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Baustart auf einstiger Hechtgrün-Brache

Am Bischofsplatz werden zwei Neubauten mit Wohnungen und Gewerbe errichtet. Auch für die Freiflächen gibt es Pläne.

© Sven Ellger

Von Sarah Herrmann

Living Corner, lebendige Ecke. So nennt sich die Projektgesellschaft, die zwischen Hecht- und Rudolph-Leonhard-Straße einen Neubau errichten will. Die Ecke am Bischofsplatz sei nun einmal belebt – mit S-Bahn, Autos, Fußgängern, Radfahrern, sagt Thomas Stern. Er ist Vorstand der Meiag Sächsischen Immobilien GmbH, zu welcher die Tochterfirma Living Corner gehört. Im November soll der Bau beginnen.

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„Wir haben bereits seit Längerem eine Baugenehmigung. Die haben wir von dem Vorbesitzer übernommen“, sagt Stern. Allerdings habe das Unternehmen Änderungen an den Plänen vorgenommen, die noch von der Stadt abgesegnet werden müssen. „Wir rechnen noch Ende des Monats mit einem Bescheid und würden dann im November mit den Arbeiten beginnen.“ Rund 15 Monate sind bis zur Fertigstellung angepeilt, sodass die künftigen Mieter frühestens Anfang 2019 einziehen könnten.

Familien, Studenten, Senioren – auf eine bestimmte Klientel hat sich die Living Corner GmbH nicht festgelegt. Entsprechend entsteht ein Mix aus Ein- bis Drei-raumwohnungen. Auch ein Apartment mit vier Zimmern ist dabei. Insgesamt sind 41 Wohnungen geplant. Teilweise sind sie altersgerecht ausgebaut. Zwischen neun und zehn Euro Kaltmiete pro Quadratmeter müssen die künftigen Mieter bezahlen. Dass die Vermietung wegen der Geräuschkulisse durch die angrenzende S-Bahn-Station, die viel befahrene Hauptstraße und das Partyvolk am Wochenende schwer werden könnte, glaubt Stern nicht.

„Wo es uns möglich war, haben wir die Schlafzimmer nach hinten gelegt“, erklärt der Vorstand. Außerdem müsse das Unternehmen neben einem Schallschutz- auch ein Geräuschpegelgutachten vorlegen. Entsprechend würden die geltenden Normen für Wohnbebauung eingehalten werden. „Ich denke, dass – anders als vielleicht in Striesen und Blasewitz – der Lärm nicht viel zur Wohnentscheidung beitragen wird“, so Stern. „Stattdessen wird die zentrale Lage zählen.“ Auch ohne Auto sind die künftigen Bewohner gut angebunden. Dennoch wird es eine Tiefgarage mit 16 Stellplätzen geben. Das Erdgeschoss des Neubaus soll Gewerbetreibenden vorbehalten sein. Ob eine oder zwei Flächen entstehen, sei noch nicht klar. Das werde mit Interessenten beschlossen. Für sie sei die belebte Lage sogar von Vorteil. Schließlich gebe es an der Ecke genügend Laufkundschaft. Zwischen 6,5 und 7 Millionen Euro investiert das Unternehmen. Dabei sind die Pläne im Stadtteil nicht ganz unumstritten.

Bisher befand sich dort der Gemeinschaftsgarten Hechtgrün. Kritiker werfen den Eigentümern vor, diesen verdrängt zu haben. Die Gärtner sehen die Sache locker. Ihnen sei von Beginn an gesagt worden, dass sie die Fläche nur befristet nutzen können. Der Umzug war absehbar. Das Hechtgrün hat nur wenige Hunderte Meter entfernt ein neues Domizil gefunden. Der bekannte Hechtgrün-Schriftzug, der bislang auf der Brache stand, soll einen neuen Platz am Bischofsplatz bekommen. Die Stadt möchte diese Idee in ihre Pläne zur Sanierung des Bischofswegs aufnehmen.

Die gibt es bereits seit Langem. So soll das Kopfsteinpflaster einer glatten Asphaltdecke weichen. Die Straßenbahnhaltestelle wird in Richtung Hansastraße verlegt und der Platz vor dem S-Bahn-Haltepunkt umgestaltet. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Dresden hat außerdem mit einer Petition dafür gesorgt, dass der Bischofsweg separate Radwege erhält. Allein in diesem Jahr hatte es zwei schwere Unfälle mit Radfahrern gegeben. Wann die Pläne der Stadt umgesetzt werden, ist allerdings noch völlig offen. Denn sie sind an die Sanierung der Königsbrücker Straße gebunden, welche 2019 beginnen soll.

Deutlich näher liegt der Baustart zwischen Conrad- und Fritz-Reuter-Straße. Hier sollen noch in diesem Jahr die Arbeiten für einen Neubau mit 48 Mietwohnungen und einer Ladenzeile im Erdgeschoss beginnen. Zwischen ein und drei Gewerbeflächen sollen dort entstehen. Der Investor, die Magdeburger AOC Immobilien AG, plant die Fertigstellung des Siebengeschossers bis Anfang 2019. So sollen im Laufe des kommenden Jahres fast 100 neue Wohnungen am Bischofsplatz entstehen. Mit der geplanten Umgestaltung durch die Stadt dürfte das Areal im Hechtviertel ein vollkommen neues Gesicht bekommen.