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Bautzen: Spendenziel für Grab-Restaurierung erreicht

Bereits 20 Tage vor Fristende der Aktion war genug Geld beisammen. Die Arbeiten an der Grabstätte der Bulnheims auf dem Taucherfriedhof verzögern sich trotzdem.

Stadtführer Heinz Henke war zuerst auf das geschmiedete Kreuz an der Grabanlage der Bulnheims in Bautzen aufmerksam geworden. Mit der Familiengeschichte hat er sich erst danach beschäftigt.
Stadtführer Heinz Henke war zuerst auf das geschmiedete Kreuz an der Grabanlage der Bulnheims in Bautzen aufmerksam geworden. Mit der Familiengeschichte hat er sich erst danach beschäftigt. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Dass knapp 8.000 Euro so schnell zusammenkommen, hätte Heinz Henke nicht gedacht. „Ich war anfangs skeptisch, meine Tochter Franziska hingegen euphorisch.“ Gemeinsam mit den Wirtschaftsfrauen haben die Henkes via Crowdfunding Geld für die Restaurierung einer Grabanlage auf dem Bautzener Taucherfriedhof gesammelt. Es handelt sich um die Grabstätte der Unternehmerfamilie Bulnheim. Vor allem das filigran geschmiedete Kreuz darauf hat es Heinz Henke als gelerntem Maschinenbauer angetan.

Vom 7. Juni bis zum 31. Juli lief die Spendenaktion auf der Plattform der Volksbank Dresden-Bautzen. Bereits am 11. Juli war die Zielsumme von 7.930 Euro erreicht. Mehr als 7.700 Euro wurden gespendet, dazu kommen noch knapp 1.100 Euro von der Volksbank. Somit stehen insgesamt 8.833 Euro zur Verfügung, die einiges möglich machen sollten, denkt Heinz Henke. „Wir hatten mit dem Minimalprogramm kalkuliert. Nun wollen wir das Kreuz wiederherstellen. Auch der steinerne Sockel muss erneuert werden.“

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Auf der Grabanlage der Bulnheims auf dem Bautzener Taucherfriedhof können Besucher sehen, wann welche Spendensummer erreicht wurde.
Auf der Grabanlage der Bulnheims auf dem Bautzener Taucherfriedhof können Besucher sehen, wann welche Spendensummer erreicht wurde. © SZ/David Berndt

Dazu kommen noch die gärtnerische Gestaltung sowie die Bank aus Sandstein, die an der Grabstätte einen Platz zur Ruhe und Besinnung bieten soll. An ihr werde es einen QR-Code geben, den Interessenten scannen und sich so über die Geschichte der Bulnheims und die Rettung des Grabs informieren können. Auch die damalige Rolle von Frauen soll ein Thema sein. Das sei gerade dem Verein „Die Wirtschaftsfrauen“ als Mitinitiator wichtig. Für die Familiengeschichte müsse er noch im Stadtarchiv recherchieren, sagt Stadtführer Heinz Henke. Auch das koste Geld. Wer Hinweise zur Familien- oder Firmengeschichte der Bulnheims hat, kann diese gern an Henkes weiterleiten.

Im Zuge der Spendenaktion gab es auch unerwartete und überraschende Reaktionen, erzählt Heinz Henke. „Ich habe zum Beispiel jemanden kennengelernt, der bis zur Schulzeit Nachbar der Familie Bulnheim war.“ Das sei zwar schon eine ganze Weile her, aber jede Information könne helfen, etwas zur Aufklärung der Familiengeschichte beizutragen. Die sorgt offenbar nicht nur bei Geldspendern für Interesse.

Da die finanzielle Unterstützung für das Projekt erst ab 16 Jahren möglich war, hat ein 13-jähriger Bautzener ein Bild des geschmiedeten Grabkreuzes mit Sprühdosen angefertigt. Ausgestellt ist es seit einer Weile bei der Volksbank in der Bautzener Goschwitzstraße. „Er möchte auf diesem Weg auf das Crowdfunding aufmerksam machen und zu Gesprächen und Spenden anregen. Bautzen ist seine Heimat und Bautzens Geschichte ist seine Geschichte“, heißt es dort zu den Beweggründen des jungen Bautzeners.

Denkmalpflege entscheidet erst im Oktober

Und zu dieser Geschichte gehören auch die Bulnheims. Auf der Wilthener Straße befand sich die Feinstahlbaufirma der Familie, die sich auf den Bau von schmiedeeisernen Oberlichtern spezialisiert hatte. Ende des 19. Jahrhunderts gehörten die Bulnheims laut Heinz Henke zu den angesehenen Familien in Bautzen, sie wohnten auf der Wilhelmstraße neben der berühmten Unternehmerfamilie Weigang.

Die Spenden für die Restaurierung der Grabanlage seien vor allem privater Natur, kämen aber auch von Unternehmen. Die meisten Unterstützer befinden sich „hier im Nahbereich“, führt Heinz Henke aus. „Wir haben aber auch Geld aus der Schweiz und von mehreren Spendern aus Sachsen bekommen.“

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Nur mit der Umsetzung der Restaurierung werde es länger dauern als gehofft. „Wir wollten eigentlich bis Jahresende fertig sein“, führt Heinz Henke aus. „Aber jetzt hat sich die Denkmalpflege eingeschaltet. Welche Forderungen wir dadurch erfüllen müssen, erfahren wir nicht vor Oktober, und vorher dürfen wir nicht anfangen.“ Vielleicht sei damit aber eine zusätzliche Förderung möglich. Jetzt sollen alle Arbeiten bis zum kommenden Frühjahr erledigt werden.

Informationen zur Familie Bulnheim nehmen die Henkes via E-Mail an [email protected] oder telefonisch unter 0151 28233644 entgegen.

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