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Was tun bei Hitze oder Hochwasser?

Extreme Wetterereignisse gibt es immer öfter. Sind die Menschen darauf vorbereitet? Dazu forschen jetzt Leipziger Wissenschaftler - auch im Kreis Bautzen.

Wenn Bäche und Flüsse über die Ufer treten, ist Panik die schlechteste Reaktion. Wie gut die Bürger von Bischofswerda und Bautzen für extremes Wetter vorsorgen, wollen Forscher herausfinden.
Wenn Bäche und Flüsse über die Ufer treten, ist Panik die schlechteste Reaktion. Wie gut die Bürger von Bischofswerda und Bautzen für extremes Wetter vorsorgen, wollen Forscher herausfinden. © Archivfoto: Wolfgang Wittchen:

Bautzen/Bischofswerda. Der Klimaforscher Christian Kuhlicke und sein Team vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung sind aktuell in elf sächsischen Städten - darunter in Bautzen und Bischofswerda - unterwegs, um mehr über das Thema Eigenvorsorge im Fall von Hochwasser und Hitze herauszufinden. Worum es den Wissenschaftlern genau geht und was auf die Bürger von Bautzen und Bischofswerda noch zukommt, darüber spricht Kuhlicke im Interview mit Sächsische.de.

Prof. Dr. Christian Kuhlicke leitet die Arbeitsgruppe "Umweltrisiken und Extremereignisse" im Leipziger Helmholtz-Institut. In einem aktuellen Projekt beschäftigt er sich unter anderem mit Bautzen und Bischofswerda.
Prof. Dr. Christian Kuhlicke leitet die Arbeitsgruppe "Umweltrisiken und Extremereignisse" im Leipziger Helmholtz-Institut. In einem aktuellen Projekt beschäftigt er sich unter anderem mit Bautzen und Bischofswerda. © Sebastian Wiedling

Herr Kuhlicke, worum geht es in diesem Projekt?

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Eine vielseitige Landschaft, Geschichte und jede Menge Sehenswürdigkeiten kann man bei dieser Tour entdecken und erleben.

Es ist ein Forschungsvorhaben, das vom Umweltbundesamt gefördert wird. Die zentrale Frage ist, wie man eigentlich Wissen zu Klimafolgen und Eigenvorsorge vermittelt, also das, was jeder Einzelne machen kann. Dabei kann es um Hochwasser oder Starkregen gehen, aber auch um Hitze und Dürre. Denn darüber, wie man die Menschen mit Informationen erreicht, wissen wir überraschend wenig.

Es gibt verschiedene Flyer oder Online-Plattformen, aber inwieweit diese verschiedenen Kommunikationswege überhaupt ankommen, weiß man noch kaum. Und genau dort setzt unsere Forschung an. Dabei gehen wir der Frage nach, wie wir mit jeder einzelnen Möglichkeit bei den Leuten ankommen, wie sie rezipiert wird und was am Ende handlungsfördernd ist.

Wie gehen Sie da vor?

Wir haben vor einem Jahr eine Befragung durchgeführt und bisher insgesamt drei Informationsmappen, unter anderem zu verschiedenen Möglichkeiten der Vorsorge, verteilt. Abschließend machen wir nochmal eine finale Befragung im Juli. Danach bereiten wir die Ergebnisse so auf, damit die Leute etwas davon haben.

Wieso sind Sie gerade in Bautzen und Bischofswerda aktiv?

Zufall ist bei Forschung wichtig. Alle Städte sind zufällig ausgewählt. Zu Beginn haben wir geschaut, in welchen Städten es ein erhöhtes Risiko für Hochwasser oder Starkregen gibt, denn Hitze ist relativ gleich verteilt. Diese Städte kamen alle in einen großen Topf und dann haben wir gezogen. Bischofswerda und Bautzen haben also einfach Losglück gehabt, aber wir haben auch Kommunen gezogen, in denen wir nicht aktiv sind.

Dort haben wir zwar vor einem Jahr auch Befragungen durchgeführt, aber seitdem nichts mehr gemacht. Das ist somit unsere Kontrollgruppe, die am Ende natürlich auch nochmal befragt wird. So können wir dann sehen, welche Effekte in den Städten erreicht werden, je nachdem, ob wir uns aktiv mit ihnen beschäftigen oder nicht.

Wie kommt das Projekt bei denen an, mit denen Sie sprechen?

Sehr gut. Bei der ersten Umfrage haben rund 60 bis 70 Prozent der Leute, die wir gefragt haben, auch wirklich mitgemacht. Beim zweiten Mal in diesem Jahr wird es erwartungsgemäß ein bisschen geringer sein, wie die Leute ja schon mal Fragebögen ausgefüllt haben.

Uns hilft jeder Einzelne, der mitmacht. Denn auf die Ergebnisse unserer Forschungen können Kommunen, Behörden oder Ministerien zurückgreifen und effektiver Informationen an die Menschen bringen.

