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Bauern demonstrieren in Berlin

Oberlausitzer Landwirte gehen am Sonnabend für einen besseren Ruf auf die Straße. Aber auch für höhere Erlöse ihrer Produkte.

© Archivfoto: Matthias Weber

Von Steffen Gerhardt

Landkreis. Die Bauern der Oberlausitz kämpfen derzeit an zwei Fronten: Um höhere und damit auskömmliche Erlöse für ihre Produkte zum einen. Zum anderen für eine vorurteilsfreie Betrachtung der modernen Landwirtschaft. „Wir wenden uns damit gegen eine Diffamierung unseres Berufsstandes“, gibt Joachim Häntsch das Anliegen der Großdemo am Sonnabend in Berlin wieder. „Schlagwörter wie ,Massentierhalter’ und ,Agrarindustrie’ erzeugen unklare Feindbilder in der Bevölkerung und stigmatisieren jeden modernen Familienbetrieb“, sagt der Vorsitzenden des Bauernverbandes Oberlausitz. Nicht nur für ihn steht die Teilnahme an der Veranstaltung fest. „Wir fahren mit einem Kleinbus nach Berlin und nehmen unsere Plakate und Transparente mit“, sagt der Landwirt.

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Zusammen mit Bauern aus ganz Deutschland wollen sich die Oberlausitzer am Sonnabend in Berlin Gehör verschaffen. Dazu treffen sie sich von 9.15 bis 11 Uhr auf dem Washington-Platz, direkt am Hauptbahnhof. Dieser Zeitpunkt ist bewusst gewählt. Nicht nur, weil den Tag zuvor in Berlin die Grüne Woche eröffnet wird. Am Sonntag demonstrieren in der Hauptstadt Umweltverbände, Tierschutzorganisationen und die Grünen unter dem Motto „Wir haben es satt“ gegen die heutige Landwirtschaft.

Mit ihrer Gegenaktion „Wir machen euch satt“ gehen die Landwirte für eine vorurteilsfreie Betrachtung der modernen Landwirtschaft auf die Straße und fordern eine sachliche Diskussion. Dazu hat sich eine Initiative aus Landwirten gegründet, die auch diese Demonstration organisiert. Der Oberlausitzer Bauernverband unterstützt sie nicht nur durch seine Teilnahme. Weitere Demonstrationen sind für Ende Februar in Sachsen angekündigt, zitiert Joachim Häntsch den sächsischen Bauernpräsidenten Wolfgang Vogel.

Neben dem Verteidigen ihrer landwirtschaftlichen Werte geht es den Teilnehmern auch darum, keine Unterschiede zwischen großen und kleinen Betrieben sowie ökologischer und konventioneller Landwirtschaft zu machen. Denn alle sind vom Preisverfall betroffen. „Unsere Milchbauern bekommen derzeit rund 26 Cent für den Liter Milch. Bei der Tierproduktion ist es nicht anders. 1,28 Euro wird für ein Kilogramm Schweinefleisch gezahlt“, zählt Joachim Häntsch auf. Um das wirtschaftliche Überleben der Betriebe zu sichern, ist ein Milchpreis von 35 Cent erforderlich und beim Schwein von mindestens 1,50 Euro.

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Dem Oberlausitzer Bauernverband geht es dabei nicht darum, die Preise für die Verbraucher in die Höhe zu treiben, „sondern um eine gerechtere Verteilung der Erlöse“, argumentiert Häntsch. Wird ein landwirtschaftliches Produkt für einen Euro im Laden verkauft, dann bekommt dessen Erzeuger derzeit maximal zehn Cent. „Davon muss der Landwirt Tierfutter kaufen, seine Mitarbeiter bezahlen, die Betriebskosten für den Stall und die Technik tragen und eigentlich Geld zurücklegen für Investitionen“, zählt der Vorsitzende auf. Ist das finanziell nicht zu leisten, dann „setzt sich das leises Sterben der Landwirtschaft fort“, betont Hänsch. Erst werden die Tierbestände reduziert, dann die Beschäftigten entlassen und am Ende schließt der Betrieb ganz. Auch gegen diese Entwicklung wollen die Oberlausitzer Bauern am Sonnabend demonstrieren.

www.wir-machen-euch-satt.de