merken

Bauteile aus der Neugersdorfer Börse

Claus-Peter Krätz saniert ein Umgebindehaus – originalgetreu und nutzt Geborgenes. Davon hätte er gern noch mehr.

© Matthias Weber

Von Gabriela Lachnit

Obercunnersdorf. Zwei Winterfenster wird Claus-Peter Krätz in diesen Tagen außen vor die Fenster im Erdgeschoss setzen. „Leider hab ich nur diese zwei“, bedauert der 67-Jährige. Der Berliner saniert in Obercunnersdorf ein Umgebindehaus, das er am Jahresanfang gekauft hat. Dafür nutzt er sehr gern Teile aus der Bauteilebörse. Sie ist eine Einrichtung der Stadt Ebersbach-Neugersdorf, die sie gemeinsam mit der Stiftung Umgebindehaus führt. In der Bauteilebörse werden Bauteile eingelagert, die aus abgebrochenen Umgebindehäusern geborgen worden sind und die bei der Sanierung von Gebäuden verwendet werden können. Bauherren, die zum Beispiel Balken, Fenster, Fliesen, Türen oder andere Sachen verwenden möchten, können sich in der Bauteilebörse umschauen. Dafür ist lediglich eine Terminvereinbarung in der Stiftung Umgebindehaus erforderlich. Die Bauteile werden gegen eine Spende abgegeben.

Anzeige
Ausbildungsplätze vorgestellt!
Ausbildungsplätze vorgestellt!

Jetzt schnell noch einen Ausbildungsplatz sichern! Diese Top Unternehmen der Region bieten noch freie Ausbildungsplätze für das Jahr 2020.

Die Fenster sowie die bunten Fliesen hat er in der Bauteilebörse von Ebersbach-Neugersdorf gefunden
Die Fenster sowie die bunten Fliesen hat er in der Bauteilebörse von Ebersbach-Neugersdorf gefunden © Matthias Weber

Claus-Peter Krätz fährt öfter nach Neugersdorf in die Börse und ist auf der Suche nach Baumaterial. Neben den beiden Winterfenstern kann er nun mehrere Dutzend schwarzer Fliesen und etliche blau-gelbe Ornamentfliesen nutzen. Außerdem hat er in der Börse Biberschwänze gefunden, mit denen er das Dach ausbessern kann. Mit Schieferplatten aus der Börse kann er die Fassade reparieren, denn Wind und Wetter hatten etliche Schiefertafeln beschädigt oder herausgerissen.

Seit zwei Jahren ist Claus-Peter Krätz Rentner. Jetzt hat er Zeit. Mit dem Renteneintritt war er sicher, dass er im Alter nicht rumsitzen wolle, betont er. Sein bäuerliches Blut, das in ihm fließe, sei schuld daran, dass er einen Drang verspüre, zu den Wurzeln zurückzukehren, meint Krätz. Er besann sich darauf, dass er sich beim Filmen in der Oberlausitz immer sehr wohlgefühlt habe. Als Kameramann beim DDR-Fernsehen war er häufig in der Region unterwegs. Das Oberland mit seinen Umgebindehäuschen habe es ihm besonders angetan, sagt Krätz. „Die Landschaft ist einmalig, hier gibt es so viel zu entdecken, und mit den Leuten komme ich gut zurecht“, sagt Krätz, der Großstädter. Seit vielen Jahren lebt er in Berlin. Jetzt, im Ruhestand, will er sich einen Traum erfüllen, indem er ein Umgebindehaus saniert und zum Wohnen zumindest im Sommer herrichtet. Ein Freund, ebenfalls ein Berliner, habe ihn dazu animiert, erzählt der ehemalige Kameramann. „Er hat in Obercunnersdorf nur drei Häuser weiter ein Umgebindehaus saniert und mich auf das Objekt in der Hauptstraße 133 aufmerksam gemacht.“ Mit leuchtenden Augen hatte Claus-Peter Krätz das Gebäude erkundet, bevor er es erworben hatte. „Das Haus stammt von 1831 und ist überhaupt nicht verbaut“, erzählt er. Das habe den Ausschlag für den Hauskauf gegeben. Die alten Türen von damals sind noch vorhanden, ein alter Kachelofen spendete jetzt in den ersten kühlen Tagen wohlige Wärme. Nach und nach saniert Claus-Peter Krätz das Haus. „Das wird keine Luxussanierung“, betont er. Das Haus sehe von außen übrigens schlimmer sanierungsbedürftig aus, als es tatsächlich ist. Wohlwollend nehmen die Leute zur Kenntnis, dass sich etwas tut am Haus, betont der Kameramann mit handwerklichem Geschick. Meist werkelt er allein, manchmal helfen Freunde oder Handwerker. Bis zum Sommer des nächsten Jahres will Claus-Peter Krätz soweit fertig sein, dass er zeitweise in Obercunnersdorf wohnen und von hier aus mit seiner Frau auf Entdeckungstour in die Umgebung gehen kann. „Manche Menschen sehen nur die viele Arbeit, die ich mir vorgenommen habe“, erzählt der 67-Jährige und gibt zu bedenken: „Sie sehen aber nicht, dass es angenehm ist, hier zu sein. Sie sehen nicht, wie erholsam es ist, einfach nur in der Stube zu sitzen, wenn die Sonne zu zwei Seiten des Hauses hereinscheint. Das ist wahrer Genuss.“ Jede Fahrt von Berlin nach Obercunnersdorf zu seinem Umgebindehaus sieht er als einen Kurzurlaub an. „Manchmal gehe ich nach getaner Arbeit im Haus einfach los, setze mich auf eine Bank am Feldrain und genieße den Blick über den Ort. Das ist total entspannend.“

Terminvereinbarung für die Bauteilebörse unter 03586-3695815