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Baustelle im Zentrum

Jannik Müller bricht sich den Knöchel und fällt bis Saisonende aus – Dynamo gerät dadurch in eine personelle Notlage.

© Robert Michael

Von Sven Geisler

Dresden. Abrupter Themenwechsel. Zuletzt wurde bei Dynamo über schwierige Entscheidungen und Härtefälle diskutiert. Jetzt gibt es plötzlich einen personellen Engpass an einer sehr sensiblen Stelle: Jannik Müller hat sich beim Spiel in Braunschweig den rechten Innenknöchel gebrochen und fällt für den Rest der Saison aus. Das ist die bittere Erkenntnis nach der Untersuchung am Montagabend und für die Dresdner ein echtes Problem: Baustelle Abwehrzentrum. Dort fehlt seit dem achten Spieltag bereits mit Sören Gonther ein erfahrener Mann, der Stabilität geben sollte.

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Schon im Herbst gab es für die zwei Plätze nur noch zwei ernsthafte Kandidaten, und Dynamo konnte von Glück reden, dass Florian Ballas und eben Müller bis zur Winterpause ohne Verletzungen und Sperren durchgekommen sind. Trainer Uwe Neuhaus sprach hinterher von einem Tanz auf der Rasierklinge. Mit Winter-Neuzugang Marcel Franke, der von Norwich City ausgeliehen ist, reagierte der Verein – und steckt durch Müllers Verletzung doch wieder in der gleichen Notlage.

Die Diagnose, wird Neuhaus in der Pressemitteilung des Vereins zitiert, sei „für Jannik und für uns sehr schmerzhaft“. Und der Chefcoach hadert: „In einer entscheidenden Phase fällt mit ihm erneut ein Leistungsträger aus, auf einer Position, auf der wir verletzungsbedingt schon geschwächt sind.“ Dabei war zuletzt oft von der Qual der Wahl die Rede, weil außer Gonther alle Spieler einsatzbereit waren. Diese Situation kannte Neuhaus in dieser Saison vorher nicht. Das Unheil begann gleich am ersten Spieltag, als sich Pascal Testroet einen Kreuzbandriss zuzog. Der Stürmer hat inzwischen sein Comeback gegeben, sodass es für den einen Platz in der Spitze nun tatsächlich vier Bewerber gibt.

Weil aber keiner von ihnen – außer bei gegnerischen Standards – hinten aushelfen könnte, bringt das im konkreten Fall nicht wirklich etwas. Auf die Fragen nach dem vermeintlichen Überangebot im Kader hatte Neuhaus geantwortet: „Ich wünsche mir trotzdem nicht, dass sich einer verletzt oder gesperrt ist. Das macht keinen Sinn.“ Wenn er sich aber hätte aussuchen können, in welchem Mannschaftsteil ein Spieler ausfällt, hätte er mit Sicherheit nicht die Innenverteidigung gewählt. Dort könnten zwar auch Manuel Konrad und Marco Hartmann spielen, wären aber eher Notlösungen. Außerdem wird gerade Hartmann als Abräumer, Antreiber und Aufbauhelfer vor der eigenen Abwehr gebraucht.

Für den erst 17 Jahre alten Kevin Ehlers, der im Trainingslager in Spanien bei den Profis „reinschnuppern“ durfte, käme ein Einsatz in der 2. Bundesliga genauso zu früh wie für den ein Jahr älteren Toni Stelzer, der zuletzt beim Test in Prag eine Halbzeit spielen durfte. Man habe schon gesehen, dass noch einiges fehlt und reichlich Arbeit vor den Jungs aus dem eigenen Nachwuchs liegt, sagte Neuhaus. Noah Awassi, 20, hatte den Sprung nicht geschafft und wechselte im Winter zum Regionalligisten Union Fürstenwalde.

Für Dynamo beginnt jetzt wieder das Zittern und Bangen, den beiden Verbliebenen möge nichts passieren. Gut zu wissen ist schon mal: Eine Gelbsperre droht vorerst weder Ballas (sechs Verwarnungen) noch Franke (eine). Aber gerade jetzt, wenn es im Abstiegskampf noch mal richtig zur Sache geht, dürfen sie auch in den Zweikämpfen kein Risiko scheuen. Die Verletzungsgefahr ist allgegenwärtig, oft reicht eine unglückliche Aktion wie bei Müller. Für ihn war die Szene in der 23. Minute gleich doppelt schmerzhaft: den Ausgleich nicht verhindert und den Fuß gebrochen.

„Es tut sehr weh, dass ich der Mannschaft in den verbleibenden Spielen nicht mehr helfen kann“, lässt der Pechvogel ausrichten – und schickt trotz seiner Situation aufmunternde Worte hinterher: „Ich bin mir aber sicher, dass die Jungs alles daran setzen werden, meinen Ausfall zu kompensieren und unser gemeinsames Ziel zu erreichen.“ Für den 24-Jährigen persönlich ist es natürlich besonders bitter, zumal er in dieser Saison endgültig zu einem Stammspieler aufgestiegen ist und sich – als Neuhaus das Abwehrzentrum mit Ballas und Franke besetzte – rechts in der Viererkette beweisen durfte.

Diesen Platz bekam nun Niklas Kreuzer zurück, der wegen einer Steißbeinprellung jedoch wie auch Haris Duljevic (Mittelfußprellung) die Woche mit individuellem Training beginnen musste. Was Dynamo für die fünf ausstehenden Spiele bis Mitte Mai auf keinen Fall braucht, sind weitere Ausfälle.