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So hat sich das Brauhaus in der Corona-Pause verändert

Neuer Fußboden, frische Farbe, moderne Lampen: Während der Schließzeit ist im Bautzener Brauhaus und Keglerheim viel passiert.

Die Gaststube des Bautzener Brauhauses erhielt neue Farbe an Wänden und Decke. Und während der Corona-Schließzeit hat sich noch einiges mehr verändert.
Die Gaststube des Bautzener Brauhauses erhielt neue Farbe an Wänden und Decke. Und während der Corona-Schließzeit hat sich noch einiges mehr verändert. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Wo sind die Jahre hin? "Es kommt mir vor, als wäre das erst vorgestern gewesen", denkt Karsten Herrmann an den Start des Bautzener Brauhauses im frisch sanierten Keglerheim an der Thomas-Mann-Straße zurück. Aber es war nicht vorgestern, sondern vor fast einem Vierteljahrhundert. Mitte November 1996 setzte Mit-Inhaber und Geschäftsführer Karsten Herrmann zusammen mit Vater Horst den ersten Sud in Bautzens neuer Brauerei an. Einen Tag vor Silvester wurde dann große Eröffnung gefeiert.

Karsten Herrmann hat nicht gezählt, wie viele Menschen seitdem durch die schwere Tür gekommen sind. Aber sie alle hinterließen natürlich Spuren - zum Beispiel auf dem Fußboden im Foyer. Jetzt liegt hier ein neuer, heller Belag. Der Brauhaus-Chef hat die Zeit der Corona-Schließung für eine Frischekur im ganzen Haus genutzt und dafür eine fünfstellige Summe investiert.

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Trotz Corona kein Bier weggeschüttet

Wer wissen will, wo das Geld blieb, muss sich nicht lange umschauen: Neben dem Foyer erhielt auch die Gaststube einen komplett neuen Anstrich an Wänden und Decke. Geblieben ist aber der altehrwürdige Tresen. Und daneben narrt ein kleines Schild die Gäste - so wie eh und je: "Freibier gab's gestern."

Neu sind aber die Wandtafeln mit allerlei sinnigen Sprüchen über den Gerstensaft. Der wurde übrigens während der ganzen Corona-Zeit weiter gebraut - aber weniger als sonst. "Wir haben aber kein Bier wegschütten müssen", sagt Karsten Herrmann durchaus etwas stolz.

Normalerweise füllt das Brauhaus ein Drittel seiner Produktion in Fässer ab, ein Drittel in Flaschen, ein Drittel wird im Hause selbst ausgeschenkt. Zeitweise blieb seit März 2020 nur die Flaschenproduktion. Da auch alle anderen Gaststätten eine Zwangspause einlegen mussten, nahm die Gastronomie eine Zeit lang kein Fassbier ab. Auch Volksfeste fanden nicht statt. Das Brauhaus versuchte, einen Bierverkauf außer Haus aufrecht zu erhalten, doch das rechnete sich nicht. Also blieben nur die Flaschen.

Kleine Firmengruppe hilft sich gegenseitig

"Wir sind seit Frühjahr 2020 insgesamt neun Monate nicht in Betrieb gewesen", blickt der Inhaber zurück. "Aber wir haben den Kopf nicht in den Sand gesteckt." Finanziell lebte das Unternehmen vom Durchgebrachten - und von der Solidarität innerhalb der kleinen Firmengruppe. Zum Besitz der Familie Herrmann gehören außer dem Bautzener Brauhaus noch zwei mittelständische Industriebetriebe in Crosta und Chemnitz. "Und wenn es da mal einem schlecht geht, halten ihn die anderen beiden über Wasser. Aber wir mussten schon auch an die Sparbücher gehen."

Im Keglerheim des Bautzener Brauhauses freuen sich Inhaber Karsten Herrmann (r.) und Eberhard Nawroth vom Kegelverein Bautzen West über den umgebauten und gründlich renovierten Empfangs- und Aufenthaltsraum.
Im Keglerheim des Bautzener Brauhauses freuen sich Inhaber Karsten Herrmann (r.) und Eberhard Nawroth vom Kegelverein Bautzen West über den umgebauten und gründlich renovierten Empfangs- und Aufenthaltsraum. © SZ/Uwe Soeder

Hinter der Gaststube befindet sich das Keglerheim - für dieses ist das ganze Haus 1927 überhaupt gebaut worden. Wer das Keglerheim aus den vergangenen Jahren kennt, erinnert sich vielleicht an das leicht schummrige Licht und einen etwas betagten Teppich. Karsten Herrmann und seine kegelnden Pächter wollten hier schon längst für neues Ambiente sorgen, doch dafür hätte das Keglerheim ein paar Monate schließen müssen.

Ironie des Schicksals: Corona sorgte gerade rechtzeitig für eine Pause, um die Keglerhalle vor dem 25. Jahrestag der Wiedereröffnung rundum zu erneuern. Statt auf dem alten Teppich laufen die Gäste jetzt auf Parkett, von einer neu eingezogenen Zwischendecke leuchten helle Lampen, der Bedientresen für die Sportler zog ein paar Meter um und lässt den ganzen Raum größer erscheinen.

Kein Mitgliederschwund bei Keglern

Darüber freut sich auch Eberhard Nawroth, der Schatzmeister des Kegelvereins Bautzen West. "Wir hatten trotz der Schließung über einige Monate keinen Mitgliederschwund, das kann nicht jeder Verein von sich sagen." Etwa 50 Mitglieder gehören dem Verein an, der damit der größte Pächter im Keglerheim ist. Außerdem trainieren und wetteifern hier noch drei weitere Vereine. Alle vier zusammen hätten etwa 100 Mitglieder - und denken jetzt über einen Zusammenschluss nach. "Das würde viel Verwaltungsaufwand einsparen", ist Eberhard Nawroth überzeugt.

Der Schatzmeister denkt schon an das Jubiläumsjahr 2027 für Sachsens größte Kegelhalle. Acht Kegel- und vier Bowlingbahnen - mehr hat keine Sporthalle im ganzen Freistaat zu bieten. "Eine Großveranstaltung oder Meisterschaft zum 100. Geburtstag des Keglerheims" schwebt Eberhard Nawroth vor.

Während er und Karsten Herrmann sich über die Neuigkeiten im Erdgeschoss freuen, tat sich während Corona im Stockwerk darüber - nichts. Dort ist alles so gut wie neu. Im Brauhaussaal eröffneten Jan Woitas und Malte Rastemborski Anfang 2020 eine Minigolf-Anlage. "Seitdem hatten wir grad mal fünf Monate auf", ärgert sich Malte Rastemborski, der zusammen mit seinem Geschäftspartner auch den Hochseilgarten am Bautzener Stausee betreibt. "Aber jetzt läuft das Minigolf-Spielen im Brauhaussaal wieder an."

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