Was bringt das den Menschen am Ende?

Sie werden regelmäßig informiert, denn wir haben auch bei der ersten Befragung mitbekommen, dass das Thema Hochwasser für die Leute wirklich relevant und ein großes Problem ist. Dabei arbeiten wir unter anderem mit dem Bildungs- und Demonstrationszentrum in Leipzig und mit der Verbraucherzentrale Sachsen zusammen, um Informationen leicht zugänglich aufzubereiten.

Zum anderen hoffen wir, dass die Themen Klimaanpassung und Eigenvorsorge nicht mehr marginal behandelt werden, sondern man sich ernsthaft Gedanken macht und damit beim nächsten Hochwasser viel besser vorbereitet ist. Also insgesamt geben wir eine indirekte Unterstützung und einen Anstoß zum Vorsorgen.

Was kann man als Einzelner speziell tun, um sich gegen Hochwasser zu schützen?

Es gibt viele kleine Maßnahmen, die gar nicht so teuer sind und die jeder machen kann. Es muss nicht immer die große schwarze Wanne sein, die 60.000 Euro kostet. Eher sollte man sich die Frage stellen, wo ich meinen Fernseher aufstelle und wohin ich mein Fotoalbum räume. Weil wir aus unserer Forschung wissen, dass die materiellen Verluste meist nicht am schwersten wiegen, sondern die Stücke, die nicht mehr wieder zu beschaffen sind und zu denen man eine starke emotionale Bindung hat. Wenn das Familien-Fotoalbum weg ist, ist es weg. Einen Fernseher kann man sich immer wieder kaufen.

Was sind erste Ergebnisse, die Sie bereits verraten dürfen?

Generell haben wir herausgefunden, dass Eigenvorsorge in allen Kommunen gängige Praxis ist. Es gibt einfach viele Leute, die sich darum kümmern, in welcher Form auch immer. Wenn ich ganz speziell auf die Ergebnisse für Bischofswerda schaue, kann man sagen, dass es dort eine sehr große Hilfsbereitschaft untereinander gibt. Viele Leute sind davon überzeugt, dass ihnen im Ernstfall geholfen wird. Das ist natürlich in den Ortsteilen mit dörflichem Charakter größer als im städtischen Bereich.

Mit den Gesamtergebnissen ist in der zweiten Hälfte dieses Jahres zu rechnen.

Informationen zum aktuellen Stand der Forschung gibt es auf der Internetseite des Helmholtz-Zentrums. Um das eigene Handeln beim Thema Eigenvorsorge auf die Probe zu stellen, gibt es aktuell auf klimakoffer.info eine Möglichkeit, aktiv an der Forschung teilzunehmen.

Vorsorge-Tipps gegen Hitze und Hochwasserschäden

Sichere Aufbewahrung von persönlichen Wertgegenständen und Dokumenten

Wer die wertvollsten Gegenstände beispielsweise im ersten Obergeschoss des Hauses aufbewahrt, schützt sie vor Hochwasser. Aber auch eine wasserdichte Plastikverpackung kann sie schützen.

Abschluss einer Elementarschadensversicherung

Um materiell wertvolle Gegenstände zu schützen, kann man eine Versicherung abschließen, um im Ernstfall Geld für eine Neuanschaffung zu bekommen. Die Verbraucherzentrale Sachsen bietet dazu telefonisch eine unabhängige Beratung an.

Verbraucherzentrale Sachsen
Telefon: 0341- 696 29 29
www.verbraucherzentrale-sachsen.de

Bauliche Vorsorgemaßnahmen am Wohngebäude

Aufwendig und teuer können bauliche Maßnahmen sein, die vor Hochwasser schützen. Eine Abdichtung des Kellers kann beispielsweise mehrere zehntausend Euro kosten. Mit einer Beratung kann das Kompetenzzentrum Hochwassereigenvorsorge helfen.

Kompetenzzentrum Hochwassereigenvorsorge Sachsen
0341-44 22 979
www.bdz-hochwassereigenvorsorge.de
[email protected]

Lüften

Bei Hitze in Haus und Wohnung ist richtiges Lüften wichtig. Das bietet sich besonders in der Nacht an, wenn es draußen kühler als drinnen ist. Aber auch mit Ventilatoren kann die Luft aktiv abgekühlt werden.

Warum richtiges Lüften besonders wichtig ist, erklärt das Umweltbundesamt.

Rollos

Ob außen oder innen - ist das Fenster blickdicht verschlossen, kommt Hitze nicht mehr so einfach hinein. Während eng von innen an der Scheibe angebrachte Rollos oder Plissees einen großen Teil der Sonnenstrahlung reflektieren, sorgt ein Außenrollo dafür, dass diese gar nicht erst nach innen kommt.

Weitere Maßnahmen

Das Umweltbundesamt hat weitere wichtige Tipps zusammengefasst:

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