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Bauantrag für Vietnamesen-Denkmal

Im Technischen Ausschuss geht es am Donnerstag nur um einen Zaun und einen kleinen Pavillon. Dennoch sorgt das Projekt seit Wochen bundesweit für Ärger.

© Sven Görner

Von Sven Görner

Moritzburg. Dienstagabend auf dem Gelände des Moritzburger Diakonenhauses. Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos) hat zum Vor-Ort-Termin eingeladen. Anwesend sind Gemeinderatsmitglieder, der Verwaltungsleiter des Diakonenhauses Jens Knechtel und Vo Van Long, ein Geschäftsmann aus Berlin. Grund des Treffens ist ein Bauantrag, den der Vietnamese gestellt hat.

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Eigentlich nichts Besonderes, wenn der Technische Ausschuss nicht schon vor einem Jahr einen ersten Antrag abgelehnt hätte. Und vor allem, wenn das Vorhaben, um das es geht, sich in der Zwischenzeit nicht zu einem Politikum entwickelt hätte.

Ort des Treffens ist das etwa 1 000 Quadratmeter große Areal, das Ende der 1950er oder Anfang der 1960er-Jahre angelegt wurde. Zur Erinnerung an den Besuch des damaligen vietnamesischen Präsidenten Ho Chi Minh bei den über 150 Mädchen und Jungen aus seinem Land, die in den 50er-Jahren in Moritzburg gelebt und gelernt haben. Bis zum vergangenen Jahr war diese kleine Gedenkstätte fast in Vergessenheit geraten. Außer bei den Kindern von damals, die sich heute in ihrer Heimat noch immer die Moritzburger nennen.

Der 53-jährige Vo Van Long und ein Landsmann pachteten das Gelände für zehn Jahre vom Diakonenhaus und ließen es aus dem Dornröschenschlaf holen. Mauern wurden neu verfugt, Säulen bekamen Abdeckungen, die Wege – auch durch den asiatisch anmutenden Parkteil – sind seit dem wieder sicht- und begehbar. Nur ein 1,80 Meter hoher Zaun durfte nicht gebaut werden. Einen entsprechenden Antrag lehnte der Technische Ausschuss des Moritzburger Gemeinderates im September 2015 ab. Das Bauwerk, das Vandalismus verhindern sollte, passe nicht in die Landschaft, so die Begründung.

Seit dem ist viel geschehen: So wurde gleich nebenan um das neue Asylbewerberheim des Landkreises ein Bauzaun aufgestellt. Und mit dem vom Dresdner CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Lämmel vermittelten Besuch des vietnamesischen Botschafters in Moritzburg bekam das Projekt der Wiederherstellung des Gedenkorts plötzlich eine ganz andere Dimension. Zumal die Botschaft in Berlin auf ihrer Internetseite berichtete, dass dies eine Gedenkstätte für Onkel Ho werden soll und man bei der Einrichtung mit der vollen Unterstützung der Gemeinde rechnen könne.

Was folgte, war ein Proteststurm von aus ihrer Heimat geflüchteter Vietnamesen, die seit Jahren in Deutschland leben. Denn währen Ho Chi Minh in Vietnam offiziell und wohl auch bei vielen Bürgern als Kämpfer für die Unabhängigkeit seines Landes gilt, sehen andere in ihm einen Diktator, der für Millionen Kriegstote verantwortlich ist. Doch auch außerhalb der vietnamesischen Flüchtlings-Gemeinschaft regte sich hier im Land Widerstand.

Und so geht es am Dienstagabend dann doch nicht nur um den neuerlichen Bauantrag. Der sieht vor, dass der Zaun nur noch 1,50 Meter hoch und mit einer Hecke begrünt sein soll. War beim Botschafterbesuch im Mai von einem Nachbau von Ho Chi Minhs Bambushütte en miniature die Rede, so liegen dem Antrag jetzt Abbildungen eines kleinen Baumarkt-Pavillons bei.

In diesem, so erklärt Vo Van Long auf Nachfrage, sollen die von Moritzburgern bereitgestellten Fotos und anderen Zeitzeugnisse des Aufenthalts der vietnamesischen Kinder gezeigt werden. Bereits im Vorjahr war mit dem Diakonenhaus abgesprochen worden, dass die sichergestellte Bronzetafel, die an den Besuch von Ho Chi Minh erinnert, wieder an eine der Säulen angebracht und durch ein erklärendes Schild ergänzt werden soll.

Während das Diakonenhaus mit dem Zaunbau kein Problem zu haben scheint, macht Jens Knechtel deutlich, dass über den Bau des Pavillons der Verwaltungsrat entscheiden müsse. Selbst bei einem Ja der Gemeinderäte. Das gelte auch für die von Vo Van Long gewünschte Änderung des Pachtvertrages auf eine Laufzeit von 25 Jahren. Der Technische Ausschuss berät heute Abend. Einen Antrag an den Verwaltungsrat gibt es noch nicht.