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Bares für gute Noten

Am Freitag gibt es Zeugnisse. Für manchen Schüler bedeutet das auch: Am Freitag gibt es Geld. Aber ist Zeugnisgeld sinnvoll?

© Sebastian Gollnow/dpa

Von Susanne Sodan

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Löbau-Zittau. Ist ja nur das Halbjahreszeugnis. Der Spruch gilt für Sebastian Sieber nicht mehr. Er besucht die elfte Klasse des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Löbau. Und in die Abinote kommendes Jahr zählen alle vier Zeugnisse aus der elften und zwölften Klasse mit rein. Mit diesem Halbjahreszeugnis ist Sebastian Sieber ganz zufrieden. Die Kasse werden die guten Noten aber nicht aufbessern. Zeugnisgeld von den Eltern? Ist in seiner Familie nicht üblich. Wenn es einen kleinen Betrag gibt, dann von den Großeltern. „Das ist aber eher Feriengeld“, sagt Sebastian Sieber. Weil der Betrag nichts zu tun hat mit der – in der Sekundarstufen Zwei – Punktezahl auf dem Zeugnis. Allerdings, es gebe auch Mitschüler, die für gute Noten bestimmte Geldbeträge von den Eltern bekommen.

Mit der Frage, ob das sinnvoll ist, hat sich diese Woche auch der Spiegel-Autor Armin Himmelrath herumgeschlagen. In seiner Kolumne erzählt er über ein Gespräch mit einem seiner drei Kinder. Der Sohn plädierte für Zeugnisgeld. Sei doch Standard heutzutage. Das belege sogar eine Forsa-Umfrage, argumentiert er und fragt: „Willst du mich zum Außenseiter machen?“ Der Vater bleibt standhaft und hält dagegen. Für ein Kind hat man schließlich schon ohne Zeugnisgeld eine Menge Kosten. Und gemeinsame Zeit ist wichtiger – und wenn es das Frühstück ist. Zeugnisgeld? „Nein, keine Chance.“

Sehen noch mehr Erwachsene so. Zum Beispiel Torsten Berndt, stellvertretender Schulleiter des Löbauer Gymnasiums. Er hat selber zwei Kinder, eines besucht noch die Schule, bringt also am heutigen Freitag auch ein Zeugnis nach Hause. Für die Familie wird es trotzdem ein recht normaler Tag sein, denn Zeugnisgeld zahlt auch Torsten Berndt nicht. „Es impliziert irgendwann, dass man für Geld lernt. Und das wollen wir nicht.“ Allgemein, sagt er, sollte das Zeugnis für die Eltern keine große Überraschung sein, weder in die eine noch die andere Richtung. „Das wäre fatal.“ Wichtig sei, dass die Eltern das ganze Schuljahr über das Gespräch mit dem Kind suchen und über die Leistungen informiert sind. Und bei Unsicherheiten auch den Kontakt mit der Schule suchen.

In die gleiche Richtung argumentiert auch Sebastian Handrick vom Standort Bautzen des Landesamtes für Schule und Bildung. Zeugnistag sollte kein Überraschungstag sein, sagt auch er. Für den Fall, dass es anders ist – und ein Kind am Zeugnistag Angst vor den Reaktionen der Eltern hat, gibt es sowohl das Kinder- und Jugendtelefon als auch Elterntelefon vom Deutschen Kinderschutzbund Sachsen, bei dem beide Seiten ein offenes Ohr und eine erste Unterstützung finden können. Außerdem gibt es eine Zeugnis-Hotline, eingerichtet vom Landesamt für Schule und Bildung, die am Freitag zur Verfügung steht. Diese sei in den vergangenen Jahren von den Schülern in Görlitz und Bautzen – für diese beiden Kreise ist der Standort der Bautzener Bildungsagentur zuständig – eher verhalten genutzt worden. Sein Eindruck ist, dass der Kontakt zwischen Eltern, Schülern und Schule grundsätzlich gut funktioniert.

Generell gegen eine Belohnung ist Sebastian Handrick aber nicht. Er hat selber drei Kinder, die mittlerweile auch schon älter sind. „Wir sind zum Beispiel gemeinsam Essen gegangen“, erzählt er. Das Restaurant durften die Kinder auswählen. „Es ist wichtig, dass die Eltern den Zwischenstand wirklich registrieren“, sagt Handrick. Die Entwicklung des Kindes sollte man als Elternteil immer im Auge behalten, Zeugnistag und Ferien können aber ein Anlass sein, sich Zeit zu nehmen, zum Beispiel für einen Ausflug und für Gespräche mit den Kindern, was gut gelaufen ist und wo Änderungen nötig sind. Und klarzumachen, dass sie ihrem Kind auch bei Schwierigkeiten zur Seite stehen.

Von Geld für Schulnoten hält Katrin Koksch, Leiterin der Pestalozzi-Grundschule Eibau, wenig. „Es ist viel sinnvoller, mit den Kindern gemeinsam etwas zu unternehmen“, sagt sie. Ein Ausflug mit der Familie bleibe erstens viel besser im Gedächtnis als ein Zehn-Euro-Schein. Was man mit dem Geld gekauft hat, daran erinnere man sich weniger als an einen schönen Tag. Zweitens sieht sie gerade bei Kindern im Grundschulalter eine Schwierigkeit mit Geld für gute Noten: Können die Kinder überhaupt nachvollziehen, wofür sie das Geld bekommen haben, welche Bedeutung es haben soll? Gerade bei jüngeren Kindern rät sie: Die Eltern sollten erklären, wofür eine Belohnung steht.

Und die Schüler selber? Stehen sie auf der Pro-Zeugnisgeld-Seite? Erik-Holm Langhof vom Schülerrat des Christian-Weise-Gymnasiums in Zittau eher nicht. Er selber bekommt kein Bares für gute Noten. Das sei ihm aber auch nicht wichtig. „Ich könnte mir vorstellen, dass vielleicht in den niedrigeren Klassenstufen Zeugnisgeld gängiger ist.“ Vielleicht als ein zusätzlicher Anreiz. Den Schülern in den höheren Klassenstufen, so Erik-Holm Langhofs Eindruck, sei bewusst, worum es geht. Um den Abischnitt. „Ich glaube, in der elften und zwölften Klasse kennt man seine Schwächen und arbeitet eigentlich von sich aus auf gute Noten hin.“ Weil es dann eben nicht mehr heiß: Ist doch nur das Halbjahreszeugnis!

Zeugnis-Hotline des Landesamtes für Schule und Bildung, Fr, von 11 bis 16 Uhr, Standort Bautzen: 03591 621138; Kinder- und Jugendtelefon: Mo-Fr, 14 bis 20 Uhr: 116111