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Bannewitz: Kunstschule darf im Bürgerhaus bleiben

Die Musik-, Tanz- und Kunstschule in Bannewitz hat einen neuen Mietvertrag. Allerdings gibt es eine Einschränkung. Dagegen regt sich Widerstand.

Sie fühlen sich wohl in ihrem Keramik- und Kunstraum im Bürgerhaus Bannewitz: Der 14-jährige Phillipp und die 10-jährige Emily mit Kursleiterin Janina Kracht (Mitte).
Sie fühlen sich wohl in ihrem Keramik- und Kunstraum im Bürgerhaus Bannewitz: Der 14-jährige Phillipp und die 10-jährige Emily mit Kursleiterin Janina Kracht (Mitte). © Daniel Schäfer

Während an der Musik-, Tanz- und Kunstschule im Bannewitzer Bürgerhaus seit einigen Wochen der Unterricht für die rund 700 Schülerinnen und Schüler nach der Corona-Pause wieder angelaufen ist, macht sich der Trägerverein weiter Gedanken über die Zukunft der Einrichtung. Und das, obwohl Bürgermeister Christoph Fröse (parteilos) die Ende Juni überraschend übergebene Kündigung zurückgenommen hat. Das wohl auch nach dem Druck von Gemeinderäten und der Öffentlichkeit.

Keramikraum ist gefährdet

Inzwischen hat der Musikschulverein einen neuen Vertrag für das Bürgerhaus erhalten, "mit leichter Mieterhöhung, aber moderat", sagt Vereinsvorsitzender Professor Hartmut Zabel. Er freut sich über die Entwicklung nach den vergangenen turbulenten Wochen – mit einem Wermutstropfen.

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Fröse hält an der Kündigung des Keramikraumes zum Jahresende fest. Zumindest bis der zukünftige Nutzer sich entschieden hat. Dies bestätigte der Bürgermeister am Freitag auf Anfrage. Dem Vernehmen nach soll der Raum der Polizei angeboten werden. Kein Kommentar gab es dazu vom Bürgermeister, weil die Verhandlungen noch laufen würden. Er teilte nur mit, dass sich die Entscheidungen darüber bis Oktober hinziehen könnten.

Schulleiter braucht schnelle Entscheidungen

Erst dann werde sich zeigen, ob der Raum weiterhin für Kunst- und Keramikkurse sowie Workshops genutzt werden kann. Zu spät für Schulleiter Dolata, der in den kommenden Wochen für das nächste Schuljahr planen muss.

Er hofft daher ebenso wie Vereinsvorsitzender Zabel auf eine schnellere Lösung für die Kunstkurse. Denn der Keramikraum ist eine wichtige Säule für die Schule. „Wir wollen mit dem Angebot der Kunstkurse, die ja die Schule auch im Namen trägt, die Tradition der Porzellankunst in der Region fortführen“, so Zabel.

Der geht nach einem Vier-Augen-Gespräch mit dem Bürgermeister davon aus, dass es eine einvernehmliche Lösung geben wird. Wieder so einen Fauxpas wie bei der unvorhergesehenen ersten Kündigung des gesamten Mietvertrages sollte es nicht geben. Schließlich seien neben den Schülern vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter auch 17 Festangestellte und 31 Honorarkräfte betroffen. „Mit dem Bürgermeister habe ich vereinbart, dass wir uns regelmäßig zu einem Gespräch treffen oder zumindest telefonieren“, sagt Zabel. So könne man künftig Kommunikationsprobleme ausschließen.

Denn die Gemeinde stehe zur Schule, wie Fröse versichert. Und das aus gutem Grund. Ob Konzertbegleitungen, Teilnahme an Veranstaltungen, an Ausstellungen, Tagen der offenen Tür oder Auftritte auf Märkten, die Schule ist für die Gemeinde da. Dazu allerdings gehört auch der Keramikraum.

Spenderverein ist verärgert

Deshalb war auch Angelika Grießing vom einstigen Dresdner Porzellankunstverein verärgert, als sie von der anstehenden Kündigung erfuhr. "Aus unserem Nachlass übergaben wir der Musik-, Tanz- und Kunstschule unseren gesamten Formenschatz inklusive Möbel als Spende, damit freischaffende Hobbykünstler arbeiten können", schreibt sie in einem Brief an Christoph Fröse. Das soll für eine sinnvolle Freizeitgestaltung auch so bleiben.

Sie appelliert deshalb an den Bürgermeister, die Entscheidung über "das kleine, aber sinnvolle Kelleratelier" zu überdenken.

Beste Bedingungen für die Kunstkurse

Das wünschen sich auch die beiden Leiterinnen der Kunstkurse, die den Keramikraum nutzen. Von der Kündigung hätten sie durch die Zeitung erfahren. "Meine Schüler vom Grundschul- bis zum Erwachsenenalter waren entsetzt", sagt Gudrun Sochorik.

Seit 20 Jahren unterrichtet sie an der Schule Keramik und organisiert Workshops. In dieser Zeit sei viel passiert, wurde der Raum umgestaltet und grundlegend renoviert. Im benachbarten Raum für die Brennöfen sei eine Belüftung installiert worden.

Auch für Janina Kracht, die den Kinderkunstkurs leitet und für Collagen, Arbeiten mit Papier, Gips oder Pappe viele Materialien benötigt, ist froh über die Bedingungen, die sie im Bürgerhaus hat.

Ein Thema für die Gemeinderatssitzung

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Dass der Keramikraum ins Bürgerhaus gehört, finden auch einige Gemeinderäte. Für Anne Süße von der Wählervereinigung "Wir für Bannewitz" ist ein solches Vorgehen wie es bei dem Musikschulverein praktiziert wurde, "nicht im Sinn der Gemeinde". Auf diese Weise dieser kulturellen und sozialen Einrichtung die Geschäftsgrundlage zu entziehen sei hart und juristisch umstritten, so Süße. Die Gemeinde hätte erst einmal mit den Vertragspartnern ins Gespräch kommen und gemeinsam gegebenenfalls über eine Änderungskündigung nachdenken können. Süße regt an, das Thema in der Gemeinderatssitzung zu besprechen. Kommenden Dienstag ist dafür Gelegenheit.

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