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Bauen wird immer teurer

Die Firmen sind ausgelastet, wenn nicht schon überlastet. Längst werden Bauvorhaben sogar verschoben.

© dpa

Von Dominique Bielmeier

Großenhain/Meißen. Nein, es ist nicht nur eine gefühlte Wahrheit: Die Baukosten steigen tatsächlich unaufhörlich. Das bestätigen aktuelle Zahlen des Statistischen Landesamts Sachsen. Der Neubau eines Wohngebäudes ist demnach im Vergleich zum Vorjahreszeitraum heute um fünf Prozent teurer. Überdurchschnittlich hätten sich unter anderem die Preise für Entwässerungskanalarbeiten (plus 8,7 Prozent) und Verbauarbeiten (plus 7,9 Prozent) entwickelt, im Ausbaugewerk die Dämm- und Brandschutzarbeiten an technischen Anlagen (plus 11,4 Prozent), Gas-, Wasser- und Entwässerungsanlagen (plus 7,8 Prozent) sowie Heiz- und zentrale Wassererwärmungsanlagen (plus 7 Prozent).

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„Seit Jahresbeginn beeinflussen Lohn- und Materialpreiserhöhungen die Entwicklung der sächsischen Bauleistungspreise“, erklärt das Statistische Landesamt zu den Ursachen. „Im Ergebnis stiegen diese im ersten Quartal des Jahres 2018 erneut deutlich an.“

Eine Entwicklung, die im Landkreis Meißen nicht nur private Bauherren zu spüren bekommen. In einer Beschlussvorlage der Stadt Meißen vom vergangenen September schreibt das Bauamt zur abschließenden Teilsanierung der Schule für Lernförderung vom „derzeitigen Trend, dass die Baukosten die ursprünglichen Kostenschätzungen weit übersteigen“. So wurden Tischlerarbeiten 35 000 Euro teurer als erwartet, Dacharbeiten 98 000 Euro und Fassadenarbeiten sogar rund 187 000 Euro.

Die Stadtentwicklungs- und -erneuerungsgesellschaft Meißen (SEEG) kann die Kostensteigerungen in der Baubranche bestätigen, bereits seit drei bis vier Jahren lägen die Preise höher als die Inflationsrate und die Mietsteigerungen. Besonders betroffen seien technische Ausstattungen wie Heizung, Lüftung und Sanitär sowie Elektroarbeiten und Brandschutz. „Diese Mehrkosten gehen im Wesentlichen zulasten unseres Unternehmens und begrenzen somit unsere Instandhaltungs- und Modernisierungsleistungen“, sagt Chefin Birgit Richter. Teilweise müssten Vorhaben deshalb in spätere Jahre verschoben werden. Die niedrigen Zinsen könnten die höheren Baukosten für Modernisierungs- und Neubauvorhaben aber teilweise kompensieren.

Allerdings besteht ein weiteres Problem, das Gerold Mann, Bürgermeister von Klipphausen, auf einer Gemeinderatssitzung bereits Anfang Dezember angesprochen hat: „Die Baufirmen sind so gut ausgelastet, dass sie bei bestimmten Ausschreibungen Abwehrangebote abgegeben, den Auftrag aber trotzdem erhalten haben.“

Kreissprecherin Kerstin Thöns kann Ähnliches berichten: Kritischer und neuer als die höhren Baukosten sei die Tatsache, dass auf eine öffentliche Ausschreibung mitunter kein einziges Angebot eingehe – nicht einmal eines zu höheren Konditionen. „Vor etwa zehn Jahren gab es das Konjunkturpaket eins und zwei, das dem Handwerk mehr Aufträge zusicherte, die damals fehlten“, so Thöns. „Inzwischen hat sich das Blatt gewendet.“

Dafür gebe es eine Reihe von Erklärungen, darunter die Hochwasser der Jahre 2010 und 2013, der Bau von Flüchtlingsunterkünften und Investitionen im Wirtschaftsbereich sowie in der Landwirtschaft. Geplante und notwendige Bauvorhaben im Landkreis habe diese Entwicklung aber noch nicht verzögert. „Es gab dann immer noch eine Lösung“, so die Sprecherin.

Dass die Auftragsbücher mehr als voll sind, kann der Meißner Bauunternehmer Ingolf Brumm bestätigen. Auch er musste schon Aufträge ablehnen. „Aber es ist nicht etwa so, dass wir im Geld schwimmen, überhaupt nicht“, betont Brumm.

Dass seine Arbeiter nun mehr verdienen, freut ihn. „Sie gehen mit 1 600, 1 700 Euro netto nach Hause, das ist eigentlich noch viel zu wenig.“ Was er heute mehr einnimmt, gehe aber nicht nur für Lohnkosten und teureres Material drauf, sondern vor allem für die Entsorgung von Abfällen. „Die Preise bei Styropor und anderen besonderen Materialien haben sich exorbitant erhöht“, sagt Brumm. „Da kostet die Entsorgung oft mehr als der Neukauf und das wird erst jetzt langsam eingepreist.“

Der viel beschworene Bauboom sei übrigens mehr ein gefühlter, weil die Kapazitäten einfach nicht mehr da seien. „Man könnte zehn, 15 Prozent mehr Umsatz machen, aber es gibt einfach keine Fachleute mehr.“ In diesem Jahr müsse er sechs Leute in Rente schicken, habe aber aktuell nur einen Lehrling, der nachwachse. „Das ist ein großes Problem für die Zukunft.“