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Abliefern - Auspressen - Abholen

Jetzt ist Hoch-Zeit für die Apfelernte - und die Safterei in Possendorf. Stress kennt man dort trotzdem nicht.

Elisabeth Gläser befüllt bei der Sonntags-Saft GmbH in Possendorf die ihr zugewiesene Kiste mit etwa 120 Kilogramm alter Apfelsorten.
Elisabeth Gläser befüllt bei der Sonntags-Saft GmbH in Possendorf die ihr zugewiesene Kiste mit etwa 120 Kilogramm alter Apfelsorten. © Daniel Schäfer

Auto für Auto kommt auf den Hof der Sonntags-Saft GmbH in Possendorf gefahren. Kisten gefüllt mit Äpfeln werden entladen. Elisabeth Gläser aus Cunnersdorf bringt etwa 120 Kilogramm. Oder sind es mehr?

Die junge Frau überlegt. Es sind 130 Kilogramm. Ergeben 100 Liter Saft. Abfüllen lässt sie in Drei-Liter-Boxen, möglich sind auch fünf und zehn Liter, seit zwei Jahren auch Ein-Liter-Flaschen.

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Aber dass es fünf verschiedene alte Sorten sind, darunter Goldparmäne, Boskoop und Kardinalapfel, das weiß sie.

Der Saft daraus sei sehr lecker. Und was ihr besonders wichtig ist: Sie bekommt ihn von ihren eigenen Äpfeln. Das ist nicht überall so, bei Dominic Sonntag schon.

Jeder Kunde füllt seine Kiste

Der Chef der kleinen Safterei kommt gerade aus dem Lagerraum, um nach den Kunden zu schauen. Überall auf dem Hof stehen Kisten mit einem Code. Wird der gescannt, wissen die Mitarbeiter, von wem die Äpfel sind.

Die Kunden bekommen nach der Terminvergabe ihre Kisten zugewiesen. An diesem Morgen kommen nur Bestellte an die Reihe. Gut für Elisabeth Gläser, die noch nach Glashütte zur Arbeit muss. Dass sie hier den Abgabetermin Online buchen kann, hätte zeitliche Vorteile.

Kundenstrom lässt sich gut regulieren

"Es gibt keine Wartezeit, und ich werde schnell bedient." Auch diesmal. Sie holt sich noch den Termin zur Abholung und düst wieder davon. Dort, wo die Kunden ihre Auftragsformulare abgeben und den Saft wieder abholen, ist jetzt mehr Platz als noch vor einem Jahr.

"Die Scheune ist ausgebaut worden, hat nun in vier riesigen Regalen mehr Lagerfläche und einen Besuchertresen", sagt Sonntag. "So können wir den Kundenstrom gerade jetzt in der Apfelzeit gut regulieren." Zugleich weist er aber darauf hin, dass auch Obst ohne Termin abgegeben werden kann, nicht immer, aber bis 20. Oktober täglich 6 bis 22 Uhr, am 20. Oktober bis 10 Uhr. Weitere Termine gibt es dann bis Ende Oktober. Das alles findet sich auch auf der Webseite des kleinen Unternehmens.

Jeder erhält sein Obst in flüssiger Form

Wer ohne Anmeldung das Obst bringt, müsste es umfüllen und die jeweilige Kistennummer auf dem Auftragsformular notieren. Allerdings könnten unbestellt nur Äpfel, Birnen und Quitten gebracht werden, mit Termin seien auch Beerenfrüchte und Trauben möglich.

Eines ist Dominic Sonntag aber wichtig: Das Obst muss ordentlich sein, ohne Schimmel und faulige Stellen. Denn selbst wenn die Kollegen und er ein Auge drauf hätten, sortiert wird nicht noch einmal.

Sonntag zeigt das Förderband, über das das Obst vom Hof in die Presse gelangt. Dort wird es nach der Wäsche in einer elektrischen Mühle zerkleinert und zu Maische, wie der so geschredderte Obstmus heißt. Der wird gepresst und gefiltert.

Jetzt läuft der Saft durch einen großen Trichter in eine Wanne und von dort durch Rohre in Tanks. Vor dem Abfüllen wird der Saft noch auf 80 Grad erhitzt und so schonend haltbar gemacht. Was dann noch von der Maische übrig ist - Stängel, Kerne, Schalen - wird als sogenannter Trester an Tiere verfüttert.

