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Baustart für Dinglingerhaus

Ein Nachfahre des berühmten Goldschmieds ist Gast der Grundsteinlegung am Neumarkt. Doch Probleme bleiben.

© Norbert Millauer

Von Bettina Klemm

Noch erfreuen sich beide am Modell. In einem reichlichen Jahr soll der Jüdenhof am Neumarkt vollendet sein. Bauherr Michael Kimmerle errichtet mit dem barocken Eckgebäude auch wieder originalgetreu das ehemalige Wohnhaus von Goldschmied Georg Christoph Dinglinger.

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Für Raimund Dinglinger ist es beeindruckend, die historischen Sandsteine des Kellergeschosses zu berühren. Sein Onkel, acht Generationen vor ihm, wohnte einst in jenem Haus. Der 44-jährige Unternehmer Raimund Dinglinger lebt seit 1993 in Radebeul. Zur gestrigen Grundsteinlegung hat er eine der insgesamt sechs Kupferkassetten gefüllt. Sie wurden in die Wand des Kellergewölbes versenkt.

August der Starke hatte einst den Goldschmied Johann Melchior Dinglinger aus Biberach bei Ulm an seinen Hof geholt. Diesem wiederum folgten seine Brüder Georg Friedrich und Georg Christoph Dinglinger. Ersterer ist der Vorfahre von Raimund Dinglinger, Letzterer hatte sein Wohnhaus am Jüdenhof. Alle drei betrieben am Dresdner Hof seinerzeit die bedeutendste Goldschmiede-Werkstatt Europas. Ihre Arbeiten wie der „Hofstaat zu Delhi“ sind im Grünen Gewölbe ausgestellt. Noch überlegen Kimmerle und Dinglinger, wie sie am Neubau an die Geschichte erinnern.

Mit Michael habe er einen verrückten Sohn, der am Neumarkt einen Narren gefressen hat, gestand Firmengründer Rudolf Kimmerle. Vor 25 Jahren war er aus dem bayerischen Dillingen nach Dresden gekommen und hat vor allem die Gompitzer Höhe bebaut. Nun setzt sein Sohn die Geschäfte in Sachsen fort. Zur Grundsteinlegung war nicht nur die gesamte Familie angereist, sondern auch noch der heimatliche Pfarrer Thomas Maria Rimmel, ein Nachfahre des berühmten Pfarrers Sebastian Anton Kneipp aus Bad Wörishofen. Gemeinsam mit den Pfarrern der Frauen- und der Hofkirche segnete er das Bauvorhaben.

Finanziert werden die 19 Wohnungen, das Hotel sowie Läden und zwei kleine Büros von vier Sparkassen aus Bayern und Baden-Württemberg. Unterstützung, woher auch immer, hat Michael Kimmerle nötig. Er steckt voller Elan, fühlt sich aber von der Stadt Dresden und Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) bitter enttäuscht. Dabei geht es um den Lärmschutz, der durch den nächtlichen Abtransport von Technik nach Konzerten im Kulturpalast entsteht. Kimmerle, der das Ensemble im eigenen Besitz behalten will, hat Kompromisse vorgeschlagen. „In anderen Städten geht es doch auch“, sagt er. Nur nicht in Dresden. Er soll Fenster einbauen, die nicht oder nur in Notfällen zu öffnen sind. Damit wird das gesamte Wohn- und Geschäftsquartier beeinträchtigt. Während Kimmerle gestern den Baubürgermeister nicht einmal eingeladen hat, erhofft er sich Unterstützung von Innenminister Markus Ulbig (CDU). Dieser würdigte in seiner Begrüßung das Bauprojekt. Ohne den Streit um die sogenannte Festverglasung direkt zu erwähnen, sprach er von Politik mit Augenmaß und forderte Flexibilität, wenn Dresden seinem Anspruch als eine Stadt von Welt gerecht werden wolle.

Von den Lärmschutzproblemen sind auch die Bauherren der Gebäudeensemble links und rechts vom Jüdenhof betroffen. Auch sie kämpfen um eine vertretbare Lösung, um den Neumarkt zu vollenden.

Die Pläne für den Aufbau des Jüdenhofs stammen von dem Dresdner Unternehmen Ipro Consult. Sie sehen auch vor, die Fassaden des Trierschen Hauses nach historischem Vorbild zu schaffen. Für die Front zum Kulturpalast hat es einen Wettbewerb gegeben. Nun wird nach den Entwürfen des Dresdner Büros Stellwerk-Architekten gebaut. Das Restaurant Vapiano servierte den Gästen ein mediterranes Menü. Vapiano freue sich schon jetzt, die Gäste im Jüdenhof begrüßen zu können. Dann wird die Restaurantkette auch die Originalkeller vom Dinglingerhaus nutzen.