merken

Bangen um den Grenzposten

Noch zeigt die Bundespolizei in Altenberg Präsenz. Doch die Bergstadt befürchtet, sie könnte das Revier verlieren.

© Egbert Kamprath

Von Mandy Schaks

Ab auf den Grill

Worauf muss man beim Grillen achten und was schmeckt am besten auf dem Grill? Egal zu welcher Jahreszeit - Grillen macht immer Spaß und verbindet.

Altenberg. Im Altenberger Rathaus macht sich Unruhe breit. Seit Mitte vorigen Jahres bekannt wurde, dass das Bundespolizeirevier in Zinnwald auf dem Prüfstand steht und möglicherweise aus der Bergstadt abgezogen wird, ist die Aufregung groß. Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) wollte erst gar nicht glauben, dass es überhaupt solche Überlegungen gibt. Denn Altenberg selbst ist bis heute nicht in die Entscheidung einbezogen worden.

Um zu wissen, woran er ist, wandte sich Kirsten direkt an den Bundesinnenminister. Thomas de Maizière (CDU) habe ihm schließlich bestätigt, dass es Vorprüfungen gebe, ob das Bundespolizeirevier noch an der richtigen Stelle untergebracht sei oder zum Beispiel eine Immobilie der Landespolizei in Dippoldiswalde dafür besser geeignet wäre. Gemeint ist das Gebäude vom Polizeirevier am Markt. So berichtete es Kirsten am Montagabend im Stadtrat. Die Nervosität steigt, weil eine Entscheidung noch immer aussteht. Auf SZ-Nachfrage teilte das Bundesministerium des Inneren im Januar mit, es gebe keinen neuen Sachstand. Nun hat Kirsten erfahren, dass sich am Montag eine hochrangige Delegation von Bundespolizeibehörde und CDU-Landespolitikern vor Ort angekündigt habe. „Wir sind sehr besorgt, dass eventuell eine Veränderung stattfindet“, sagte Kirsten. Hiesige Bundespolizisten seien verunsichert. „Und wir sind betrübt, dass wir nicht an dem Termin teilnehmen können.“ Kirsten ist sich sicher, er hätte Wichtiges aus Sicht der Stadt zu sagen.

Wenn das Bundespolizeirevier in Zinnwald tatsächlich abgezogen würde, wäre hier die Grenze zu Tschechien nicht mehr gesichert, erläutert er seine Bedenken gegenüber der SZ. Das mache ihn sehr, sehr besorgt angesichts der Grenzkriminalität. Angeblich werde eine mögliche Verlegung der Einsatzkräfte nach Dippoldiswalde auch damit begründet, dass die Große Kreisstadt ein Knotenpunkt sei, an dem sich viele Straßen kreuzen, die man gut kontrollieren könne. Dem widerspricht Kirsten, weil es in Altenberg einfacher sei, die Einreise zu überwachen. Denn Fahrer oder Fußgänger könnten nur in die eine Richtung abbiegen, nämlich nach Geising und weiter ins Müglitztal, oder in die andere nach Frauenstein.

Auch Hans-André Tooren findet dieses Argument, dass von Dippoldiswalde aus Kontrollen effektiver durchzuführen seien, an den Haaren herbeigezogen. Dipps liege zwar nur etwa 25 Kilometer von Zinnwald entfernt. „Aber für uns sind das Welten“, sagt der Zinnwalder Ortsvorsteher, „wenn das Streifenfahrzeug gerade am anderen Ende unterwegs ist.“ Und er erläutert: „Wir haben Sorgen, weil wir ohne Bundespolizeirevier keine Sicherheit mehr haben. Etwa 45 Kilometer Ostgrenze werden dann nicht mehr bewacht. Bei Einbrüchen, Unfallaufnahmen usw. sind aber oft die Bundespolizisten als Erste vor Ort.“ Nicht zuletzt, weil der Standort der Landespolizei in Altenberg nicht rund um die Uhr besetzt ist. Tooren will deshalb den Abzug des Bundespolizeirevieres unbedingt verhindern. Seit Monaten schreibt er Briefe, bis an Ministerien nach Berlin, an Bundestagsabgeordnete. Meistens bekam er keine abschließende, mal gar keine Antwort. Nach der Wahl lud er Frauke Petry (Blaue Partei) in den Ortschaftsrat ein. „Das ist unsere aktuelle Vertreterin im Bundestag“, sagt Tooren. Die sei auch gekommen, habe nachgehakt. Ergebnis: Es wird noch geprüft.

Tooren, Kommunalpolitiker im Ehrenamt, ist enttäuscht. „Wir haben alles probiert, was zur demokratischen Meinungsbildung gehört“, sagt er. Aber die Botschaft kommt oben nicht an. Am meisten ärgert ihn, dass sich der Freistaat raushält und darauf verweise, dass das eine Bundesentscheidung ist. Feige sei das. „Ich erwarte ein klares Bekenntnis der Politik zum Erhalt und Ausbau des Bundespolizeirevieres.“ Jetzt ruhen die Hoffnungen auf Sachsens neuem Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU). „Ich werde auch ihn anschreiben.“ Post von Bürgermeister Kirsten müsste schon unterwegs sein.