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Bandenmitglied nach vier Jahren vor Gericht

Gegen einen Polen wird bald in Zittau verhandelt – aber nicht wegen des Unfalls auf der Äußeren Weberstraße.

© Repro: SZ Bildstelle

Von Mario Heinke

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Am 5. April wird am Amtsgericht Zittau das Verfahren gegen einen Polen eröffnet, der schon mehrfach für Schlagzeilen gesorgt hat und zu einer Diebesbande gehört, die am 26. Juli 2016 gegen 5.45 Uhr einen spektakulären Unfall auf der Kreuzung Goldbachstraße/Äußere Weberstraße verursacht hat. Zwischenzeitlich wurde er aber in einem anderen beim Schöffengericht anhängigen Verfahren aus der Republik Polen nach Deutschland ausgeliefert und sitzt seit November in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Görlitz.

In der anberaumten Hauptverhandlung am 5. April um 10 Uhr wird nun der Tatvorwurf des gemeinschaftlichen Raubs auf dem Neißeradweg am 24. April 2014 verhandelt. Richter Holger Maaß erklärt, weshalb der spektakuläre Verkehrsunfall in der Verhandlung nicht mitbehandelt werden kann. Dies ist juristisch unmöglich, weil ein aus dem Ausland ausgelieferter Angeklagter nur wegen der Taten verurteilt werden darf, die Gegenstand des Auslieferungsverfahrens waren. Das polnische Gericht prüfte die Auslieferung nur zum gemeinschaftlichen Raub auf dem Neißeradweg und erklärte sie für zulässig. Juristen nennen das Spezialitätsgrundsatz. „Bezüglich des Verkehrsunfalls muss gegebenenfalls ein neues, weiteres Auslieferungsverfahren durchgeführt werden“, so Maaß.

Was ist auf dem Neißeradweg passiert? Am 24. April 2014 wurden zwei Radfahrer in Zittau überfallen. Ein Ehepaar, 72 und 69 Jahre alt, war zwischen den Grenzzeichen 7 und 8 auf dem Neißeradweg unterwegs, als ihnen drei männliche Personen zu Fuß entgegenkamen. Plötzlich riss einer der Fremden der Radfahrerin eine Tasche vom Gepäckträger. Die Radler hielten an, um ihr Eigentum zurückzufordern. Die Männer schlugen daraufhin auf sie ein und entwendeten noch die Bauchtasche des Radfahrers. Mit der Beute verließen die drei Räuber den Tatort über die Neiße in Richtung Polen. Der materielle Schaden belief sich auf mehr als 1 000 Euro. Die Opfer beschrieben den Haupttäter des Räubertrios damals so: Er habe ein angsteinflößendes „böses“ Gesicht gehabt.

Wie inzwischen bekannt, war einer der drei Räuber an dem Verkehrsunfall im Jahre 2016 beteiligt. Das Verfahren zum Verkehrsunfall war schon eingestellt worden, weil der Aufenthaltsort des Angeklagten zeitweise unbekannt war. Drei Männer aus Polen, die kurz vor dem Unfall einen Anhänger bei der Spedition Binsch in der Dresdner Straße gestohlen hatten, waren mit einem VW Golf und dem gestohlenen Anhänger vermutlich in Richtung Grenzübergang unterwegs. „Zeugen beobachteten, wie der Golf mit hoher Geschwindigkeit und bei Rot über die Kreuzung fuhr“, schilderte Thomas Knaup, Sprecher der Polizeidirektion Görlitz damals den vermutlichen Unfallhergang. Auf der Kreuzung sei es zur Kollision mit einem VW Touran gekommen, der die Kreuzung bei Grün befahren habe. Bei dem Zusammenstoß wurden sowohl der 43-jährige, tschechische Touranfahrer als auch zwei Insassen aus dem Golf schwer verletzt. Der Golf wickelte sich um den Ampelmast, der durch die Wucht des Aufpralls in Schräglage geriet, beschrieb ein Zeuge das bizarre Bild. Front und Tür des Touran waren völlig zerstört. Der doppelachsige Anhänger der Spedition Binsch lag umgekippt auf der Seite.

Polizei und Feuerwehr waren mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften vor Ort. Die Feuerwehr befreite die schwer verletzten Insassen aus dem Golf, bevor sie mit dem Rettungshubschrauber des ADAC, der auf der großen Wiese neben der Kreuzung gelandet war, abtransportiert wurden. Schnell konnte die Kriminalpolizei in Zusammenarbeit mit der polnischen Polizei den mutmaßlich 30 Jahre alten Fahrer und die zwei anderen Tatverdächtigen identifizieren. Sie stammen aus dem Raum Bogatynia und sind der Polizei hinlänglich bekannt. Zwei der Unfallbeteiligten wurden wegen Eigentumsdelikten bereits per Haftbefehl gesucht, so der Polizeisprecher damals.

Gegen den Dritten wird nun am Amtsgericht Zittau verhandelt, wenn auch in anderer Angelegenheit. Ob es zu einem weiteren Auslieferungsverfahren gegen ihn kommt, ist offen.