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Baustart für neuen Aldi

Der Discount-Riese errichtet ab Montag einen Supermarkt an der Rudolf-Renner-Straße in Pirna. Das Projekt ist umstritten.

© Archiv: Daniel Schäfer

Pirna. Das Grundstück Rudolf-Renner-Straße 41 a, direkt gelegen an der Zufahrt zum Herder-Gymnasium, war lange Zeit eines jener Anwesen, die so typisch sind für dieses Fleckchen Copitz. Es war bebaut mit einem zweistöckigen Wohngebäude, daneben stand die Werkstatt von Tischlermeister Jens Füssel, es gab große alte Bäume und Wiese. Nichts von all dem ist geblieben, das Areal liegt platt da wie eine Flunder, auf der braungrauen Ödnis entsteht in Kürze ein neuer Aldi-Supermarkt. Das Projekt ist heftig umstritten, bis zuletzt haben Anwohner versucht, das Vorhaben zu verhindern. Die SZ fasst den aktuellen Stand zusammen.

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Die wichtigsten Fragen um den Aldi-Bau

Wann beginnt der Bau des neuen Aldi-Marktes?
Nach Auskunft des Bauunternehmens Otto Quast aus Radeburg, das Aldi mit dem Bau des neuen Marktes beauftragt hat, beginnen die Arbeiten am 5. Februar. Diesen Termin hat die Firma in einem kurzen Schreiben vor einigen Tagen den Anliegern mitgeteilt. Das gesamte Objekt soll im August dieses Jahres fertiggestellt werden. Laut der Firma könne es aufgrund der Arbeiten zu erhöhter Lärmbelastung kommen. Die Arbeiter seien aber bemüht, diese auf ein Minimum zu reduzieren und den Bau schnellstmöglich abzuschließen.

Wie groß soll der neue Supermarkt werden?
Das Supermarkt-Gebäude umfasst eine Fläche von 1000 Quadratmetern, die reine Verkaufsfläche soll 799 Quadratmeter groß sein. Ringsum ist ein Parkplatz mit 64 Stellplätzen geplant. Ein- und Ausfahrten gibt es sowohl zur großen Rennerstraße als auch zu der Stichstraße, die zum Gymnasium führt. Mit dem Neubau verlagert Aldi seinen bisherigen Standort von der Radeberger Straße hierher. Die Entfernung beträgt 700 Meter. Der Markt an der Radeberger Straße ist für den Discounter längst nicht mehr lukrativ. Seit die Strecke vor dem Markt nicht mehr zur Staatsstraße 177 führt, hat der Durchgangsverkehr erheblich abgenommen.

Warum darf Aldi an der Rennerstraße überhaupt bauen?
Normalerweise dürfte Aldi einen Markt in dieser Größenordnung an der Rennerstraße nicht bauen. Zentrenrelevante Einzelhandelsbetriebe sind in diesem Gebiet nicht erlaubt. So ist es im Pirnaer „Zentren- und Einzelhandelskonzept“ verankert, das der Stadtrat vor mehreren Jahren beschloss. Allerdings gibt es Ausnahmen. Sofern der Markt der Nahversorgung dient und die Grenze zur Großflächigkeit nicht überschreitet, die bei einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern beginnt, kann ein solches Vorhaben doch gestattet werden. Pirna bejahte die Nahversorgung, Aldi hatte die Verkaufsfläche auf 799 Quadratmeter beschränkt – der Stadtrat stimmte 2015 schließlich der Ausnahmeregelung zu.

Aus welchen Gründen kritisieren Anlieger das Vorhaben?
Anwohner sowie der Elternrat und die Schulleitung des Herder-Gymnasiums lehnen den Markt ab – aus mehreren Gründen. So ist für viele Anwohner die Ausnahmeregelung Unfug, aus ihrer Sicht sei der Markt-Neubau nach wie vor unzulässig, daran ändere auch die reduzierte Verkaufsfläche nicht. Zudem könne Aldi mit ein paar Tricks die Verkaufsfläche im Innern leicht vergrößern.

Auch hadern die Gegner mit dem Erscheinungsbild des Supermarktes, der sich ihrer Ansicht nach nicht in die Umgebung einfügt, sondern diese empfindlich stört, zumal auch der sonst an der Rennerstraße übliche Grünstreifen zwischen Straße und Bebauung fehlt. Viele können nicht nachvollziehen, warum in dem Gebiet ein weiterer Lebensmittelmarkt überhaupt nötig sein soll. In der näheren Umgebung gibt es einen Lidl- und einen Rewe-Markt sowie zwei Netto-Märkte. Darüber hinaus befürchten Anwohner eine erhebliche Verkehrsbelastung durch den künftigen Anliefer- und Kundenverkehr. Und sie haben Sorge, dass Klimaanlagen, Müllerzerkleinerer und Kühlaggregate Lärm verursachen. Elternrat und Schulleitung fürchten unterdessen um die Sicherheit der Gymnasiasten, weil zu den Hauptzeiten der Schülerströme – morgens und nachmittags – der Schülerverkehr mit dem Anliefer- und Kundenverkehr des Markts kollidiert.

Haben Behörden die Bearbeitung von Widersprüchen verzögert?
Viele Anwohner legten Widerspruch gegen die Baugenehmigung für Aldi ein. Pirna half den Widersprüchen nicht ab, so verlagerten sich die Verfahren zur nächsthöheren zuständigen Behörde – in diesem Fall zur Landesdirektion Sachsen in Chemnitz. Weil das Verfahren ab dieser Stufe Geld kostet, zogen viele ihre Widersprüche zurück, Wolfgang Hempel aber erhielt seinen aufrecht. Allerdings, sagt Hempel, seien seine Bedenken gegen das Bauvorhaben überhaupt nicht beantwortet worden, stattdessen begann 2017 die Bauvorbereitung. Hempels Widerspruch vom Juli 2016 – schon gegen den Bauvorbescheid – blieb bis heute unbearbeitet.

Erst auf Nachfrage seiner Anwälte räumte das Pirnaer Rathaus ein, dass die Recherche, wann der Widerspruch-Vorgang an die Landesdirektion abgegeben wurde, erfolglos war. Man lege den Vorgang nun nochmals vor. Das war im Dezember 2017. „So wie das gelaufen ist“, sagt Hempel, „glaube ich nicht mehr an einen Zufall.“

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