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Journalistin Elisabeth Niejahr spricht bei den Bautzener Reden

Am 5. Mai geht es um das Thema "Politik als Beruf". Im Interview sagt die Berlinerin, was sie mit ihrer Rede erreichen möchte und warum sie nicht für den Politikerberuf geeignet ist.

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Elisabeth Niejahr tritt am 5. Mai 2023 bei den Bautzener Reden auf. Sie spricht zum Thema "Politik als Beruf".
Elisabeth Niejahr tritt am 5. Mai 2023 bei den Bautzener Reden auf. Sie spricht zum Thema "Politik als Beruf". © Hertie-Stiftung/Anatol Kotte

Bautzen. Elisabeth Niejahr ist der nächste Gast der Bautzener Reden. Am Freitag, dem 5. Mai 2023, spricht sie in der Maria-und-Martha-Kirche in Bautzen zum Thema „Politik als Beruf“. Das teilt die Initiative "Bautzen gemeinsam" mit, die zusammen mit dem Verein „Ökumenischer Domladen Bautzen" zu der Gesprächsreihe einlädt.

Die Journalistin arbeitete unter anderem als Hauptstadtkorrespondentin der Wochenzeitung „Die Zeit“ und als Chefreporterin des Wirtschaftsmagazins Wirtschaftswoche. In diesen Funktionen gehörte sie auch zum Team der politischen Talkrunde „Thadeusz und die Beobachter“ im rbb Fernsehen. Seit drei Jahren verantwortet sie als Geschäftsführerin den Bereich „Demokratie stärken“ der Hertie-Stiftung.

Ihren Wechsel aus dem Journalismus in die gemeinnützige Organisation bezeichnet sie als eine bewusste Entscheidung dafür, „mich für unser politisches System einzusetzen, das viele Menschen für selbstverständlich halten“. Demokratie lebe aber nun mal vom Mitmachen. Unter anderem hat Elisabeth Niejahr das Buch „Demokratieverstärker“ herausgegeben und ist Autorin des Buches „Alt sind nur die anderen“ über Zukunft in unserer alternden Gesellschaft.

Die Organisatoren der Bautzener Reden haben vorab mit Elisabeth Niejahr gesprochen.

Frau Niejahr, wie würden Sie sich einem Unbekannten in fünf Sätzen vorstellen?

Ich komme aus Norddeutschland, lebe nach Stationen in London, Köln, Washington und Boston nun aber schon seit 1999 in Berlin. Ich habe Volkswirtschaftslehre studiert, war auf einer Journalistenschule in Köln und dann mehr als 20 Jahre Journalistin, die meiste Zeit im Hauptstadtbüro der „Zeit“. Seit 2020 bin ich Geschäftsführerin bei der gemeinnützigen Hertie-Stiftung und verantwortlich für eines der beiden Themenfelder der Stiftung, nämlich „Demokratie stärken“.

Ihre Bautzener Rede haben Sie mit „Politik als Beruf“ überschrieben. Wären Sie gern in diesen Tagen eine Politikerin und wenn ja, warum?

Ich bin nicht geeignet für den Politikerberuf, der eine Härte erfordert und Zugeständnisse im Privaten, die für mich nicht infrage kommen. Aber mich beschäftigt auch als Stiftungs-Managerin und Demokratie-Geschäftsführerin die Frage, wie eigentlich ein politisches System beschaffen sein müsste, damit mehr Menschen gern darin mitwirken.

Was heißt es eigentlich – aus Ihrer Wahrnehmung - Politiker im Jahr 2023 in Deutschland zu sein?

Tja, es kommt natürlich sehr darauf an, ob wir über einen Bürgermeister in einer Kleinstadt oder einen Minister sprechen. Ganz generell: Gestalten zu können für die Gesellschaft, ist extrem sinnstiftend, aber leider auch mit vielen Einschränkungen verbunden - meist neben der ständigen Beobachtung auch mit viel Konkurrenz und extrem hohem Zeitaufwand. Das Schwierigste sind vielleicht die widersprüchlichen Erwartungen der Wähler, wonach Politiker beispielsweise einerseits authentisch und nahbar, andererseits auch wiederum Respektspersonen und Vorbilder sein sollen.

Politiker werden abgelehnt, oft persönlich angefeindet und bedroht, gleichzeitig fühlen sich viele Menschen nicht mehr vertreten. Welche Noten würden Sie der Politik derzeit geben und warum?

Noten zu vergeben ist so gar nicht mein Stil. Mein größte Sorge ist aktuell, dass wegen der multiplen Krisen von Klima bis Ukraine-Krieg viele Reformen ausbleiben, zum Beispiel im Bildungswesen.

All jene Koordinaten machen es schwer, engagierte Bürger für politische Ämter zu gewinnen. Im Landkreis Bautzen gab es bei den Kommunalwahlen 2022 in elf Gemeinde nur einen Bürgermeister-Kandidaten. Wie lässt sich diesem Trend entgegenwirken?

Ich glaube, dass der demografische Wandel und die vielen Anfeindungen die Situation zunächst eher noch weiter verschlechtern werden. Wir versuchen, mit Projekten wie „Jugend entscheidet“ diesem Trend entgegenzuwirken. Aber natürlich kann eine Stiftung immer nur Impulse geben. Immerhin ist die junge Generation sehr politisch und will mehrheitlich gern gestalten. Das wird sich auch beim Interesse an Kommunalpolitik niederschlagen.

Wie denken Sie, können solche Formate wie die Bautzener Reden die Begeisterung und die Akzeptanz für Politik und Politiker wieder zu fördern?

Ich glaube, dass viele Menschen auf der Suche nach guten Beispielen und Inspiration für gesellschaftliches Engagement sind. Wir leben in sehr politischen Zeiten. Wir werden sehen, ob ich mit meiner Rede einen Beitrag leisten kann. Ich hoffe es!

Die Bautzener Rede mit Elisabeth Niejahr findet am 5. Mai 2023 ausnahmsweise in der Maria-und-Martha-Kirche am August-Bebel-Platz in Bautzen statt (nicht wie gewohnt im Dom St. Petri). Sie beginnt um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.