Merken

Bauschäden am „Nudeldampfer“ werden beseitigt

Die Villa Schminke bekommt Unterstützung aus Regensburg und hofft auf Fördergelder für die Sanierung.

Teilen
Folgen
© Matthias Weber

Von Constanze Junghanß

Die Morgensonne wirft kreisrunde Lichtpunkte auf den Fußboden der Terrasse. An genau dieser Stelle mit den Mustern des Himmelsterns machte Charlotte Schminke, Ehefrau des Nudelfabrikanten Fritz Schminke, damals ihre Morgengymnastik. Das erzählt Claudia Muntschick. Die freiberufliche Architektin ist zugleich geschäftsführender Vorstand der Stiftung Haus Schminke. Sie kennt das 1932 bis 1933 von Hans Scharoun errichtete Fabrikantenwohnhaus wie ihre Westentasche.

Und weiß auch, wo es momentan hapert: nämlich unter anderem dort, wo die runden Glaskonstruktionen im Dachbereich das Licht in Punkten werfen. Ein nicht unbeträchtlicher Teil von ihnen ist kaputt und derzeit eher notdürftig geflickt. Dazu kommen diverse andere Bauschäden am Dach und bei der Dämmung. Auch der Originalputz an dem Stahlskelettbau ist stellenweise rissig. Und so gibt es in der Villa Schminke, die zu den bedeutendsten deutschen Architekturschöpfungen zählt, auch Feuchtigkeitsschäden. Die sollen nun konkret analysiert werden. Gewinnen konnte die Stiftung dazu als Partner die Oberbayrische Technische Hochschule Regensburg (OTH) mit Professor Wellitz. „Er ist ein Profi der Bauphysik bei den Bauten der Moderne“, sagt Claudia Muntschick. Nach einem Besuch der Villa mit seinen Studenten im Herbst des vergangenen Jahres bot der Professor Hilfe an. Bereitgestellt werden nun spezielle Messgeräte, die Feuchtigkeit und Temperatur akribisch genau messen werden. Etwa 20 davon sind an den Wänden und im Deckenbereich angebracht worden. Sie sammeln die Daten über einen längeren Zeitraum. „Die Auswertung in Regensburg beginnt dann im Herbst“, so die Dresdnerin. Dafür erstellt die Hochschule auch ein 3D-Modell am Computer.

Die Messungen sind wichtig, sollen sie doch genau aufzeigen, wo sich Schwachstellen befinden. Denn für die Villa, die im Volksmund „Nudeldampfer“ genannt wird, könnten Fördermittel fließen. Zumindest wurden über das Förderprogramm der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) die notwendigen Mittel beantragt. Sie sollen für die Sanierung der Außenhaut, des Dachs und für den Fußboden im Terrassenbereich eingesetzt werden. Ob Gelder tatsächlich fließen, steht aber noch nicht fest. „Wir hoffen im Sommer auf eine Entscheidung aus Berlin“, sagt Claudia Muntschick.

Grundlage für ein weiterführendes Konzept in der Sanierung sind dann die Messergebnisse der Hochschule. Damit kann zum Beispiel ganz genau festgestellt werden, wo und wie gedämmt werden kann, ohne dass bauphysikalische Schäden zu befürchten sind. Ein großer Wunsch der Architektin und aller Freunde der Villa Schminke wäre zudem, dass das Haus mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. 2019 wird immerhin weltweit das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum gefeiert. Wenn bis dahin viele notwendige Arbeiten fertig sein könnten, wäre das ein wichtiger Schritt dafür. Außerdem wurde ein weiteres Förderprogramm angeschoben. Das läuft über die Sächsische Aufbaubank (SAB), Interreg VI. Es handelt sich um ein grenzüberschreitendes Projekt. Die tschechische TU Liberec ist Partner der Stiftung. Und es geht dabei um die Vernetzung von Bauten der Moderne entlang der sächsisch-böhmischen Grenze. Unter anderem ist die Herausgabe eines Reiselesebuchs geplant.