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Baustart fürs Hospiz

In Bischofswerda werden die Nebengebäude der historischen Fronfeste eingerüstet. In wenigen Tagen beginnt der Abbruch, um Neues zu schaffen.

Von Ingolf Reinsch
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Mitarbeiter des Gerüstbau Hein aus Goldbach haben begonnen, das Gerüst zu stellen. Von dem Haus an der Dresdner Straße bleibt nur die Fassade stehen. Das Gebäude dahinter wird abgebrochen.
Mitarbeiter des Gerüstbau Hein aus Goldbach haben begonnen, das Gerüst zu stellen. Von dem Haus an der Dresdner Straße bleibt nur die Fassade stehen. Das Gebäude dahinter wird abgebrochen. © Steffen Unger

Bischofswerda. An der Fronfeste, dem ältesten erhaltenen Gebäude von Bischofswerda, haben die vorbereitenden Arbeiten für den Bau eines Hospizes begonnen. Der Goldbacher Spezialgerüstbau Hein rüstet seit Donnerstag die Fassade des Nachbarhauses an der Dresdener Straße ein. Sie bleibt – wie auch die Fassade des Nachbarhauses an der Straße Am Hof – stehen, während dahinter alles abgebrochen wird. Erhalten bleibt natürlich auch der Turm der Fronfeste. Er wird – wie auch die beiden Hausfassaden – in den Neubau integriert. Bereits in den vergangenen Tagen wurden die Medien – Wasser, Strom und Gas – abgetrennt, sagte Architekt Daniel Neuer aus Berthelsdorf bei Herrnhut. Sein Büro erarbeitete im Auftrag der gemeinnützigen Gesellschaft Christliches Hospiz Ostsachsen die Baupläne.

Bauherr und Architekt veranschlagen etwa ein Jahr Bauzeit, um das Hospiz mit zwölf Plätzen für sterbende und unheilbar kranke Menschen zu errichten. Der Abbruch wird voraussichtlich vier bis sechs Wochen dauern, wobei Unvorhergesehenes nicht ausgeschlossen werden kann. Denn die seit Jahren unbewohnten Gebäude sind stark vermüllt. Das auf Abbrucharbeiten spezialisierte Unternehmen Köhler und Sohn aus Markersdorf bei Görlitz erhielt den Auftrag. Historisch wertvolle Bauteile, zum Beispiel Türen und Granitplatten, werden gesichert und für den Neubau wiederverwendet. „Mit großem Aufwand sichern wir die historische Substanz, um sie zu erhalten“, sagt Daniel Neuer.

Gleichzeitig läuft das Ausschreibungsverfahren für die Gründungsarbeiten. Kommende Woche ist Submission, also das Ende der Abgabefrist für Angebote. Diese Arbeiten sind äußerst anspruchsvoll, denn – so der Architekt – „wir haben hier einen sehr komplizierten Baugrund“. Das Gebäude wird auf Pfählen gegründet. Reichlich 30 Pfähle mit einem Durchmesser von 1,20 Metern müssen dafür bis zu 18 Meter tief in die Erde gesetzt werden. Allgemein gestiegene Baukosten wurden eingeplant. „Mit den bisherigen Ausschreibungsergebnissen liegen wir im Kostenrahmen“, sagt Daniel Neuer. Die Gesellschaft Christliches Hospiz Ostsachsen rechnet mit Baukosten von rund fünf Millionen Euro.

Zukunft fürs älteste Haus der Stadt

Viele in Bischofswerda schauen seit Wochen hin, wann sich an der Fronfeste etwas tut. „Ich freue mich, dass es jetzt losgeht“, sagte am Donnerstagnachmittag Karin Reinholz. Sie wohnt gleich in der Nachbarschaft. Mit der Millionen-Investition bekommt nicht nur das älteste Haus der Stadt wieder eine Zukunft. Ein Schandfleck wird beseitigt, das Stadtbild deutlich aufgewertet. In seiner Höhe sowie bei der Fassaden-, Dach- und Fenstergestaltung wird sich der Neubau gut in die denkmalgeschützte Altstadt einfügen. Der Turm der Fronfeste wird sensibel saniert. Sein Kellerraum bleibt bestehen und könnte später vielleicht einmal für Führungen genutzt werden. In den Stockwerken darüber werden das Schwesternzimmer und unterm Dach ein Raum der Stille eingerichtet. Generell wird das stationäre Hospiz ein offenes Haus sein, in dem auch der ambulante Hospizdienst untergebracht wird.

Nach dem Herrnhuter ist das Hospiz in Bischofswerda das zweite in Sachsen östlich von Dresden. Es wird allen Menschen offen stehen, unabhängig von Alter, Konfession und Nationalität. Die Unterbringung und Betreuung ist für die Betreffenden und ihre Familien kostenfrei. Die Kosten tragen zu 95 Prozent die Krankenkassen, fünf Prozent übernimmt der Träger, der dafür auch auf Spenden angewiesen ist.