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Per Smartphone einem Ex-OB auf der Spur

Johannes Kaeubler machte aus Bautzen eine Stadt des Fortschritts. Doch viele Leute wissen kaum was über ihn. Schüler wollen das ändern – mit einer Handy-Rallye.

Anna-Lena Richter (l.) und Sophie Förster stehen mit einem historischen Stadtplan vor der Kaeubler-Plastik am Kornmarkthaus in Bautzen. Dort startet eine interaktive Handy-Rallye, die von Schüler des Schiller-Gymnasiums entwickelt wurde.
Anna-Lena Richter (l.) und Sophie Förster stehen mit einem historischen Stadtplan vor der Kaeubler-Plastik am Kornmarkthaus in Bautzen. Dort startet eine interaktive Handy-Rallye, die von Schüler des Schiller-Gymnasiums entwickelt wurde. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Unübersehbar steht die Skulptur des Konrad Johannes Kaeubler (1849-1924) vor dem Bautzener Kornmarkthaus. Auf die Spuren des stadtprägenden Oberbürgermeisters haben sich die Jugendlichen aus dem Stadtkurs des Schiller-Gymnasiums unter erschwerten Corona-Bedingungen im vergangenen Jahr begeben.

„An diesem Denkmal geht fast jeder von uns täglich vorbei, aber die wenigsten wissen, was Kaeubler für und in dieser Stadt bewirkt hat“, sagt Sophie Förster. Künftig ist die Bronze mit Zylinder der Startpunkt eines kleinen Stadtrundgangs per App und Smartphone zu Kaeubler-Orten. Doch das ist nur ein Ergebnis des Stadtgeschichtsprojekts.

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Die Schüler falten einen Stadtplan aus der Zeit um die Jahrhundertwende auseinander. Konrad Johannes Kaeubler kommt im Jahr 1890 nach Bautzen. Erste Erfahrungen als Stadtoberhaupt hat der gebürtige Schandauer in Mittweida (1881-1885) und Frankenberg (1885-1890) gesammelt. Am 17. Januar 1900 soll der Jurist in „seiner lieben Budissa“ erster Oberbürgermeister werden. An dessen Grab wird nach einer knapp 30-jährigen Amtszeit der Dompfarrer Primarius Haebler predigen: „Fortleben wird sein Gedächtnis für alle Zeiten, solange Bautzens Mauern stehen“. Denn Kaeubler macht aus einem rückständigen, mittelalterlichen Bautzen eine moderne, fortschrittliche Stadt.

Theater saniert, Stadtbauer geöffnet

Die Schüler schauen sich am heutigen Kornmarkt um. Es ist nur einer von vielen städtischen Plätzen, die Kaeubler geprägt hat, wie der Stadtkurs herausgearbeitet hat. In neun Gruppen haben sich die heutigen Zwölftklässler ihrem Aufgabengebiet genähert, unter anderem haben sie zu Stadtentwicklung und Wohnen, Verkehr, Kunst und Kultur, Versorgung, Militär und Justiz wie auch zur Beziehung Kaeublers zum König geforscht.

Das Museum Bautzen, die Sanierung des alten, längst weggerissenen Stadttheaters am Ort des heutigen Kornmarkt-Centers, die Öffnung der alten Stadtmauer, der Bau der Schulen am Stadtwall, der Kronprinzenbrücke (Friedensbrücke), der Barbara- und Husarenkaserne, des Gerichtsgebäudes in der Lessingstraße, des städtischen Krankenhauses oder der Sächsischen Strafanstalt – die Aufzählung der Kaeubler-Leistungen lässt die Schüler fast atemlos werden und zeigt: Dieser Oberbürgermeister hatte einen Plan für die Entwicklung Bautzens. „Es ist uns bei unseren Recherchen klar geworden: Kaeubler hat Bautzen zu dem gemacht, was es heute ist“, sagt Anna-Lena Richter.

An jeder Station warten spannende Aufgaben

Für ihr Projekt haben die 15 Schüler die Kaeubler-Förderung des Bautzener Lions-Clubs bekommen. Zu den Recherchen ging es unter erschwerten Corona-Bedingungen zum Archivverbund, in die Stadtbibliothek und ins Museum. Vor allem selbstständiges Arbeiten war gefragt. Neben zahlreichen Original-Quellen gab es auch reichlich Bildmaterial.

Der Sächsische Ausbildungs- und Erprobungskanal Saek Bautzen hat die Jugendlichen bei der Programmierung der Actionbound-App unterstützt. Eine Bound ist eine interaktive Handy-Rallye und viel mehr als eine Stadtführung. „An jeder Station warten unterschiedliche Aufgaben darauf, gelöst zu werden, spannend für Kinder und Erwachsene“, sagt Stadtkurs-Leiterin Ulrike Wiezorek. Start der kurzweiligen wie erlebnisreichen Reise durch das Bautzen um 1900 ist selbstverständlich am Kaeubler-Denkmal.

Neben dem interaktiven Stadtrundgang haben die Schüler auch Lehrmaterialien für unterschiedlichste Altersstufen zum Thema Konrad Johannes Kaeubler, Stadtentwicklung und Industrialisierung zusammengetragen. Der Sachunterricht in den Klassenstufen zwei und drei behandelt zum Beispiel diese Themen, in der Oberschule können die Klassenstufen sieben und zehn auf die Unterlagen zurückgreifen, am Gymnasium wird das „Doppelgesicht des Fortschritts“ in der achten Klasse behandelt. Für die kleineren Regionalhistoriker gibt es auch ein Quiz und ein Kaeubler-Quartett.

Geschichte aus Bautzener Perspektive betrachten

Mit seinem jüngsten Projekt zeigt der Stadtkurs zum wiederholten Mal, dass Geschichte nicht irgendwo passiert, sondern mit Menschen und Orten der eigenen Heimat verbunden ist. Den Kurs bietet Ulrike Wiezorek seit Ende der 1990er-Jahre am Bautzener Schiller-Gymnasium an, um den Schülern Geschichte und Geografie aus der Region näherzubringen. „Das Thema Industrialisierung kann ich auch mit einer Bautzener Perspektive betrachten“, sagt die Lehrerin. Ihre Schüler muss sie nun wieder ziehen lassen. Sie machen in diesem Jahr alle ihr Abitur und gehen dann zur Ausbildung, zum Studium oder als Au-pair in die USA.

Doch ihre Nachfolger stehen schon in den Startlöchern. Die Recherchen der neuen Gruppe führen in die Goldenen Zwanziger in Bautzen – und sicherlich begegnen den Jugendlichen bei ihren Forschungen auch immer mal wieder Kaeublers Spuren.

Die Lehrmaterialien können ab 23. März über die Homepage des Schiller-Gymnasiums abgerufen werden. Die Arbeitsblätter, Infotexte und Fotos gibt es zudem auf DVDs, die im Medienpädagogischen Zentrum in der Paulistraße 20 ausgeliehen werden können. Dort gibt es für Grundschule, Horte und Schullandheime auch 50 Quartettspiele.

Die Nutzung der Stadtrallye-App Actionbound ist kostenlos.

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