merken
PLUS Bautzen

Bautzener Nudel-Shop macht zu

Seit mehr als 20 Jahren hat Frank Eichler am Kornmarkt mittags Nudelgerichte verkauft. Nun macht er zu – aber nicht wegen Corona.

Der Nudel-Shop in der Nähe des Kornmarkts in Bautzen schließt - nach mehr als 20 Jahren.
Der Nudel-Shop in der Nähe des Kornmarkts in Bautzen schließt - nach mehr als 20 Jahren. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Was er zu sagen hat, fällt ihm nicht leicht, das hört man der Stimme von Frank Eichler an: Sein Nudel-Shop am Kornmarkt in Bautzen wird zum Ende des Jahres schließen. Das bestätigt er gegenüber Sächsische.de. Ein entsprechendes Schild vor dem Laden weist die Kunden darauf hin.

Dabei verkauft Eichler seine Nudelgerichte dort seit mehr als 20 Jahren. Nudeln mit Pilzsoße, mit Tomatensoße, mit Käsesoße, Jägerschnitzel: Gut 50 bis 70 Portionen, erzählt er, gehen täglich über seinen Tresen. Und dazu kommen noch die Essen für die acht bis zehn Abnehmer, die er beliefert. Ein Steuerbüro und Mitarbeiter des Gerichts zum Beispiel. Viele Schüler kommen vorbei – sie durften bei ihm vergünstigt essen.

Stars im Strampler aus Bautzen
Stars im Strampler aus Bautzen

Auch in der letzten Woche sind Babys auf die Welt gekommen, die im Landkreis Bautzen zu Hause sind.

Plötzlich kam die Kündigung für den Laden

Angefangen hat die Geschichte von Frank Eichlers Nudel-Shop im Prinzip Anfang der 1990er-Jahre. Damals war er zwar noch als Koch beim Energieversorger Enso angestellt. Als die Küche dort aber aufgelöst wurde, suchte er sich wenig später etwas Eigenes. Er fand das Geschäft am Kornmarkt. Eigentlich wollte er dort nur kochen, weiter für die Enso. Die Idee, auch an andere Speisen zu verkaufen, kam eher nebenbei. „Ich bin dann auf Nudeln gekommen, weil die jeder mag und weil sie einfach zuzubereiten sind“, sagt Eichler. Als er Bäcker Jeremias kennenlernte, habe er sich entschieden, seine Gerichte mit dessen Nudeln zuzubereiten. „Das ist eine gute Nudel, schön robust“, sagt er.

Noch bis vor etwa zwei Jahren habe er auch für die Enso gekocht, dann irgendwann nur noch für diejenigen, die mittags vorbeikamen oder seine Essen bestellten. Das hätte so weiterlaufen sollen, erzählt Frank Eichler – zumindest wenn es nach ihm gegangen wäre. Im kommenden Sommer dann wollte er in Rente gehen. Doch völlig unerwartet sei ihm in diesem Sommer eine Kündigung ins Haus geflattert. „Die Hausbesitzer haben vorher nicht einmal mit mir gesprochen, ich hatte keine Chance“, erzählt der 65-Jährige. Das Haus, in dem der Laden ist, sei kurz darauf verkauft worden.

Inhaber sucht nach einer Alternative

Wie es jetzt für ihn weitergeht? Das sei alles offen. „Ich hätte meine Kollegin sieben Monate vorher kündigen müssen, das konnte ich nicht einhalten. Und ich stehe ab 1. Januar ohne Gehalt da“, sagt Frank Eichler. Zu schnell sei das alles gegangen. Kann er nicht woanders hin? Es gebe zwar ein paar freie Lokalitäten in Bautzen, aber darunter sei für ihn nicht das Richtige. Bei dem einen sei die Lage schlecht, bei dem anderen müsste erst einmal eine große Sanierungsaktion starten.

„Ich bräuchte etwas, wo es bereits eine Küche gibt“, sagt der Koch, „wo ich zumindest nicht allzu viel Geld in die Hand nehmen muss. Das will ich jetzt nicht mehr, so kurz vor der Rente.“ Und trotzdem: Ganz aufgegeben hat er noch nicht. Gerne würde er sich zum Beispiel „bei jemandem mit reinhängen“, sagt er. „Sollte sich jetzt noch etwas ergeben, bin ich offen dafür.“

Mit dem kostenlosen Newsletter „Bautzen kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen