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Bauschutt von Atomkraftwerk kommt nach Sachsen

© dpa/Baldauf

Bis zu 2.000 Tonnen schwach radioaktiven Mülls sollen auf die Deponie Grumbach in der Nähe von Dresden. Die Anwohner protestieren.

Von Stephan Klingbeil und Marco Henkel

Radioaktiven Müll will vermutlich niemand vor seiner Haustür haben. Einwohner des 1.700-Einwohner-Dorfs Grumbach, einem Ortsteil von Wilsdruff, droht jedoch genau das. In der örtlichen Deponie soll in den nächsten Jahren der leicht radioaktive Bauschutt des stillgelegten Atomkraftwerks Stade in Niedersachsen abgelagert werden. Das bestätigten das sächsische Umweltministerium, die Landesdirektion Sachsen und Amand Umwelttechnik, Betreiber der Deponie, auf SZ-Anfrage.

Das Material sei laut Umweltministerium aber nur so geringfügig radioaktiv, dass es ganz normal entsorgt werden kann. Trotzdem mussten sowohl das niedersächsische, als auch das sächsische Umweltministerium vorher ihre Erlaubnis geben. „Der Schutt darf dazu höchstens im Bereich von zehn Mikrosievert Strahlung pro Jahr liegen“, erklärt Frank Meyer, Sprecher des sächsischen Umweltministeriums. Dann gilt das Material als „freigemessen“.

„Zum Vergleich: Die natürliche Strahlenexposition betrug im Jahr 2012 in Deutschland 2,1 Millisievert – also mehr als 200-mal so viel. Von diesen Stoffen geht keine Gefahr für die Grumbacher und für die Umwelt aus.“

Die Interessengemeinschaft „Keine Deponie am Tharandter Wald“ bleibt trotzdem skeptisch: „Andernorts will man das Material nicht, und dann karren sie es hierher“, beschwert sich Mitglied Ulrich Klein. Er verweist dabei auf die Deponie Schneverdingen-Hillern im niedersächsischen Heidekreis, die seit 2011 keinen Bauschutt des Kernkraftwerks Stade mehr annimmt, nachdem Anwohner und Politiker des Luftkurorts dagegen mobilgemacht hatten.

Für Amand Umwelttechnik ist die Strahlenbelastung kein Grund, die Entsorgung des Schutts zu verweigern. Die Ablehnung anderer Deponiebetreiber sei zwar ehrenwert, aber „es kann nicht jeder nach dem Sankt-Florians-Prinzip handeln“, heißt es in einem Brief an die Interessengemeinschaft. Die Stadt Wilsdruff oder der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge haben dagegen keinerlei Handhabe gegen die Lagerung. „Wenn eine Deponie erst einmal da ist, dürfen dort alle Abfälle gelagert werden, für die sie freigegeben ist“, erklärt Ministeriumssprecher Frank Meyer.

Ohnehin sei es laut Meyer nicht das erste Mal, dass AKW-Bauschutt in Sachsen abgelagert wird. Auch Reste des AKW Würgassen (Nordrhein-Westfalen) seien bereits auf den sächsischen Deponien in Wetro oder Cröbern entsorgt worden. Auch in Grumbach liegen bereits 283 Tonnen freigemessener radioaktiver Bauschutt – aber der ist immerhin landeseigen. Er stammt vom Abriss des Forschungsreaktors in Rossendorf.