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Wohnen am Schloss Nöthnitz

Ein Investor hat vom Eigentümer Gebäudeteile gekauft und will sie ab 2022 sanieren. Seine Pläne stellt er am Dienstag zur Gemeinderatssitzung vor.

In den noch maroden Nebengebäuden von Schloss Nöthnitz sollen ab nächstes Jahr Eigentumswohnungen entstehen.
In den noch maroden Nebengebäuden von Schloss Nöthnitz sollen ab nächstes Jahr Eigentumswohnungen entstehen. © Daniel Schäfer

Der Dresdner Restaurator Olaf Erhardt baut mit seinen Kollegen gerade die Eingangstür von Schloss Nöthnitz aus. Sie wird in seiner Werkstatt für einige Tausend Euro restauriert. Neben ihm steht Eigentümer Jan Horsky und bespricht mit ihm einige Details. Wieder ein Puzzle-Teil bei der Erhaltung und Pflege des historischen Anwesens am Rande von Dresden.

Seit 2018 hat der heute 25-Jährige, der das Anwesen von seinem verstorbenen Vater übernommen hatte, mehrere Hunderttausend Euro investiert. Er sagt, zum Glück werde er mit Fördermitteln aus der Denkmalpflege unterstützt. Aber das reicht angesichts der überall nötigen Sanierungen nicht. Landwirtschaftliche Erträge, von denen das Rittergut einst lebte, gebe es nicht mehr.

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Deshalb hat sich Horsky nach eigenen Angaben entschlossen, einen Teil der Immobilie zu verkaufen. Nach einem knappen Jahr "intensiver Verhandlungen", wie er sagt, sei der Vertrag vergangenen Monat unterschrieben worden. Käufer ist die Objektgesellschaft Schloss Nöthnitz GmbH & Co. KG, die bereits seit einem Jahr mit diesem Namen im Handelsregister eingetragen ist.

Auflagen der Denkmalpfleger

An den Investor verkauft sind die sich hinter dem Schloss rechts erstreckenden Nebengebäude - die einstige Stellmacherei mit historischem Taubenschlag, die Könneritz-Scheune, Stallungen und Rübenkeller. Von den meisten Gebäuden ist nach Jahren des Leerstandes nur noch eine Hülle da.

Die Gesellschaft mit Sitz in Marktredwitz hat zudem das gegenüberliegende marode Gebäude, wo für das Rittergut aus dem 17. Jahrhundert Ziegelei, Wäscherei und Kuhstall mit Wohnung untergebracht waren, von einem Dresdner Rechtsanwalt gekauft. Bis 1997 war dieser Teil noch bewohnt.

Im gesamten Areal sollen Eigentumswohnungen entstehen. Dem Vernehmen nach werden es mindestens 50 in unterschiedlichen Größen. Diese müssten aber denkmalgerecht und an das Schloss angepasst entstehen, sagt Horsky. Dafür gebe es auch Auflagen.

Eigentümer Jan Horsky hat noch viele Pläne mit Schloss Nöthnitz. Dafür kann er auch den Verkaufserlös von einem Teil seines Besitzes nutzen. Jetzt wird erst einmal die Eingangstür restauriert.
Eigentümer Jan Horsky hat noch viele Pläne mit Schloss Nöthnitz. Dafür kann er auch den Verkaufserlös von einem Teil seines Besitzes nutzen. Jetzt wird erst einmal die Eingangstür restauriert. © Daniel Schäfer

Zudem bleibt der Hof weiterhin für Veranstaltungen nutzbar. Das seien Bedingungen des Vertrages gewesen. Baustart ist für nächstes Jahr geplant. Die auch mit der Bannewitzer Gemeindeverwaltung abgesprochenen Pläne stellt der Investor im öffentlichen Teil der Ratssitzung am 28. September vor.

Mit dem Verkaufserlös hat der Prager Unternehmer in den nächsten Jahren viel vor. Er zeigt auf marode Fenster, dringend sanierungsbedürftige Dächer der Nebenflügel und die zu erneuernde Heizungsanlage. Ein Notgroschen für unvorhergesehene Ereignisse müsste auch zur Seite gelegt werden.

Mitstreiter für den Park gesucht

Für das Erdgeschoss, in dem zu DDR-Zeiten Turnhalle, Speiseraum und Küche des Instituts für Zierpflanzenwirtschaft untergebracht waren, lässt der Eigentümer von Architekten eine Studie erarbeiten. Möglicherweise könnte dort ein Café einziehen. Noch aber kennt Horsky die Ergebnisse der Studie nicht.

Eines aber weiß er schon sicher: Mit der gemeinnützigen Gesellschaft Gut Leben aus Bannewitz will er das ehemalige Kutscherhaus, das etwas entfernt hinter dem Schlossareal noch erhalten ist, sichern. "Dort könnten ein Hofladen mit den Produkten von Gut Leben und ein Waldkindergarten einziehen", nennt er Ideen und blickt auf ein weiteres Sorgenkind des Geländes.

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Der angrenzende Park müsste nämlich gesichert und instand gesetzt werden. Seit Jahren sind dort Spaziergänge aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Ein zu gründender Parkverein, der sich zunächst um Spenden kümmert, könnte die Lösung sein. Dafür aber brauche es noch Mitstreiter, die sich unter [email protected] melden sollten, sagt der Eigentümer, der nicht nur die Immobilie verwaltet und auf Vordermann bringt, sondern sich auch für deren wechselvolle Geschichte interessiert. Seine privaten Erlebnisse mit dem Schloss erzählt er wieder bei einer Führung am 9. Oktober ab 13 Uhr, vor dem nächsten Konzert im Festsaal mit Gitarrenmusik, das 17 Uhr beginnt.

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