merken

Pirna

Basteifelsen noch poröser als gedacht

Die Aussicht in der Sächsischen Schweiz ist gesperrt. Nicht alle verstehen das. Dabei ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Teile abbrechen.

Der Blick ist malerisch, doch die Sicherheit trügerisch. Der vordere Teil des Felsens ist nicht mehr standsicher.
Der Blick ist malerisch, doch die Sicherheit trügerisch. Der vordere Teil des Felsens ist nicht mehr standsicher. © Archivbild/Marko Förster

Die berühmte Basteiaussicht ist abgesperrt, und das verwundert immer noch einige. Vor allem die, die noch vor wenigen Jahren mit anderen Schaulustigen den Blick auf das malerische Elbtal genossen.

Anzeige
Ein Actionabenteuer als Geschenk

Wer auf der Suche nach dem passenden Geschenk für seinen Liebsten ist, der ist hier genau richtig!

Der vordere Teil des Felsens ist porös, marode, nicht mehr tragfähig. So kommunzierte es in den vergangenen Monaten das Sächsische Finanzministerium. Zehn Meter sind deshalb durch einen Zaun abgesperrt. Die neue, teils schwebende Plattform, für deren Bau die Genehmigung noch aussteht, soll diesen Teil des Massivs nicht mehr touchieren und nur auf dem rückwärtigen Bereich aufliegen. Übertrieben viel Sicherheit?

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Schonfrist für alte Basteiaussicht

Der Abriss der alten Platten beginnt nicht sofort. Damit soll Rücksicht auf Touristen genommen werden.

Der vordere Teil des Felsens ist porös, marode, nicht mehr tragfähig. So kommunzierte es in den vergangenen Monaten das Sächsische Finanzministerium. Zehn Meter sind deshalb durch einen Zaun abgesperrt. Die neue, teils schwebende Plattform, für deren Bau die Genehmigung noch aussteht, soll diesen Teil des Massivs nicht mehr touchieren und nur auf dem rückwärtigen Bereich aufliegen. Übertrieben viel Sicherheit?

Offenbar nicht. Schon die Errichtung der Steinschlagzäune unterhalb des Basteifelsens lässt erahnen, was die Geologen bei ihren Bohrungen ermittelt haben. Das Metallgeflecht hält Brocken von einem Ausmaß von einem mal einem Meter auf. Nicht gerade groß. Oder auch: Wenn sich der Basteifelsen löst, dann wird wohl hauptsächlich eine große Menge Sand in Richtung Elberadweg rieseln. „Die Bohrungen im Sandstein unterhalb der Basteiaussicht zeigen teilweise einen Wechsel aus festem Gestein, Lockergestein bis hin zu sandigen Bereichen“, bestätigt Tobias Lorenz vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB).

Von der Basteiaussicht aus kann man Kletterer beobachten. 
Von der Basteiaussicht aus kann man Kletterer beobachten.  © dpa/Monika Skolimowska

Untersucht wurde der Bereich von acht bis 16 Metern unterhalb der Aussichtsplattform. Da bis zu 1,5 Millionen Menschen jährlich das Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz begehen, gingen die Wissenschaftler akribisch bei der Analyse des Sandsteins vor. Zunächst wurden Bohrungen sowie Ultraschallmessungen durchgeführt. Anhand der Ausbreitungsgeschwindigkeit der Schallwellen wird die Struktur des Felsens sichtbar. Im Labor wurden dann die Gesteinsproben unter anderem auf ihre Druckfestigkeit untersucht und Dünnschliffe angefertigt, um die Zusammensetzung des Sandsteins zu ermitteln. „Auch hier wurde eine teilweise geringe Festigkeit ermittelt sowie eine sehr hohe Wasseraufnahmefähigkeit einiger Proben, was ebenfalls auf eine verminderte Festigkeit und mögliche Erosion hindeutet“, führt Tobias Lorenz aus.

Schlussfolgerung: Niemand kann garantieren, dass der Basteifelsen künftige Generationen von Touristen tragen kann.

Eine halbe Million Menschen besucht jedes Jahr die Bastei, um diesen Ausblick ins Elbtal zu genießen.
Eine halbe Million Menschen besucht jedes Jahr die Bastei, um diesen Ausblick ins Elbtal zu genießen. © dpa/Monika Skolimowska

Überhaupt könne man nicht sagen, wie lange das Gestein noch in dieser Form Bestand hat – ob mehrere Jahrzehnte oder doch nur wenige Monate. Dass Sandstein von jetzt auf gleich zerbröseln kann, ist eine unberechenbare Gefahr in der Sächsischen Schweiz.

Bestes Beispiel: der nur wenige Meter Luftlinie von der Bastei entfernte Wartturm. Im Jahr 2000 löste sich eine 300 Kubikmeter große Sandsteinplatte und donnerte rund 60 Meter tief ins Elbtal. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Oder ein rund acht Meter hoher, freistehender Sandsteinblock unweit der Felsenhöhle Kuhstall, der im April 2011 in sich zusammenbrach. Ein Jahr später krachten in den Schwedenlöchern Steine auf einen Wanderweg und verletzten Touristen. Unberechenbar ist auch der zur Elbe gerichtete Teil des Basteifelsens.

Besser in Form, also weniger porös, ist laut Messungen der hintere Teil des Felsens. Deshalb könnte dort, wenn die Landesdirektion die Genehmigung erteilt, der neue Steg aufliegen und über dem porösen Gestein schweben. Frühestens 2019 soll der Plan umgesetzt werden.