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Theaterprojekt gegen Rassismus vor dem Aus

Mit Workshops, Theater und Treffen soll das Thespiszentrum Bautzen beim Abbau von Vorurteilen helfen. Doch die weitere Förderung wurde jetzt abgelehnt.

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Im Bautzener Thespis-Zentrum begegnen sich Menschen mit und ohne Migrationshintergrund: zum Beispiel Jessica Oberst (l.) und Selbihan Kurtel bei einer Theater-Probe.
Im Bautzener Thespis-Zentrum begegnen sich Menschen mit und ohne Migrationshintergrund: zum Beispiel Jessica Oberst (l.) und Selbihan Kurtel bei einer Theater-Probe. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. „Thespis muss bleiben“: Mit dieser Aktion in den sozialen Netzwerken haben die Macher des soziotheatralischen Zentrums in Bautzen um den Erhalt ihrer Einrichtung gekämpft. Doch nun steht fest: Eine Förderung des Folgeprojekts hat die Sächsische Aufbaubank im Dezember ohne Begründung abgewiesen.

„Thespis finanzierte sich in den vergangenen drei Jahren aus dem sächsischen Programm ,Integrative Maßnahmen‘. Wir hatten nun einen neuen Antrag mit angepasstem Konzept aus unseren bisherigen Erfahrungen gestellt. Trotz vorherigen Beratungen wurde Thespis 2.0 für uns überraschend und spät abgelehnt“, sagt der Intendant des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters Bautzen, Lutz Hillmann.

Das 2017 gegründete Thespis-Zentrum gilt in der Stadt und der Region als ein Ort für Begegnungen unter dem Motto „Theater für Alle - Mitspielen, Mitmachen, Mitreden“. Die Idee hinter dem Projekt des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters ist es, mit Hilfe des Theaters interkulturelle Gräben zu überwinden.

Zentrum wurde erst kürzlich ausgezeichnet

„Uns ging es darum zu beweisen, dass Theaterspielen eine gute Methode ist, sich selbst und andere kennenzulernen, Sympathien zu entwickeln, sich spielerisch zu begegnen und Vorurteile abzubauen“, sagt Lutz Hilllmann. Thespis steht für Präventionsarbeit gegen Rassismus im Alltag.

Die Ablehnung enttäuscht den Theaterintendanten. „Das Thespis-Zentrum hatte jetzt Fuß in der Region gefasst. Im November wurden wir für unsere Arbeit noch mit dem Sächsischen Integrationspreis ausgezeichnet“, sagt er. Die Preisträger erhielten übrigens 3.000 Euro für die Fortführung ihrer Arbeit. Zu den Arbeiten des Zentrums gehörte zum Beispiel die dreimalige Organisation des Theaterfestivals „Willkommen anderswo“ mit Bühnen aus ganz Deutschland.

Das Thespis-Zentrum an der Bautzener Goschwitzstraße führt seine Arbeit vorerst noch bis Ende Februar in reduzierter Form fort. Für die Zeit danach wird nach einer Lösung gesucht.
Das Thespis-Zentrum an der Bautzener Goschwitzstraße führt seine Arbeit vorerst noch bis Ende Februar in reduzierter Form fort. Für die Zeit danach wird nach einer Lösung gesucht. © Steffen Unger

Dazu kamen Workshops, Theatergruppen, Treffen und Symposien. Theaterpädagogen arbeiteten mit Kindern und Jugendlichen bei Ganztagsangeboten in Schulen. Die Mitglieder der transkulturellen Bürgerbühne feierten erst im September ihre Premiere "Raus?! - Von Lebenslinien und Grenzerfahrungen“. Neu sollte ein Projekt mit der Justizvollzuganstalt Bautzen auf den Weg gebracht werden.

Deutschlandweit gilt das Thespis-Zentrum in der Bautzener Goschwitzstraße nach Aussagen von Lutz Hillmann als beispielhaftes Netzwerk für die spielerische Begegnung von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund.

Theatermacher wollen nicht aufgeben

Auch deshalb wollen die Bautzener Theatermacher nicht aufgeben. Mit Restmitteln und durch kurzfristige finanzielle Förderung der Bundeszentrale für politische Bildung ist es dem Zentrum möglich, die Arbeit vorerst bis Ende Februar in reduzierter Form fortzuführen.

Zeitgleich will das Theater als Projektträger nochmals das Gespräch mit dem Ministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt suchen und einen neuen Förderantrag stellen. Möglich wäre auf diesem Weg eine einjährige Finanzierung, um das Thespis-Zentrum neu zu starten. Projektbeginn könnte im Mai sein. „Wir brauchen jetzt auch Rückendeckung durch die Politik für das Folgeprojekt, damit es eine Chance bekommt“, sagt der Intendant.

Politikerin fordert Unterstützung von Stadt und Kreis

Unterstützung hat das Deutsch-Sorbische Volkstheater bereits durch die Linken-Politikerin Caren Lay erhalten. „Es kann nicht sein, dass Bund und Land Bautzener Demokratie-Projekte hängen lassen, nachdem die mediale Berichterstattung über die Probleme vor Ort versiegt ist. Denn das Problem mit rechten und rassistischen Einstellungen ist insbesondere in Bautzen mitnichten gelöst,“ sagt die stellvertretende Vorsitzende der Fraktion „Die Linke“ im Deutschen Bundestag. Sie forderte auch die Stadt Bautzen und den Landkreis dazu auf, Lösungen für den Erhalt des Thespis-Zentrums zu finden.

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