochen ist.

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© Robert Michael

Von Alexander Schneider

Mit der Verurteilung des 49-jährigen Hauptbeschuldigten hat das Landgericht Dresden am Dienstag eine bemerkenswerte Einbruchserie weitgehend aufgeklärt. Valerian S., genannt „Babu“, ist der Drahtzieher in einer georgischen Bande, die den Ermittlungen der Polizei zufolge zwischen September 2014 und März dieses Jahres in rund 40 Getränke- und Einkaufsmärkte eingedrungen ist.

Die Täter erbeuteten dort vor allem Zigaretten und Spirituosen. „Babu“, auf russisch Großvater, wurde gestern wegen schweren Bandendiebstahls in sieben Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt.

Die Polizei kam dem 49-jährigen Kopf der Bande letzten Endes auf die Spur, weil er während der Einbrüche, die oft in Gewerbegebieten stattfanden, stets Schmiere gestanden und mit seinen wechselnden Komplizen per Handy-Standleitung in Kontakt beblieben war. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte „Babu“ seine Mittäter so angeleitet und sei nahe genug dabei gewesen, um die Beute im Blick zu behalten. Diese bis zu zwei Stunden langen Telefonate fielen den Ermittlern auf, nachdem es Hinweise darauf gab, dass sich das Muster von Einbrüchen in Getränkemärkte im Bereich Bautzen plötzlich auch im Landkreis Meißen häufte.

Die Bande hatte laut Anklage ihre Einbruchsziele, vor allem Getränkemarktfilialen von Fristo und Heiloo, aber auch Filialen von Norma im Großraum Dresden, Bautzen, Chemnitz und Zwickau, zuvor ausgespäht, ehe die Männer nachts zuschlugen. Bei den Taten entstand ein Gesamtschaden von mehr als 100 000 Euro.

Im März waren die Dresdner Ermittler den Tätern bereits dicht auf den Fersen. So observierten sie „Babu“ auf einer Autofahrt durch Sachsen, bei der er neue Ziele ausgespäht hatte. Anschließend machte er sich mit verschiedenen Komplizen wieder auf dieselbe Tour, nun jedoch nachts. Ende März schlugen die Beamten dann zu und nahmen „Babu“ und weitere Mittäter fest.

Das Urteil ist Ergebnis eines Deals mit dem Gericht. „Babu“ hat die letzten sieben der ihm nun vorgeworfenen 20 Einbrüche gestanden, nachdem ihm die Strafkammer eine Strafobergrenze von maximal vier Jahren in Aussicht gestellt hatte. Es sind die Einbrüche, bei denen der 49-Jährige unter Beobachtung stand. Der Nachweis der 13 früheren Taten wäre aufwendig geworden, sagte die Vorsitzende Richterin Michaela Kessler. Mit seinem Geständnis habe Valerian S. dem Gericht eine komplizierte Beweisaufnahme erspart. Die Ermittlungen zu den 13 früheren Taten wurden im Hinblick auf die zu erwartende Verurteilung eingestellt – beim Strafmaß durchaus auch berücksichtigt, sagte Kessler.

Die vergleichsweise milde Strafe für den Bandenchef hat andere Gründe. „Babu“ sei schwer krank, habe starke Schmerzen und sei sehr „haftempfindlich“, so die Richterin. Er sei im Leipziger Haftkrankenhaus untergebracht. Nach Angaben seines Verteidigers Oliver Nießing habe sein an Aids und Hepatitis erkrankter Mandant nicht mehr lange zu leben. Motiv für die Taten war seine Drogensucht.

Ein 32-jähriger Mitangeklagter, der bei fünf observierten Taten mit von der Partie war, erhielt 21 Monate Haft, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Beide Männer lebten als Asylbewerber in Sachsen und saßen seit ihrer Festnahme Ende März in Untersuchungshaft. Bereits im Mai wurden zwei weitere Mittäter aus Georgien wegen versuchten Einbruchs zu Bewährungsstrafe von jeweils acht Monaten verurteilt. Ein fünfter Verdächtiger ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf der Flucht.