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Wie eine Bautzenerin getrennt lebenden Eltern hilft

Um Zeit mit seinem Sohn zu verbringen, suchte ein Vater aus Berlin nach einem Raum in Bautzen. Geholfen haben ihm eine bundesweite Initiative - und Leonore Welz.

Leonore Welz aus Bautzen hat sich als Gastgeberin bei der Initiative "Mein Papa kommt" angemeldet. Bei ihr können getrennt lebende Eltern, die nicht in Bautzen wohnen, Zeit mit ihren Kindern verbringen.
Leonore Welz aus Bautzen hat sich als Gastgeberin bei der Initiative "Mein Papa kommt" angemeldet. Bei ihr können getrennt lebende Eltern, die nicht in Bautzen wohnen, Zeit mit ihren Kindern verbringen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Als Leonore Welz den Beitrag auf Facebook gesehen hatte, dachte sie sofort, dass sie helfen kann. Die Initiative „Mein Papa kommt“ suchte Gastgeber in Bautzen, die einem getrennt lebenden Vater aus Berlin und dessen Sohn aus Bautzen mindestens stundenweise oder auch mal über Nacht geeignete Räume zur Verfügung stellen können. „Es ist eine Möglichkeit, dass getrennt lebende Eltern auf neutralem Boden Zeit mit ihren Kindern verbringen können“, findet Leonore Welz, die in Bautzen als Tagesmutter arbeitet.

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Nach dem Lesen des Aufrufs hat sie sich bei der Initiative gemeldet und sich als Gastgeberin angeboten. Danach sei alles sehr schnell und unkompliziert gegangen. Man habe ihr erklärt, wie es funktioniert, und kurz darauf habe es bereits das erste Treffen mit Manuel Wünsche*, besagtem Vater aus Berlin, gegeben. „Das hat gleich gepasst“, erinnert sich Leonore Welz. Er sei mehrmals mit seinem Sohn bei ihr gewesen und konnte das Spiel- und das Schlafzimmer sowie Küche und Bad benutzen.

Vater kam einmal pro Woche aus Berlin nach Bautzen

Manuel Wünsche ist sehr dankbar für diese Möglichkeit. Gemeinsam habe er mit der Mutter seines Sohnes in Berlin gelebt, erzählt er. Nach der Geburt kam es zur Trennung, und sie sei mit dem gemeinsamen Kind nach Bautzen gezogen. Mittlerweile ist der Junge im Kita-Alter. Beide Eltern seien sorgeberechtigt. „Die aktuelle Familienrechtssituation in Deutschland bewirkt, dass man relativ leicht mit Kind umziehen und sich so zur hauptbetreuenden Person machen kann, auch gegen den Willen des anderen Elternteils“, sagt der Vater.

Eine Zeit lang habe er seinen Sohn gar nicht gesehen. Seit einer Weile sei das für jeweils ein paar Stunden pro Woche wieder möglich. Er komme dann von Berlin nach Bautzen, kenne hier aber niemanden, schildert Wünsche. So ließen sich nur schwer geeignete Räume für die gemeinsame Zeit finden.

Als ihm die Initiative „Mein Papa kommt“ empfohlen wurde, habe er sich dort angemeldet, um dieses Problem zu lösen. Nun sei er froh, dass es so gut geklappt hat. „Ich habe einen Schlüssel zur Wohnung von Frau Welz bekommen. Mit meinem Sohn habe ich dort eine Basis. Von hier aus können wir etwas unternehmen, hier kann ich kochen, und hier können wir auch mal zur Ruhe kommen.“

Der Berliner sagt, er möchte Zeit mit seinem Sohn verbringen und dabei auch Alltagssachen erleben und nicht nur in den Zoo gehen und der Spaßvater sein. „Da geht es darum, dass sich Rituale etablieren und wir unsere Beziehung stärken. Jedes Kind hat das Recht auf eine gesunde Beziehung zu beiden Eltern.“

Initiative hat bereits 1.350-mal Gastgeber vermittelt

Seit Gründung der Initiative im Jahr 2008 hat es bundesweit 1.350 solcher Vermittlungen gegeben, auch für Mütter, deren Kinder beim Vater leben. Die Gastgeber wie Leonore Welz in Bautzen machen das ehrenamtlich. „Wir vermitteln Übernachtungen und Spielzimmer am Wohnort des Kindes. Damit Elternliebe auch über weite Entfernungen hinweg erlebbar bleibt“, heißt auf der Internetseite von „Mein Papa kommt“.

Wie Julia Hinnenberg, Community-Managerin der Initiative, erklärt, finde man eigentlich immer Gastgeber. „Wenn wir in unserem Netzwerk keinen Gastgeber finden, dann machen wir uns auf die Suche. Das kann dann manchmal etwas dauern, aber zu 99 Prozent klappt es.“ Die Initiative finanziere sich zu 80 Prozent aus öffentlichen Fördermitteln und Spenden. Der Rest werde durch die Elternbeiträge gedeckt.

Vater zieht nun aus Berlin nach Bautzen

Für Manuel Wünsche hätte es sogar einen zweiten potenziellen Gastgeber gegeben, allerdings nicht direkt in Bautzen, sondern in einem Dorf in der Nähe. Wenn alles so klappt, wie er sich das vorstellt, wird Leonore Welz ihren Schlüssel aber bald zurückbekommen „Da ich demnächst nach Bautzen ziehe, um mehr Zeit mit meinem Sohn zu verbringen, werde ich Frau Welz als Gastgeberin nicht mehr brauchen. Ich bin ihr aber sehr dankbar, und wir werden uns sicher auch dann noch mal treffen.“

Er ziehe erstmal für ein halbes Jahr nach Bautzen. Dank seines Arbeitgebers sei das kein Problem. 100 Prozent Homeoffice machen es möglich. Damit solle sich die Vater-Sohn-Beziehung auch weiterentwickeln. „Mein Sohn hat mich bei der Interaktion mit anderen Menschen bisher nur im Kontext der Trennungsfamilie erlebt, beim Abholen, wieder nach Hause bringen oder den Großeltern mütterlicherseits.“

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Die Unterstützung der Bautzener Tagesmutter steht auch anderen offen, wie sie sagt. „Ich freue mich, dass ich helfen kann, und würde das auch anderen anbieten“, blickt Leonore Welz auf die bisherigen Erfahrungen mit Manuel Wünsche und seinem Sohn zurück.

*Name von der Redaktion geändert.

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