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Bauhoffahrzeuge machen schlapp

Als sie für den Winterdienst gebraucht wurden, fielen beide Fahrzeuge aus. Für die Gemeinde war guter Rat teuer. Es gab nur eine kurzfristige Lösung.

© Claudia Hübschmann

Von Jürgen Müller

Käbschütztal. Sie sind hervorragend auf den Winter vorbereitet. Sagen Städte und Gemeinden Jahr für Jahr. Im vergangenen Winter mussten sie das praktisch nicht unter Beweis stellen. Doch dann wurde doch noch mal kurz Winter: Im März. Schneefall und stürmischer Wind, der zu Verwehungen führte, suchte auch die Gemeinde Käbschütztal heim. Ausgerechnet jetzt, da die Winterdienstfahrzeuge des Bauhofes mal gebraucht wurden, machten sie schlapp. Und zwar beide auf einmal, ein Multicar und ein Unimog. Diagnose: Totalausfall. Beim Unimog war die Bremsleitung defekt, er konnte das gesamte Wochenende nur durch die Handbremse gebremst werden. Beim Multicar traten Elektronikprobleme auf. Er konnte nur in geringem Umfang zum Streuen eingesetzt werden.

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Dass beide Fahrzeuge ausfielen, war wenig überraschend. Der Multicar hat immerhin schon fast 23 Betriebsjahre auf dem Buckel, der Unimog ist etwas jünger. Seit 17 Jahren ist er im Einsatz. Da kann schon mal was kaputtgehen. Es war vieles kaputt an den beiden Winterdienstfahrzeugen. Jeweils 15 000 Euro hätten die Reparaturen laut eines Kostenvoranschlages gekostet, insgesamt also rund 30 000 Euro. So hätten beim Multicar unter anderem das Getriebe, Federn, Reifen, Bremsen, Kupplung erneuert werden müssen. Das Bodenblech der Fahrerkabine und die Abgasanlage waren instandzusetzen. Auch beim Unimog ist die Mängelliste lang: Pritsche, Reifen, hydraulische Leitungen, Hydraulikpumpe, Bremsen erneuern, steht unter anderem auf der Liste.

Als Alternative wurden Angebote für zwei gebrauchte Multicar eingeholt. Die Preise lagen zwischen 56 000 und gut 60 000 Euro. „Da beide Multicar nicht nur alt, sondern auch in einem schlechten Zustand sind, war auch in den Folgemonaten mit weiteren Kosten für Reparaturen zu rechnen“, sagt Maxi Mey aus der Kämmerei. Sie sah deshalb eine Neuanschaffung als sinnvollste Variante an. Eine Firma hatte ein solches Neufahrzeug für 56 565 Euro sofort zur Verfügung. Außerdem bot sie an, die beiden defekten Fahrzeuge der Gemeinde für insgesamt 9 000 Euro in Zahlung zu nehmen.

Allerdings müsse sich die Gemeinde bis 16 Uhr entscheiden, ansonsten werde das Fahrzeug an einen anderen Bewerber verkauft. Bürgermeister Uwe Klingor (CDU) war an jenem Tag zu einer Bürgermeistertagung. Er kam erst um 15 Uhr zurück. Und es gab ein weiteres Problem. Normalerweise muss bei einer solchen Investition der Gemeinderat zustimmen. „Es war natürlich unmöglich, den Gemeinderat innerhalb einer Stunde einzuberufen. Deshalb habe ich eine Eilentscheidung getroffen, dass das Fahrzeug gekauft wird, zumal laut Wetterprognose weitere Niederschläge und Minustemperaturen vorausgesagt waren“, sagt Klingor. Die Firma begann daraufhin sofort mit den Umbauarbeiten am Fahrzeug, sodass es für den Winterdienst genutzt werden konnte.

Zwar ist nicht nur der Bauhof für den Winterdienst in der Gemeinde zuständig, sondern er wird auch durch Landwirtschaftsbetriebe mit deren Technik gewährleistet, diese verfügen jedoch nicht über Anlagen zum Salzstreuen. „Für die Sicherheit unserer Bürger mussten die Straßen aber gestreut werden. Durch nicht geleisteten Winterdienst können nicht nur Schäden für die Gesundheit und das Leben der Bürger entstehen, sondern auch Schadensansprüche. Die Kosten hierfür für die Gemeinde sind nicht absehbar und möglicherweise auch nicht tragbar“, so Maxi Mey. Es sei auch nicht zu verantworten gewesen, die Mitarbeiter des Bauhofes mit defekten Fahrzeugen zum Winterdienst zu schicken. „Es war eine dramatische Situation. Wir können von Glück reden, dass nichts passiert ist“, sagt Frank Müller, der Leiter der Bauverwaltung. Mit dem neuen Multicar könnten jetzt alle Stellen in der Gemeinde erreicht werden, was mit dem Unimog nicht möglich war.