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Bautzen: Rücktrittsforderung an Reiprich

Für den Förderverein der Gedenkstätte Bautzen ist der Stiftungs-Geschäftsführer nicht mehr tragbar. Anlass sind dessen Äußerungen auf Twitter.

Blick aus einem vergitterten Fenster der Gedenkstätte Bautzen.
Blick aus einem vergitterten Fenster der Gedenkstätte Bautzen. © Steffen Unger

Bautzen. Der Förderverein der Gedenkstätte Bautzen fordert den sofortigen Rücktritt des Geschäftsführers der Stiftung Sächsische Gedenkstätten Siegfried Reiprich. Dieser sei als Leiter der Institution, die in Sachsen für ein würdiges Gedenken an die Diktaturen in Deutschland zuständig ist, endgültig nicht mehr tragbar, sagt der Vorsitzendes des Vereins, der Historiker Manfred Wilke. Die Stiftung ist Träger der Gedenkstätte im ehemaligen Bautzener Stasi-Knast.

Anlass für die Rücktrittsforderung sind Äußerungen von Reiprich auf Twitter. Der 65-Jährige hatte dort ein angebliches Zitat des verstorbenen TV-Journalisten Peter Scholl-Latour verbreitet, wonach die „Weißen“ in Gefahr seien zu einer „bedrohten Minderheit“ zu werden. Mit Blick auf die Krawalle in Stuttgart stellte Reiprich die Frage: „War da nun eine Bundeskristallnacht oder ,nur‘ ein südwestdeutsches Scherbennächtle?“

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Mittlerweile hat sich der Stiftungs-Geschäftsführer für diese Äußerungen entschuldigt. "Der Tweet war ungeschickt und ein Fehler. Es war eine ironische Frage, die auch gefährlich provozierend war. Ich würde es so nicht mehr schreiben", sagte er der Nachrichtenagentur epd am Freitag in Dresden.

Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU), die auch dem Rat der Stiftung vorsitzt, hatte sich von Reiprichs Äußerungen scharf distanziert. Sie kündigte an, wegen des Vorfalls den Stiftungsrat kurzfristig zu einer Sitzung einzuladen.

Ohnehin ist klar, dass der Vertrag des Geschäftsführers vorzeitig endet – unabhängig von den jüngsten Äußerungen. Denn bereits einige Tage zuvor hatte die Stiftung bekannt gegeben, dass Reiprich zum 30. November aus dem Amt ausscheidet. Ursprünglich war dies für Januar 2022 vorgesehen.

Dem Förderverein der Gedenkstätte Bautzen geht dies nicht weit genug. Reiprich müsse zurücktreten oder seines Amtes enthoben werden, fordert Manfred Wilke. „Nur dies kann die Landesregierung von dem Ruch befreien, bei rechtsradikalen Tendenzen in Sachsen wegzusehen oder ihnen gar Vorschub zu leisten.“

Schon länger gilt das Verhältnis zwischen Reiprich und den Mitarbeitern der Bautzener Gedenkstätte als schwer belastet. Entsprechend verweist der Förderverein nicht nur auf die aktuellen Vorfälle: „Dieser Geschäftsführer fiel nicht durch Sachkenntnis auf, sondern durch ein selbstherrliches Gebaren.“ Zudem sei die Leitung der Stiftung dafür verantwortlich, dass Projekte zum Gedenken an die Opfer der NS-Diktatur über Jahre hinten angestellt wurden, kritisiert der Verein.

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