Dominic Sonntag managt die Safterei in Possendorf. Auch aus den Äpfeln von der Streuobstwiese hinter der Scheune wird Saft.
Dominic Sonntag managt die Safterei in Possendorf. Auch aus den Äpfeln von der Streuobstwiese hinter der Scheune wird Saft. © Daniel Schäfer
Über ein Band kommen die Äpfel in die Anlage, wo die Früchte gepresst werden und der Saft daraus in eine Wanne läuft.
Über ein Band kommen die Äpfel in die Anlage, wo die Früchte gepresst werden und der Saft daraus in eine Wanne läuft. © Daniel Schäfer
Das, was vom ausgepressten Fruchtfleisch der Äpfel oder anderer Obstsorten übrig ist, wird als Tierfutter weiterverwendet.
Das, was vom ausgepressten Fruchtfleisch der Äpfel oder anderer Obstsorten übrig ist, wird als Tierfutter weiterverwendet. © Daniel Schäfer
Der Saft wird nach dem Erhitzen von Veronika Neumann in Packungen abgefüllt und zur Abholung für die Kunden bereitgestellt.
Der Saft wird nach dem Erhitzen von Veronika Neumann in Packungen abgefüllt und zur Abholung für die Kunden bereitgestellt. © Daniel Schäfer
Elisabeth Fischer arbeitet mit der Ameise am Hochregal, wo die fertigen Boxen gestapelt werden.
Um mehr Platz zu haben, wurde die Scheune umgebaut.
Elisabeth Fischer arbeitet mit der Ameise am Hochregal, wo die fertigen Boxen gestapelt werden. Um mehr Platz zu haben, wurde die Scheune umgebaut. © Daniel Schäfer

Größere Presse in umgebauter Scheune

Sonntag zeigt auf einen kleinen Bildschirm: Durch eine speziell entwickelte Software kann Auftrag für Auftrag nachverfolgt werden. "Hier ist für jeden Kollegen klar, was gerade durch die Presse läuft, und welches Obst als nächstes dran ist", sagt der Chef. Für ihn als Softwareentwickler eine Möglichkeit, seinem Beruf einen weiteren hinzuzufügen. Denn nur ein Hobby war die Safterei nie.

Inzwischen werden bis zu 200 Tonnen an Obst pro Jahr in der Possendorfer Safterei verarbeitet, in seinem ersten vollen Produktionsjahr 2013 waren es 20 Tonnen. Inzwischen wurde die kleine Anlage Ende August durch eine größere abgelöst, die in der ausgebauten Scheune ihren Platz gefunden hat. Dreimal so viel Saft kann dort produziert werden.

Zum Glück hilft sein Vater Andreas Neumann in der Produktion. Auch die anderen vier Mitarbeiter seien sehr engagiert. Einige würden wie er ein doppeltes Berufsleben führen - in der Saftproduktion und bei der Softwareentwicklung.

Eine zwei Hektar große Streuobstwiese mit 200 Obstbäumen liegt hinter dem Hof, den schon sein Urgroßvater geführt hatte. Viele dieser Früchte werden ebenfalls zu Saft und am Hof verkauft. Auch hier sind es alte Sorten, die Sonntag verarbeitet: Kaiser Wilhelm, Gravensteiner oder Cox Orange zum Beispiel.

Früh gebracht und abends geholt

Inzwischen sind die nächsten Autos auf den Hof gefahren - ein Ehepaar aus Freital und Gert Bellmann aus Liebstadt. 40 Kilo Äpfel bringt er, die er auf einer Streuobstwiese seines Grundstückes geerntet hat.

Den Saft, so erzählt er später, konnte er am gleichen Tag abends abholen: Neun Drei-Liter-Packungen zu je 4,70 Euro. Dafür hat er eine Nachricht auf sein Handy bekommen. Ein Service, den der 37-jährige Sonntag anbietet.

Auch bei Bellmann sind es alte Apfelsorten. Welche, das weiß er nicht. Das habe ihm der Vorbesitzer des Grundstückes nicht hinterlassen. "Aber ich kann die Äpfel ja mal bestimmen lassen", sagt der Liebstädter, der nächstes Jahr zum vierten Mal in Possendorf seine Äpfel abgeben wird. Denn es passe alles perfekt: Qualität, Ausbeute und Organisation.

Mobile Saftpresse ist unterwegs

Einen Termin ausmachen kann man übrigens auch bei Andreas Wegener und Uwe Riedel, die seit über 15 Jahren mit dem Apfel-Paradies eine mobile Saftpresse betreiben und sich für den Erhalt alter Streuobstwiesen einsetzen. Auch im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind sie unterwegs.

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Momentan können über ihre Webseite noch freie Termine für 25. Oktober in Grumbach und 26. Oktober in Klingenberg gebucht werden. Mindestens 100 Kilogramm müssten bei ihnen aber abgegeben werden, sagt Riedel. Bei Dominic Sonntag in Possendorf geht es auch schon mit 20, 30 Kilogramm. Richtig lohne es sich aber erst in größeren Mengen, sagt er. Denn ein Mindestpreis von 49 Euro müsse jeder zahlen.

Wer übrigens noch im November späte Apfelsorten pflückt, kann auch dafür in Possendorf noch Termine bekommen, allerdings nicht mehr jeden Tag.

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