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Aufregung um Kündigung für Musikschule

Der Bannewitzer Bürgermeister will das Schreiben korrigieren und nur einen Raum aus dem Mietvertrag herauslösen - und sichert Bestand zu.

Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) (r.) sah vergangenen Freitag beim Besuch der Musik-, Tanz- und Kunstschule Bannewitz die Aufführung von "Hänsel und Gretel". Mit Eifer zeigte die Klasse von Constanze Glaser ihre Unterrichtserfolge.
Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) (r.) sah vergangenen Freitag beim Besuch der Musik-, Tanz- und Kunstschule Bannewitz die Aufführung von "Hänsel und Gretel". Mit Eifer zeigte die Klasse von Constanze Glaser ihre Unterrichtserfolge. © Daniel Schäfer

Entsetzen am Dienstagabend im Verein der Musik-, Tanz- und Kunstschule in Bannewitz: Schulleiter Sebastian Dolata hatte von Bürgermeister Christoph Fröse (parteilos) am Nachmittag die Kündigung für die Räume im Bürgerhaus an der August-Bebel-Straße erhalten. Und das wie im Mietvertrag vereinbart fristgemäß zum Jahresende.

Nachdem Sabine Pelz, Schatzmeisterin des Trägervereins und Gemeinderätin für Bündnis 90/Die Grünen, wie alle anderen Vereinsmitglieder auch von der Kündigung erfuhr, informierte sie noch am selben Abend den Technischen Ausschuss. Bereits dort lenkte der Bürgermeister ein.

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Über Raumnutzung wird noch verhandelt

"Es geht nicht um die gesamte Schule", wiederholte Fröse auf SZ-Nachfrage noch einmal seine Aussage vor den Ausschussmitgliedern, sondern lediglich um den Keramikraum im Keller." Das sei nie anders gewesen. Der Bestand der Schule sei in keiner Weise gefährdet.

Fröse räumte aber ein Versehen bei der Formulierung ein. Im Schreiben nämlich wurde der gesamte Mietvertrag erwähnt. Der betrifft die Räume im Obergeschoss und im Keller. Das werde nun umgehend korrigiert, so der Bürgermeister.

Wofür der jetzt gekündigte Raum genau genutzt werden soll, das sagte der Bürgermeister nicht. Dazu würden noch Verhandlungen laufen. Nur so viel: Der Raum werde nicht für die Gemeindeverwaltung benötigt, aber für das öffentliche Wohl.

Näher ging er zum jetzigen Zeitpunkt darauf nicht ein. Möglicherweise, so Fröse, bleibe der Raum auch in Musikschulhand. Das hänge vom Ausgang der Verhandlungen ab. Eine Kündigung sei aber wegen der Fristen nötig gewesen. Allerdings, gab CDU-Gemeinderätin Angela von Havranek im Ausschuss zu bedenken, dass der Raum auf die Bedürfnisse der Keramiker ausgelegt sei, dort verschiedene Utensilien wie Brennöfen stehen. Dazu sieben Arbeitstische und Regale für die unterschiedlichen Materialien und Trocknungsbereiche für die Keramiken.

Empfang der Kunstministerin zum 20.

"Ich war geschockt, als uns ein Gemeindebediensteter die Kündigung brachte, und ich den Empfang bestätigen musste", sagt der Schulleiter. Zwar hätte es im Mai eine Anfrage gegeben, ob der Keramikraum auch genutzt würde, weil die Gemeinde Bedarf hätte, räumte Dolata ein.

Allerdings seien dabei auch weitere Gespräche angekündigt worden, die bisher nicht stattgefunden hätten. Und nun die Kündigung kurz vor dem 20. Geburtstag der Einrichtung im August. Gerade hatten Lehrer und Schüler am vergangenen Freitag Kunstministerin Barbara Klepsch (CDU) empfangen, ihre Einrichtung vorgestellt und Probleme auf den Tisch gelegt.

"Da ging es um den Status von Musikschulen", so der Schulleiter. Auch um mehr Unterrichtsräume und darum, dass Grenzen von Kulturräumen wegfallen und Fördergelder gleichmäßig verteilt werden sollten. Selbst wenn laut Dolata Corona bedingt in den vergangenen Monaten wegen der Schließung Schüler abgesprungen seien, steige die Nachfrage wieder an, und der Unterricht laufe bereits.

Einrichtung erreicht 1.000 Schüler

"Momentan kommen allein ins Bürgerhaus knapp 700 Schüler zum Unterricht, vom Dreijährigen bis zum Über-60-Jährigen", sagt Dolata. Darüber hinaus würden weitere Schüler in den Außenstellen Possendorf, Kreischa, Rabenau, Oelsa, Freital-Kleinnaundorf und Tharandt sowie in Grundschulen unterrichtet und betreut. Insgesamt etwa 1.000.

45 Lehrer, davon 28 Honorarkräfte arbeiten für die Musikschule in 34 Fächern - in der Ausbildung an Instrumenten, in Tanz- und Gesangsgruppen - und im etwa 62 Quadratmeter großen Keramikraum. Malkurs, Töpfern, Künstlerisches Gestalten und Workshops finden dort regelmäßig statt.

Dabei soll auch die Tradition der Porzellankunst in der Region mit entsprechenden Kursen aufleben, wofür Kunstlehrerin Gudrun Suchorik eigens an einer von der Europäischen Union geförderten Weiterbildung in Italien teilgenommen hat.

In der Gemeinde sind Auftritte gefragt

Der Keramikraum ist fester Bestandteil des Schulangebots und wäre sicher nicht so leicht zu ersetzen. Denn der Bedarf an mehr Platz für die Schule sei schon lange bekannt, sagt Irmela Werner. Auch die einstige Schulleiterin zeigte sich zunächst entsetzt über die Nachricht, hofft jetzt aber auf eine gütliche Lösung - auch im Interesse der Gemeinde. Dort schließlich seien Auftritte der Musikschüler bei öffentlichen Veranstaltungen gern gesehen, ob beim Neujahrsempfang, bei der Auszeichnung von Ehrenamtlern oder im und am Schloss Nöthnitz. Als Gründungs- und Vereinsmitglied der Musik-, Tanz- und Kunstschule ist Werner der Fortbestand besonders wichtig. Dank Engagement vieler Eltern entstand die Schule vor 20 Jahren, als die kommunale Einrichtung geschlossen wurde. Damit konnten die Angebote nahtlos weitergehen. Das Engagement hält bis heute.


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