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Bauern hadern mit dem Mindestlohn

Die Landwirte im Landkreis Görlitz haben sich langsam an die Zahl im Gesetz herangepirscht und zahlen bald mehr. Doch für wie lange?

© Rafael Sampedro

Von Anja Beutler

Landkreis. Eigentlich haben die Landwirte vor rund zwei Jahren nur deshalb in einen Tarifvertrag eingewilligt, um ein bisschen Zeit zu gewinnen. Zeit bei der Einführung des Mindestlohnes in ihren Betrieben. „Schließlich ist es bei uns nicht so wie bei den Friseuren“, skizziert der Geschäftsführer des Oberlausitzer Bauernverbandes, Rainer Peter.

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„Wenn dort die nächste Stufe des Mindestlohnes eintritt, dann werden auch die Haarschnitte teurer. Bei uns geht das eben nicht – wir sind bei Milch, Fleisch und Getreide von Marktpreisen abhängig und können Mehrkosten nicht einfach draufsatteln wie in anderen Branchen.“

Um also ein bisschen Tempo aus der Sache zu nehmen, gilt für alle Landwirtschaftsbetriebe ab Beginn dieses Jahres beispielsweise nicht schon der volle Satz von 8,84 Euro pro Stunde – sondern es werden mit einem Satz von 8,60 Euro insgesamt 24 Cent weniger pro Stunde fällig. So weit, so gut. Mit dem nächsten Schritt, der bereits zum November dieses Jahres ansteht, schießt der Tarifvertrag dann sogar über den gesetzlichen Mindestlohn hinaus: 9,10 Euro stehen allen Mitarbeitern dann mindestens zu.

Allerdings ist dieser bessere Wert nicht von Dauer. Denn im Tarifvertrag ist auch festgelegt, dass schon zwei Monate später, mit Jahresbeginn 2018, der Stundenlohn wieder fällt: „Im Tarifvertrag ist festgeschrieben, dass ab 2018 der gesetzliche Mindestlohn gilt und der liegt dann wieder tiefer bei 8,84 Euro“, erklärt Rainer Peter. Eine unglückliche Fügung findet er.

So sehen das auch die Landwirtschaftsbetriebe selbst, die sich ja entscheiden müssen, ob sie ab 2018 gegebenenfalls mit dem Stundenlohn noch einmal nach unten gehen oder nicht. „Den Stundenlohn wieder abzusenken – das kann man sicherlich schlecht kommunizieren“, wägt Hagen Hartmann, Geschäftsführer der Miku Agrarprodukte GmbH in Oberseifersdorf, die Lage ab. Zwar liegen bei der Miku die meisten Mitarbeiter über dem Mindestlohn. Aber die Saisonkräfte für die Gemüseernte betreffe das sehr wohl, sagt er. Das sieht auch Robert Otto, Vorstand der Eibauer Agrargenossenschaft, so.

Zwar erhielten auch bei den Eibauern die Mitarbeiter mehr als den Mindestlohn. Somit sei bislang alles reibungslos verlaufen. Was Hartmann und Otto eher sorge, sind die Auswirkungen des Mindestlohns auf das Lohngefüge insgesamt. „Natürlich entsteht Unmut, wenn einige regelmäßig eine staatlich angeordnete Lohnerhöhung bekommen“, sagt Hartmann. Da müsse man dann ohnehin handeln, um fair zu sein.