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Bautzen: Anwohner lehnen Logistikzentrum ab

Im Süden von Bautzen soll ein neues Gewerbegebiet entstehen. So plant es die Stadt mit weiteren Partnern. Warum Anwohner das ablehnen.

Annerose und Andreas Richter leben schon lange und gern an der Wilthener Straße in Bautzen. Sollte in ihrem Rücken aber ein Logistikzentrum entstehen, befürchten sie Einschränkungen und Nachteile.
Annerose und Andreas Richter leben schon lange und gern an der Wilthener Straße in Bautzen. Sollte in ihrem Rücken aber ein Logistikzentrum entstehen, befürchten sie Einschränkungen und Nachteile. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Seit mehr als 30 Jahren lebt Annerose Richter an der Wilthener Straße in Richtung Oberland. Schräg gegenüber befindet sich die Gärtnerei Denecke, sonst liegen südlich ihres Hauses nur Wiesen und Felder. „Von einem Industriegebiet war in all der Zeit nie die Rede“, sagt die Bautzenerin. Die Stadt Bautzen allerdings plant, die Brache zwischen Wilthener und Neusalzaer Straße gewerblich und industriell zu nutzen. Die Einfahrt zum potenziellen Logistikzentrum Bautzen Süd wäre keine 300 Meter von Annerose Richters Wohnhaus entfernt. Sächsische.de erklärt, was die Anwohner stört und was die Stadt genau vorhat.

Was ist an der Wilthener Straße geplant?

Wie die Stadtverwaltung im Februar mitteilte, sei hier ein „Logistikzentrums Bautzen Süd“ geplant. Laut dem Brachenkonzept der Stadt soll dazu das über 42.000 Quadratmeter große Areal zwischen Wilthener und Neusalzaer Straße genutzt werden, das früher als Gleisanlage der Nationalen Volksarmee gedient hat. Die Verkehrsanbindung würde über die Wilthener Straße führen.

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Zwischen der Wilthener-Straße und der Neusalzaer-Straße in Bautzen soll das neue Logistikzentrum entstehen.
Zwischen der Wilthener-Straße und der Neusalzaer-Straße in Bautzen soll das neue Logistikzentrum entstehen. © Archiv/SZ/Uwe Soeder

Die Nachfrage nach Industrie- und Gewerbeflächen könne die Stadt Bautzen im Moment nicht erfüllen. So hätten etwa Anfragen aus der Logistik in den vergangenen Jahren abgelehnt werden müssen. „Aufgrund der wirtschaftlichen Notwendigkeiten wurden Gespräche und erste Voruntersuchungen zur Stärkung und Sicherung des Wirtschaftsstandorts Bautzen durchgeführt“, erklärte die Stadtverwaltung im Februar. Daraus habe sich die Idee eines Industrie- und Gewerbegebietes sowie die Anbindung an das Schienennetz der Deutschen Bahn ergeben.

An den Planungen seien demnach mehrere Partner beteiligt, darunter das Sächsische Ministerium für Regionalentwicklung, der Landkreis Bautzen, die angrenzende Gemeinde Doberschau-Gaußig, Alstom oder Hentschke Bau als zentraler Entwickler des Bahnhofs Bautzen. Wie der kommissarische Pressesprecher der Stadt, Markus Gießler auf Anfrage mitteilt, erarbeite die List GmbH gerade eine Machbarkeitsstudie zu dem Projekt. Dieses Unternehmen ist als Gesellschaft für Verkehrswesen und ingenieurtechnische Dienstleistungen für das Land Sachsen tätig.

Warum lehnen die Anwohner das Logistikzentrum ab?

Die erste Beschwerde von Annerose Richter und weiteren Anwohnern der Wilthener Straße stammt aus dem Frühherbst 2019. Kurz zuvor hatte ihnen die Stadtverwaltung mitgeteilt, dass Vermessungs- und andere Arbeiten auf ihren Grundstücken „im Zuge der Erschließung des Industriegebietes Bautzen-Süd“ notwendig seien.

Annerose Richter argumentiert, dass es sich beim Areal um ein Grundschutz-Wassereinzugsgebiet handelt. Das jetzt schon hohe Verkehrsaufkommen werde weiter steigen und sei für Anwohner nicht hinnehmbar. Die Wohn- und Lebensqualität würde sich verschlechtern und die Umwelt mit einem Gewerbegebiet verschandelt.

Ein weiteres Argument der Anwohner: Ihre Immobilien würden entwertet. „Wir durften auf unserem Grundstück nie etwas bauen, weil es hieß, es sei ein Schutzgebiet. Wieso gilt das nicht für die Stadt?“, fragt Annerose Richter. Sie und weitere Anwohner wünschen sich, dass hier nichts gebaut wird, auch wenn sie Verständnis dafür habe, dass sich Firmen in Bautzen ansiedeln und Arbeitsplätze entstehen sollen.

Auch die Grüne Liga lehnt die städtischen Pläne ab, weil die „ausgewiesenen Flächen für Ersatzmaßnahmen für die vorkommenden Arten wie bodenbrütende Vögel oder Reptilien nicht geeignet“ seien. Dabei geht es zum Beispiel um die Zauneidechse, die auch am Bautzener Stausee lebt. Dort mussten die Tiere wegen Bauvorhaben am Hochseilgarten umziehen.

Wie reagiert Bautzen auf die Anwohnerbeschwerden?

Markus Gießler erklärt, dass es sich nicht um ein Trinkwassereinzugsgebiet handelt. „Im beschlossenen Brachenkonzept der Stadt Bautzen wird die Umwandlung der jetzigen Brache zum Gewerbe/Industriegebiet als Zielstellung ausgegeben.“ Das gelte auch für anliegende Areale.

Im Prozess der Erstellung des Brachenkonzeptes in den Jahren 2018 und 2019 seien auch Vertreter der Grünen Liga involviert gewesen. Anmerkungen oder Hinweise habe es aber nicht gegeben. „Auch bei der Erstellung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes 2030+ in den Jahren 2018, 2019 und 2020 wurde hierzu im Rahmen der öffentlichen Beteiligung im Beirat für Stadtentwicklung und im Stadtrat von der Grünen Liga nicht darauf hingewiesen“, führt Markus Gießler weiter aus.

Wann gibt es eine Entscheidung?

Markus Gießler verweist auf die Machbarkeitsstudie, die jetzt in Arbeit ist. Deren Ergebnisse werden im dritten oder vierten Quartal erwartet. Auch im Rahmen des Strukturwandels sei das Projekt angemeldet. „Sobald wir mit der Machbarkeitsstudie soweit sind, werden wir mit ersten Informationen an die Öffentlichkeit gehen. Wir bitten bis dahin um Geduld“, fügt der Sprecher hinzu. Weitere Punkte könnten zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mitgeteilt werden.

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