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Weniger Wolfsrisse im Kreis Bautzen

Bis Ende August haben Wölfe im Kreis Bautzen nur halb so viele Nutztiere getötet wie im Vorjahr. Ein Grund zur Entwarnung?

In diesem Jahr sind im Kreis Bautzen bereits elf Wolfsrudel nachgewiesen worden. Nutztierrisse gab es bisher aber weniger als im Vorjahr.
In diesem Jahr sind im Kreis Bautzen bereits elf Wolfsrudel nachgewiesen worden. Nutztierrisse gab es bisher aber weniger als im Vorjahr. © Soeren Stache/dpa (Symbolfoto)

Bautzen. Im Frühjahr hatten Wölfe in Radeberg ein Kalb gerissen. Mitte August musste der betroffene Landwirt schon wieder einen Verlust verkraften: Zwei seiner drei Schafe fand er eines Morgens tot auf der Weide vor – verletzt, aufgerissen. Das dritte - trächtige -  Schaf irrte verstört über die Weide. Es war so schwer verletzt, dass es eingeschläfert werden musste. Mit „hinreichender Sicherheit“, so formuliert es die Fachstelle Wolf des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, waren es wieder Wölfe.

Der Mann aus Radeberg scheint in diesem Jahr besonders viel Pech zu haben. Denn eigentlich ist die Zahl der Wolfsrisse im Kreis Bautzen 2020 gesunken. Bis Ende August waren es nur zwölf Fälle, die auf die Kappe der Rudeltiere gehen. Zwei davon betrafen den Radeberger.

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2019 doppelt so viele Risse im selben Zeitraum

Ein Blick in die Statistik: Im Vorjahr gab es zum selben Zeitpunkt mehr als doppelt so viele Nutztierrisse im Kreis Bautzen, bei denen eingeschätzt wurde, dass der Wolf der  Verursacher war. 28 Risse waren es. Dabei handelt es sich um die Vorfälle – die Zahl der tatsächlich gerissenen Tiere liegt höher. Und auch 2018 war die Zahl im selben Zeitraum höher als in diesem Jahr; bis Ende August war damals bei 19 Rissen der Wolf als Verursacher festgestellt worden oder zumindest nicht auszuschließen.

Noch kein einziger Angriff wird in diesem Jahr bislang dem Problem-Rudel rund um Rosenthal zugeordnet. 2019 waren es acht Übergriffe.

Zwar ist die Zahl der Risse im Kreis Bautzen damit noch immer vergleichsweise hoch. Mit den zwölf Fällen liegt Bautzen auf Kreisebene verglichen direkt hinter dem Landkreis Nordsachsen auf Platz zwei. Aber: „Bislang ist der Landkreis Bautzen in Bezug auf Nutztierrisse seltener betroffen, als dies in den letzten Jahren der Fall war“, bestätigt Vanessa Ludwig, Pressereferentin der Fachstelle Wolf.

Mehr Wolfsrudel im Kreis Bautzen

Gibt es also weniger Wölfe im Kreis Bautzen? Zur genauen Anzahl der Tiere kann die Fachstelle keine Angaben machen. Fest steht: Es gibt 13 Wolfsterritorien, die zum Teil oder komplett im Landkreis Bautzen liegen. Im Wolfsjahr 2018/2019 lebten dort neun Rudel und drei Paare. In diesem Jahr ist das Monitoring noch nicht abgeschlossen; für die Territorien Cunewalde und Stolpen/Hohnstein liegen noch keine Ergebnisse vor, erklärt Vanessa Ludwig. Aber: Weniger Rudel gibt es nicht; schon jetzt sind elf im Bautzener Kreisgebiet nachgewiesen worden.

Daran kann die gesunkene Zahl der Nutztierrisse also nicht liegen. Woran dann? Hilfreich ist ein Blick nach Dresden. Denn Schwerpunkte für Nutztierrisse sind in diesem Jahr die Bereiche um das Rudel in der Dahlener Heide in Nordsachsen und um das Rudel in der Dresdener Heide, das die Stadt Dresden und auch den Kreis Bautzen betrifft.

Immer wieder beobachten die Experten: Werden Wölfe in einem Gebiet sesshaft, siedeln sich also frisch an, ist die Zahl der Nutztierrisse in den ersten Jahren erst einmal besonders hoch. Die Fachstelle Wolf sieht das gerade bei dem Rudel in der Dresdener Heide, das erst 2019 bestätigt worden ist. „Mit der Zeit sinkt die Anzahl der Übergriffe in den Gebieten häufig wieder“, erklärt Vanessa Ludwig.

Im Herbst reißen die Wölfe mehr Weidetiere

Einen Grund dafür sieht sie aber weniger in den Tieren, sondern vielmehr bei den Nutztierhaltern: „Am Anfang sind vor allem unzureichend geschützte Nutztiere betroffen“, erklärt Vanessa Ludwig. „Mit der Zeit verbessern die betroffenen Tierhalter die Schutzmaßnahmen für ihre Tiere.“ Dadurch werde es schwieriger für Wölfe, an die Weidetiere zu gelangen.

Dennoch: Die Zahl der Nutztierrisse wird, auch im Kreis Bautzen, mit großer Wahrscheinlichkeit in diesem Jahr noch weiter steigen, erklärt die Fachstelle Wolf. Denn insbesondere in den Herbstmonaten gebe es in der Regel mehr Risse, das beobachten die Experten immer wieder. „Die meisten Übergriffe auf Weidetiere durch Wölfe finden im Spätsommer und Herbst statt“, so Ludwig.

Das habe mehrere Gründe. Zum einen seien dann die Wolfswelpen fast ausgewachsen und hätten einen höheren Nahrungsbedarf. Zum anderen sind dann aber auch Rehkitze, Hirschkälber und Frischlinge größer und - anders als im Frühjahr - keine einfache Beute mehr. Schafe und Ziegen in Freilandhaltung sind dagegen, weil sie klein sind und wenig Fluchtvermögen haben, für Wölfe dann eine vergleichsweise leichte Beute, erklärt die Fachstelle Wolf. 

Umweltamt rät, Zäune zu prüfen

Das sächsische Landesumweltamt rät Tierhaltern deshalb, in diesen Monaten die Schafe und Ziegen im Stall zu halten. „Wer seine Schafe und Ziegen über Nacht nicht einstallen kann, sollte auf einen wirksamen Herdenschutz achten, vorhandene Zäune auf Schwachstellen prüfen und Mängel umgehend beseitigen“, heißt es in einer Mitteilung. Stromführende Zäune mit mindestens 2.500 Volt könnten helfen, Wölfe abzuschrecken. Empfohlen wird eine Höhe von 1,20 Metern.

Wichtig sei, darauf zu achten, dass es keine Durchschlupflöcher für Wölfe gibt. Und: Weiden sollten möglichst groß sein. Denn wenn die Tiere mehr Platz haben, so das Landesamt, können sie im Falle einer Panik, die durch einen Wolf außerhalb des Zaunes ausgelöst werden kann, besser ausweichen - und brechen nicht so schnell aus.

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